Alarmstufe Rot: 68 Prozent der Unternehmen planen Abwanderung aus Deutschland

Die Stimmung in der deutschen Industrie kippt dramatisch. Handelskonflikte, protektionistische Maßnahmen großer Wirtschaftsmächte und eine zunehmend als unattraktiv empfundene Standortpolitik treiben immer mehr Unternehmen zur Überlegung, Deutschland den Rücken zu kehren.

Eine neue Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte und des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) zeichnet ein Bild, das in seiner Deutlichkeit alarmiert: 68 Prozent der Industriebetriebe planen in den kommenden zwei bis drei Jahren, ihre Produktion ganz oder teilweise ins Ausland zu verlagern - das berichtet aktuell ntv.

Vor allem die USA haben als möglicher neuer Standort stark an Attraktivität gewonnen. Rund ein Viertel der Unternehmen erwägt eine Verlagerung dorthin – ein Anteil, der in früheren Befragungen deutlich niedriger lag. Ausschlaggebend seien nicht nur niedrigere regulatorische Hürden, sondern auch die hohen Zölle, mit denen die US-Regierung seit Jahren versucht, Konzerne ins Land zu ziehen. Doch auch Europa bleibt ein Hauptziel: 30 Prozent der Unternehmen denken über einen Umzug in europäische Nachbarländer nach. Asien ist weiterhin ein Magnet für kostenorientierte Fertigung – besonders China, Indien und südostasiatische Staaten.

Immer weniger Unternehmen produzieren in Deutschland

Ein beunruhigender Trend setzt sich fort: Jedes fünfte Unternehmen produziert heute überhaupt nicht mehr in Deutschland. Vor lediglich zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei elf Prozent. Betroffen sind längst nicht nur Produktionslinien – zunehmend werden auch Forschung, Entwicklung und hochqualifizierte Tätigkeiten ins Ausland verschoben.

Diese Entwicklung fällt in eine Zeit, in der große deutsche Unternehmen bereits mit massiven Stellenstreichungen Schlagzeilen machen. Ob Automobilzulieferer, Chemiekonzerne, Maschinenbauer oder große Handelsketten: Tausende Jobs wurden in den vergangenen Monaten gestrichen, vielfach mit der Begründung steigender Kosten, sinkender Wettbewerbsfähigkeit oder mangelndem Spielraum für Investitionen am Standort Deutschland. Für die Industrie ist klar: Viele dieser Einschnitte sind ein Vorbote weiterer Strukturveränderungen, die sich nun in den geplanten Standortverlagerungen widerspiegeln.

Beim BDI schrillen die Alarmglocken. Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung, warnt offen vor einem „Standortdrift“, der sich ohne politische Gegenmaßnahmen beschleunigen werde. Die geopolitischen Spannungen seien längst nicht mehr nur Störfaktoren, sondern „stürmische Gegenwinde“, die das industrielle Fundament Deutschlands bedrohen. Dass zwei Drittel der Unternehmen über Abwanderung nachdenken, sei daher „kein Ausreißer, sondern ein Symptom einer größeren Entwicklung“.

Niedermark fordert die Bundesregierung um Kanzler Merz zu entschlossenerem Handeln auf. Besonders wichtig sei eine Politik, die Investitionen fördert, Verfahren beschleunigt und technologische Schlüsselindustrien stärkt. Nur so könne verhindert werden, dass Innovationen hierzulande entwickelt, aber anderswo produziert werden. Es brauche, so der BDI, eine gezielte Anschubfinanzierung, damit deutsche Unternehmen neue Technologien schneller in Serienfertigung und Logistik integrieren können.