Ausgetanzt: Der harte Absturz der SPÖ in nur 40 Jahren - kann Babler diese Partei noch retten?
Im Oktober 1986 konnten Franz Vranitzky und Bundeskanzler Fred Sinowatz noch bei einer Tanzeinlage mit Show-Lady Marlene Charell in der Wiener Stadthalle lachen und scherzen: Die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) war über viele Jahre hinweg eine der prägenden Kräfte der heimischen Politik. Doch in den vergangenen 40 Jahren hat sie einen dramatischen Bedeutungsverlust erlitten. Ihre Wählerbasis schrumpft kontinuierlich – von ausgezeichneten Wahlergebnissen jenseits der 45 Prozent in den 1980er Jahren bis zu katastrophalen 21,1 Prozent bei der Nationalratswahl 2024.
1983 erreichte die SPÖ noch einen Stimmenanteil von 47,7 Prozent. In den folgenden Wahlen sank dieser Wert: 1986 und 1990 lagen die Anteile noch über 40 Prozent, doch Mitte der 1990er Jahre war ein dramatischer Absturz zu verzeichnen (1994: knapp 35 %, 1995: rund 38 %). Ende des Jahrtausends erreichte die Partei 1999 etwa 33 %, 2002 wieder 36,5 %.
Ab den 2000er Jahren verschlechterte sich die Lage drastisch: 2006 etwa nur 35,3 %, 2008 dann 29,3 %, 2013 nur 26,8 %, 2017 knapp 26,9 %; 2019 stürzte die SPÖ weiter auf 21,2 % und bei der Nationalrastwahl 2024 lag sie bei 21,1 %.

Hinter den Zahlen stehen personelle Umbrüche und strategische Unsicherheiten. Die SPÖ kämpfte immer wieder mit Führungswechseln und Richtungsstreit: Von Fred Sinowatz (Früh-1980er) über Franz Vranitzky (lange 1990er-Präsenz), Viktor Klima, Alfred Gusenbauer, Werner Faymann, Christian Kern, Pamela Rendi-Wagner bis zu Andreas Babler — jede Epoche brachte politische Kurskorrekturen, oft begleitet von inhaltlichen Schwenks, die Stammwähler irritierten oder nicht neue Zielgruppen überzeugten.
Mehrere Ursachen für den Niedergang
• Entideologisierung und Wählersplit: Die klassische Arbeiterklientel schrumpft, andere Parteien (FPÖ, NEOS, Grüne, regionale Listen) binden Wähler, die früher stabil links wählten.
• Grand-Coalition-Müdigkeit: Jahrzehnte lange Koalitionen mit der ÖVP schwächten das Profil der SPÖ; bei Wählern entstand der Eindruck, die Partei sei Teil des politischen Establishments ohne klaren Oppositionscharakter - was nun aktuell wieder verfestigt wird.
• Interne Richtungsstreits: Konflikte zwischen moderaten, pragmatischen oder auch linksextremen Flügeln und regional-konservativen oder populistischen Kräften (Burgenland-Flügel um Doskozil) führten zu Zerreißproben.
• Krisenmanagement und Kommunikationsprobleme: Wirtschaftliche Krisen, die Corona-Jahre und die Energie-/Inflationskrise traten zeitweise als Prüfstein auf; die SPÖ gelang es nicht immer, klare, glaubwürdige Rezepte zu liefern (die Polling- und Trenddaten zeigen anhaltenden Vertrauensverlust seit frühen 2000ern).

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Die Konsequenz: Aus einer der beiden dominierenden Volksparteien ist eine Kraft geworden, die lokal (etwa in Wien und im Burgenland) weiterhin stark wirkt, bundesweit jedoch nicht mehr punkten kann. Der Verlust an Stimmen hat die SPÖ inhaltlich gezwungen, ihr Profil neu zu schärfen - dieser Prozess war aber bislang nicht erfolgreich, wie die jüngsten Umfragedaten zeigen.
