Kein anderer wollte: ÖVP macht politisches Leichtgewicht (24) zu Landesrat in Regierung

Wie unattraktiv selbst ein gut dotierter Posten für ÖVP-Funktionäre in der derzeitigen Verfassung der Partei ist, zeigt eine Neubesetzung in Salzburg. Dort wurde Maximilian Aigner (24) ins Haifischbecken geworfen und aus Verlegenheit Landesrat.

ÖVP/Manuel Horn

ÖVP/Manuel Horn

Maximilian wer? Es ist nicht die Schuld des gerade einmal 24-jährigen Nachwuchspolitikers, dass bislang noch kaum jemand etwas von ihm gehört hat. Der gelernte Mittelschullehrer (Geschichte, Politik, Religion) engagierte sich bisher als Bezirksleiter der Landjugend Lungau. Der Bauernbub brachte es bis zum Salzburger Landesvorsitzenden der ÖVP-Nachwuchsschmiede. Seit Juli fungierte er als Partei-Vize von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler.

Jetzt ist Aigner plötzlich Landesrat für Land- und Forstwirtschaft und damit Mitglied der Salzburger Regierung. Bedeutet ab sofort 16.876 Euro Gehalt im Monat und künftig sehr viel Verantwortung für den 24-Jährigen Unterberger.

Sein Einstieg in die große Politik darf ohne Eigenverschulden als holprig bezeichnet werden. Was auch an der plumpen, aber ehrlichen Aussage der Landeshauptfrau liegt. Edtstadler posaunte raus, dass ihr neuer Landesrat nicht erste Wahl gewesen sei. Inzwischen wurden die Absagen mehrerer namhafter Kandidaten aus dem Parteiumfeld für die Besetzung des nach dem plötzlichen Tod von Josef Schwaiger vakanten Spitzenpostens bekannt.

Keiner wollte in die Edtstadtler-Regierung, warum auch immer. Aigner durfte und es ist ihm hoch anzurechnen, dass er sich nicht wegduckte, wie die erfahreneren ÖVP-Granden. Als Landwirtssohn bringt er immerhin eine persönliche Beziehung zur Materie mit, die er künftig zu vertreten hat. Auch das ist in Tagen wie diesen im Polit-Geschäft längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Die Vorbehalte gegen den neuen Regierungs-Frischling sind jedoch gewaltig, die politische Opposition ist skeptisch: „Gerade in so herausfordernden Zeiten hätten wir erwartet, dass die ÖVP auf eine Person mit weitreichender Erfahrung in Verwaltung und Politik setzt. Die Fußstapfen von Josef Schwaiger sind enorm groß, und der Nachfolger hat bei weitem nicht die Voraussetzungen, um den hohen Erwartungen gerecht zu werden", konstatierte der designierte SPÖ-Landeschef Peter Eder.

Eine volle Breitseite kam von der KPÖ: „Edtstadler hat eine Absage nach der anderen kassiert. Jetzt hat sie einen 24-Jährigen ohne Vorkenntnisse oder Qualifikationen aus dem Hut zaubern müssen. ‚Jung sein‘ und Loyalität zur Parteiobfrau reichen als Qualifikation nicht. Einen solchen Posten ohne nennenswerte Berufserfahrung zu besetzen, halten wir für untragbar", sagte Klubobfrau Natalie Hangöbl.

Etwas diplomatischer reagierten die Grünen: "Aigner steigt in große Fußstapfen. Die Aufgaben, die auf ihn zukommen, sind enorm. Zeit für Experimente haben wir keine. Daher kann ich ihm nur viel Kraft, Ausdauer und vor allem gute Berater wünschen", ließ Obfrau Martina Berthold per Aussendung wissen: "Salzburg braucht jetzt ein Regierungsmitglied, das Verantwortung übernimmt, mutige Entscheidungen trifft und die Zukunft unseres Landes nicht weiter verspielt“, so Berthold.

Landeshauptfrau Karoline Edtstadler verteidigte die umstrittene Personalentscheidung: „Ich habe beim Landeskongress angekündigt, die Salzburger ÖVP zu verjüngen. Mit Maximilian Aigner setzen wir den nächsten Schritt und ein klares Signal. Er ist ein Kandidat, dem die Landwirtschaft am Herzen liegt, der die Herausforderungen und Chancen für den ländlichen Raum kennt und der auf Augenhöhe mit der jungen Bevölkerung spricht“, sagte sie.

Die wichtigen Finanz- und Personalagenden, die Josef Schwaiger ebenfalls verantwortete, übertrug die Juristin aber vorsichtshalber an sich selbst. Zuviel wollte sie dem Newcomer dann wohl doch nicht zumuten.