Nach Eskalation des Korruptions-Skandals: Spendensammlung für "Flamingo" gestoppt

Die tschechische Stiftung "Gift for Putin" hat nun beschlossen, keine "Flamingo"-Marschflugkörper vom ukrainischen Rüstungshersteller Fire Point zu kaufen, berichtet die ukrainische Zeitung Kyiv Independent. Als Grund für das Ende der Spendensammlung wurde von den Organisatoren genannt: die Verbindungen des Herstellers zum aktuellen Korruptionsskandal in der Ukraine, der in den jüngsten Tagen für ein politisches Erdbeben in Kiew gesorgt hat.

„Wir haben das Geld sehr schnell gesammelt, doch nun tauchten ernsthafte Zweifel auf, ob es tatsächlich für das Produkt verwendet würde, für das die Spenden gedacht waren. Deshalb sind wir nicht auf das Unternehmen zugegangen und suchen nun nach einer geeigneten Alternative“, sagte Stiftungsgründer Dalibor Dědek. Ein weiterer Sprecher der Initiative, Martin Ondráček, wies ebenfalls auf die Bedenken hin: Es bestehe „eine reale Vermutung, dass der Hersteller mit Personen im Umfeld von Andriy Jermak verknüpft ist.“ Jermak musste erst vor wenigen Stunden als Stabschef von Wolodymyr Selenskyj zurücktreten - er gilt als enger Freund des Präsidenten.

Die Stiftung überprüfe nun andere Rüstungsfirmen, um die Spenden anderweitig umzulenken. Der Schritt zeigt, wie sehr der Skandal um die ukrainische Führung mittlerweile internationale Unterstützer verunsichert.

Flamingo Credit: AFU
Eines der wenigen Bilder des Marschflugkörpers Flamingo Credit: AFU

Korruptions-Chaos in Kiew – Rücktritte und Ermittlungen

Die Hausdurchsuchungen der Privat- und Dienstobjekte von Andriy Jermak, dem bisherigen Leiter des Präsidialamtes, durch das National Anti-Corruption Bureau of Ukraine (NABU) sorgten in ganz Europa udn auch in Washington für Irritationen, auch wenn Präsident Wolodymyr Selenskyj noch am selben Abend den Rücktritt Jermaks ankündigte.

Die Ermittlungen drehen sich wie berichtet um einen weitreichenden Korruptionsskandal, in dessen Zentrum der Geschäftsmann Timur Mindich steht. Mindich, ein langjähriger Vertrauter des Präsidenten und früherer Mitbesitzer des TV-Studios Selenskyjs, gilt als Schlüsselfigur: Ihm wird vorgeworfen, erhebliche Summen veruntreut zu haben, die für den Ausbau der Verteidigung und den Schutz der Energieinfrastruktur in der Ukraine gedacht waren. NABU hatte ihn bereits vor mehreren Wochen angezeigt, Mindich ist untergetaucht - er soll sich in Österreich oder in Israel verstecken.

Der gewaltige Skandal stürzt die ukrainische Führung in eine politische Krise: Mit Jermak ist auch eine der wichtigsten Figuren im Umfeld des Präsidenten schwer belastet. Internationale Unterstützer und Spender reagieren mit Rückzug oder Zurückhaltung, wie eben nun auch das Beispiel der tschechischen Stiftung zeigt.

Analysten warnen, der Vertrauensverlust in die ukrainische Führung könne Mobilisierung, internationale Hilfe und Waffenlieferungen gefährden. Die politischen Instabilitäten wirken sich nicht nur innenpolitisch aus, sondern können auch die für die Ukraine dringend nötige außenpolitische Unterstützung in Kriegszeiten abgraben.