Der zweitägige Prozess wird einmal mehr das Problem mit den sogenannten "Gefährdern" offenlegen. Radikalisierten Islamisten, die sich dem "Islamischen Staat" (IS) gegenüber zu Anschlägen in ihren Gastgeber-Ländern gegen die "Ungläubigen" bereit erklärt haben.
Der angeklagte Afghane aus Salzburg lebte seit 2023 in der Mozartstadt. Er fiel den Ermittlern auf, weil er sich im Internet zum IS-Ableger "Islamischer Staat – Khorasan Provinz" (ISKP) bekannt hatte. Die "Provinz Khorasan" beansprucht neben Afghanistan und Iranisch-Khorasan auch die iranischen Provinzen Kerman und Siesta und Belutschistan sowie Zentralasien, Pakistan und Indien für sich.
Laut Staatsanwaltschaft hielt sich der Angeklagte als "Schläfer" bereit, um auf "jederzeitigen Abruf" Selbstmordattentate mit Schusswaffen oder Sprengstoff sowie Messerattentate zu verüben.
Mit dem Hauptbahnhof, dem Christkindlmarkt am Domplatz und der Festung Hohensalzburg habe er auch schon konkrete Anschlagsziele ausgewählt. Geplant gewesen seien seine Anschläge für das Weihnachtsfest im vergangenen Jahr.
Verhaftet wurde der Afghane, der laut Ermittlern auf sozialen Medien auch intensiv Propaganda für den IS und den Ableger ISKP betrieb, am 1. Dezember 2024, seitdem sitzt er in U-Haft. Im Falle der Verurteilung drohen ihm zwischen zehn und 20 Jahren Gefängnis oder lebenslange Haft. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Auch Anschläge in Wien von Islamisten vorbereitet
In der Vergangenheit wurden in Österreich immer wieder geplante Terroranschläge vereitelt: In Wien wurden im Dezember 2023 mehrere Verdächtige aus Tadschikistan festgenommen, die ebenfalls der Gruppe "IS - Provinz Khorasan" angehörten. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatten sie bereits den Stephansdom und Christkindlmärkte ausspioniert. Obwohl die Ermittlungen in dem Fall im Oktober 2024 eingestellt wurden, da die Beweise für eine Anklage nicht ausreichten, verhinderte das Eingreifen der Behörden die möglichen Angriffe.
Im Februar 2014 wurde ein bewaffneter Jugendlicher (14) mit türkischen Wurzeln festgenommen, der einen Anschlag auf den Westbahnhof in Wien verüben wollte. Der Jugendliche hatte sich online radikalisiert und war ein Anhänger des IS. Er verbreitete islamistische Inhalte auf TikTok und wurde vom deutschen Bundeskriminalamt identifiziert, das die österreichischen Behörden informierte. Bei seiner Festnahme wurde ein Messer bei ihm sichergestellt. Der 14-Jährige wurden zu zwei Jahren teilbedingter Haft verurteilt.
Im Juni 2023 vereitelten Sicherheitskräfte einen geplanten Anschlag auf die Regenbogenparade (Pride Parade) in Wien. Drei junge Männer im Alter von 14, 17 und 20 Jahren wurden festgenommen. Die Verdächtigen, österreichische Staatsbürger bosnischer und tschetschenischer Herkunft, sympathisierten mit der Terrororganisation Islamischer Staat. Der jüngste aus dem Trio wurde inzwischen zu sechs Monaten teilbedingter Haft verurteilt, die beiden anderen Verfahren gegen ein Brüderpar sind auf unbestimmte Zeit vertagt.
Im August 2024 wurden Pläne für einen Anschlag auf die Konzerte US-Superstar Taylor Swift in Wien vereitelt, was zu Festnahmen führte. Der Hauptangeklagte Iraker (18), der die Anschlage in Namen des IS geplant haben soll, wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nicht rechtskräftig, er hat dagegen Berufung eingelegt.