Für den Aufschwung: Top-Unternehmerin will höchsten christlichen Feiertag opfern

Es kommt einem Sakrileg gleich: Weil die Wirtschaft vor sich hin dümpelt, will Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller ausgerechnet den Ostermontag als Feiertag opfern. Neben dem Karfreitag gilt er vielen Gläubigen als höchster christlicher Festtag.

Die Vorstandsvorsitzende des Lasertechnik-Giganten Trumpf, die sich selbst als Christin bezeichnet, fordert die Abschaffung des Ostermontag als gesetzlichem Feiertag. Zur Erinnerung für Nicola Leibinger-Kammüller: Am Ostermontag feiern Katholiken und Protestanten die Auferstehung Jesu, genauer gesagt die Begegnung mit den Jüngern nach seiner Auferstehung. Im Mittelpunkt steht die biblische Geschichte der Jünger, die sich auf dem Weg nach Emmaus befanden und den auferstandenen Jesus erst erkannten, als er mit ihnen das Brot brach.

Die Chefin des schwäbischen Maschinenbauers aus Ditzingen bei Stuttgart begründet ihre Forderung mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage Deutschlands. „Wir haben die meisten Feiertage und im Durchschnitt die meisten Krankheitstage“, sagte Leibinger-Kammüller nicht ganz zahlenfest den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung. „Wir müssen uns wieder kollektiv anstrengen, weil sich der Erdball weitergedreht hat, wenn wir auf die Arbeitszeiten in Amerika, China oder Polen blicken.“

Dass Leibinger-Kammüller ausgerechnet den Ostermontag streichen möchte, begründete sie damit, dass kaum noch jemand an den traditionellen Ostermontags-Prozessionen teilnehme. „Dafür sei der Tag jedoch einmal gedacht gewesen“, zitieren die Zeitungen die Unternehmerin. Sie sei überzeugt, dass längere Arbeitszeiten möglich seien, „ohne dass Beschäftigte danach ins Sanatorium müssen“.

Hintergrund für den drastischen Vorschlag ist wohl die kritische Lage ihres eigenen Unternehmens: Trumpf rutschte im Geschäftsjahr 2024/25 tief in die roten Zahlen und verbuchte einen Verlust von 23,4 Millionen Euro nach Steuern – nach einem Gewinn von noch 392,8 Millionen Euro im Vorjahr.

Die Forderung nach einer Feiertagsstreichung zur Stützung der Wirtschaft ist nicht neu - aber unter Ökonomen höchst umstritten. So hat das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in einer Studie keine Belege dafür gefunden, dass die Abschaffung von Feiertagen die Wirtschaftsleistung erhöht. Im Gegenteil: Die deutschen Bundesländer mit meisten Feiertagen (12), Bayern und Baden-Württemberg, stehen wirtschaftlich deutlich besser da, als die mit den wenigsten (10), wie Berlin oder Bremen.

Auch die deutsche Bevölkerung zeigt sich wenig begeistert von solchen Plänen. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa ergab, dass eine Mehrheit der Menschen in Deutschland nicht dazu bereit ist, zugunsten von mehr Wirtschaftsleistung auf Feiertage zu verzichten.

Österreich hat übrigens 13 gesetzliche Feiertage für alle plus den "persönlichen Feiertag" und liegt damit neben der Slowakei und Malta an der Spitze der EU-Länder. Die Niederlande und Irland kommen dagegen mit zehn Feiertagen aus.

Deutschland hat weder die meisten Feiertage, noch die höchsten Krankenstände in der EU. Nicola Leibinger-Kammüller irrt sich auch hier.