An jedem 11. eines Monats setzt der Dokumentarfilmer Christoph Gretzmacher (52) aus Wien ein Posting auf Facebook ab, das an das Schicksal seiner entführten Mutter erinnert. "Wir erwarten, dass jene, die handeln können, es endlich tun", schrieb der Wiener zuletzt.
Es war ein Appell an das Außenministerium von Beate Meinl-Reisinger (NEOS). Während die Ressort-Chefin am Strand von Kolumbien joggt und mit glamourösen Goldkleid-Auftritten in Kairo die Klatschreporter begeistert, tut sich hinter den Kulissen in eventuellen Verhandlungen um die Freilassung der entführten Österreicherin offenbar wenig bis nichts. Vor über zehn Monaten wurde Eva Gretzmacher von Unbekannten in einem Toyota in Agadez (Niger) verschleppt und sitzt seit nunmehr 304 Tagen in Geiselhaft - Statement berichtete. (https://newsroom.statement.com/post_statement_at/wienerin-bereits-acht-monate-in-geiselhaft-wann-handelt-das-aussenministerium).
Erst an ihrem 74. Geburtstag, knapp vier Monate nach der Tat, meldeten sich die Entführer: Ein Foto, geschickt über Mittelsmänner, zeigte das Entführungsopfer erstmals wieder. Erschöpft und von den Strapazen gezeichnet – aber lebend. In Gefangenschaft von Terroristen des "Islamischen Staats in der Größeren Sahara" (ISGS) irgendwo in der Grenzregion zwischen Niger und Mali.
Die Wienerin lebte seit über 30 Jahren in Niger. In Agadez kennt man sie, wo sie Bildungsprojekte gründete, Nähkurse für Mädchen initiierte, Konzerte für Jugendliche organisierte und spezielle Kurse für Frauen. Entführt wurde sie fast zeitgleich mit der Schweizerin Claudia Abbt (67). Durch Lösegeldzahlungen aus den Heimatländern finanzieren die ISGS-Islamisten ihren Terrorkampf. Zuletzt kidnappten sie einen US-Piloten aus seinem Haus in Niger unweit des Präsidentenpalastes.
Vor einigen Monaten hatte sich Sohn Christoph Gretzmacher noch bedankt: Für die Unterstützung bei den "höchsten Stellen in der Politik". Gleichzeitig stellte er ernüchtert fest: "Das Tempo staatlicher Stellen ist quälend langsam – für viele unverständlich. Ein Treffen, eine Prüfung, eine Evaluierung dauert oft Wochen. Für die Betroffenen aber zählt jede Stunde. Der bislang einzige Proof of Life kam über meine Kontakte – und liegt bereits gefühlte Ewigkeiten zurück. Nach acht Monaten braucht es endlich sichtbare Fortschritte."
Die Fortschritte blieben bis heute aus, die Diplomatie scheint die Geisel vergessen zu haben. Es sieht nicht danach aus, als könnte Eva Gretzmacher Weihnachten im Kreise ihrer Familie verbringen.
