Fakten zur Messer-Kriminalität: Zahl der Verletzten stieg seit 2019 um 50 Prozent

Deutschland hat ein gewaltiges Problem mit der steigenden Zahl an Gewalttaten – insbesondere Messerattacken und Sexualdelikte nehmen seit 2019 signifikant zu. Neue Daten zeigen: Die Gewaltkriminalität erreicht Rekordwerte, Notaufnahmen sowie Polizei registrieren eine erschreckende Steigerung der Fälle.

Laut der jüngsten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurden im Jahr 2024 29.014 Fälle erfasst, bei denen ein Messer zum Einsatz kam – so viele wie nie zuvor. Das entspricht im Schnitt 79 Messerangriffen pro Tag. Allein die Zahl der gefährlichen oder schweren Körperverletzungen mit Messer stieg stark an. 15.741 Taten der Körperverletzung mit Messer wurden verzeichnet – ein deutliches Plus im Vergleich zu den Vorjahren.

Immer öfter enden Attacken mit schweren Stichverletzungen an Brust oder Hals, also an besonders gefährlichen Körperregionen. Mediziner und Notärzte berichten, dass die Opfer immer wieder mit kritischen inneren Verletzungen eingeliefert werden – viele davon lebensgefährlich. Fälle, die früher rar waren, sind nun erschreckend häufig.

Schwerverletzte durch Messerattacken: Ein Plus von 50 Prozent

Der Spiegel zitiert dazu aus einer aktuellen medizinischen Fachzeitschrift - sie nennt Daten aus dem Traumaregister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, in dem behandelte Fälle nach schweren Verletzungen in Deutschland erfasst werden. Eine Gruppe von Notfallmedizinern hat erstmals aus dem Register jene Fälle herausgefiltert, bei denen jemand absichtlich auf einen Menschen eingestochen hatte: "In zehn Jahren wurden demnach 3325 Stichverletzungen im Zusammenhang mit Gewalttaten gezählt. Die Zahl der Schwerverletzten nach gewaltsamen Stichverletzungen ist kontinuierlich gestiegen: von ungefähr 250 im Jahr 2019 auf ungefähr 375 im Jahr 2023, den jüngsten verfügbaren Daten. Das ist ein Plus von 50 Prozent."

Fast jedes zehnte Messeropfer stirbt im Spital

Und: "86 Prozent der Opfer waren Männer und im Durchschnitt 31,3 Jahre alt. Nach der Einlieferung mussten 70 Prozent von ihnen als Notfall behandelt werden. Acht Prozent der Betroffenen waren so schwer verletzt, dass sie an ihren Stichverletzungen im Krankenhaus starben."

Auch an der Berliner Charité im Stadtteil Wedding zeigt sich ein deutlich beunruhigender Trend. Ärzte der Notaufnahme berichten, dass die Zahl der Patienten mit gewaltsam verursachten Stichverletzungen seit Mitte 2015 kontinuierlich steigt. Die dem Spiegel vorliegenden Daten belegen diese Entwicklung: Während im Jahr 2016 noch 37 Opfer nach Messerattacken behandelt wurden, lag die Zahl 2024 bereits bei 106 Fällen. Und allein bis Oktober 2025 kamen schon wieder 65 weitere Betroffene hinzu. Insgesamt mussten in dem betrachteten Zeitraum 530 Menschen mit Stichverletzungen versorgt werden – für einige von ihnen kam jede Hilfe zu spät.

Bei der Jugendkriminalität zeigt sich dazu ein besorgniserregender Trend: Immer mehr Minderjährige und Jugendliche werden als Tatverdächtige bei Gewaltdelikten geführt – darunter auch bei Messerstraftaten.

Sexualdelikte: Anstieg seit 2019, hoher Dunkelzifferanteil

Parallel zur Messergewalt steigen die Zahlen auch bei Sexualdelikten deutlich. Im Jahr 2024 meldete die Statistik 13.320 Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und besonders schweren sexualisierten Übergriffen – ein Anstieg um 9,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit erreicht die Statistik einen der höchsten Werte seit vielen Jahren.

Die Politik meint dazu: Der Anstieg spiegele nicht nur reale Gewalt wider, sondern auch eine größere Bereitschaft der Opfer, zur Polizei zu gehen – zumal Bewusstsein und gesellschaftliche Sensibilität für sexuelle Gewalt gestiegen seien. Dennoch dürften viele Fälle noch unentdeckt bleiben.

Ursachen: soziale Spannungen, Jugendgewalt

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Einige Experten sehen den Anstieg der Gewalt im direkten Zusammenhang mit wirtschaftlicher Unsicherheit, sozialen Problemen und Perspektivlosigkeit – insbesondere unter Jugendlichen. Bei Messerattacken handelt es sich oft um kurze, aggressive Konflikte, die aus impulsiveren Gruppen heraus entstehen.

Darüber hinaus kritisieren Fachleute eine zunehmende Tendenz zu Präsentismus und Verharmlosung – Opfer und Täter würden Hemmungen verlieren, Konflikte mit Waffen auszutragen. Im Bereich der Sexualdelikte wirkt sich laut politischen Stimmen auch eine stärkere Erfassung und Meldebeteiligung aus: Die Sensibilisierung durch Bewegungen wie #MeToo könnte dazu führen, dass mehr Betroffene Anzeige erstatten – oder aber es gibt tatsächlich mehr Fälle.

Notaufnahmen unter Druck

Die Konsequenzen sind deutlich spürbar: Die Notaufnahmen in den Spitälern sind zunehmend mit schweren Gewaltdelikten konfrontiert. Zeitgleich leiden Polizei und Sicherheitsbehörden unter wachsender Belastung: Gewalttaten, Messerangriffe und Sexualdelikte belasten Ressourcen und Personal extrem.

Innenminister und Polizeiverbände fordern daher strengere Kontrollen, verstärkte Präventionsprogramme und eine entschiedene Durchsetzung bestehender Gesetze sowohl bei Waffenbesitz als auch beim Schutz von Frauen und Minderheiten. Dazu wäre vermutlich auch ein konsequenterer Vollzug von Abschiebungs-Bescheiden hilfreich.