Zwei Öltanker zeitgleich in Flammen - war es eine Geheimdienst-Operation?
Im Schwarzen Meer hat sich am Freitag ein ungewöhnlicher Doppelvorfall ereignet, der weit über die Region hinaus für Aufmerksamkeit sorgt: Zwei Tanker, die zur sogenannten russischen „Schattenflotte“ zählen, wurden nahezu zeitgleich von Explosionen erschüttert und gingen anschließend in Flammen auf. Beide Schiffe befanden sich unweit der türkischen Küste und nahe der stark befahrenen Bosporus-Meerenge – einer der wichtigsten maritimen Routen weltweit. Die türkischen Behörden bestätigten, dass insgesamt 45 Besatzungsmitglieder in Sicherheit gebracht werden konnten.
Der größere der beiden Tanker, die 274 Meter lange „Kairos“, meldete laut Angaben der Schifffahrtsbehörden einen „externen Aufprall“, der etwa 28 Seemeilen vor der Küste ein Feuer an Bord auslöste. Die Crew wurde von Rettungskräften in Sicherheit gebracht, während die Flammen weiter um sich griffen. Nur kurze Zeit später wurde auch die „Virat“ getroffen, die sich 35 Seemeilen entfernt befand. Aus dem Maschinenraum drang dichter Rauch, doch die 20 Besatzungsmitglieder blieben unversehrt. Der Schiffsverkehr durch den Bosporus musste trotz des dramatischen Geschehens nicht eingestellt werden.
Beide Tanker stehen auf internationalen Sanktionslisten. Sie sind Teil jenes Netzwerks aus oft veralteten Schiffen, das Russland nutzt, um Öl und andere Güter trotz der Sanktionen nach dem Angriff auf die Ukraine weiterhin zu exportieren. Die „Kairos“, die unter der Flagge Gambias unterwegs war, befand sich auf dem Weg von Ägypten zum russischen Hafen Noworossijsk. Nach Einschätzung der Schifffahrtsagentur Tribeca könnte das Schiff eine Mine getroffen haben – im Schwarzen Meer wurden in den vergangenen Jahren immer wieder treibende Minen gesichtet.
Ob es sich bei den Explosionen um Unfälle, eine gezielte Operation oder kriminelle Sabotage handelt, ist derzeit noch nicht geklärt. Ein österreichischer Nachrichtendienst-Experte bewertet die Ereignisse gegenüber statement.at so: „Dass zwei Öltanker nahezu gleichzeitig in Brand geraten, ist äußerst unwahrscheinlich. Eine nachrichtendienstliche Operation wäre nicht auszuschließen“, sagte er. Möglich sei aber ebenso ein Anschlag von Unternehmen im Umfeld der lukrativen, oft illegalen Ölgeschäfte, bei denen enorme Summen im Spiel sind.