Georgien: Polizei hat bei Protesten möglicherweise chemische Waffen eingesetzt
Einem Untersuchungsbericht der BBC zufolge haben die georgischen Behörden im vergangenen Jahr eine Chemikalie namens Kamit eingesetzt, die im Ersten Weltkrieg als chemische Waffe verwendet wurde, um Proteste niederzuschlagen. Die Demonstranten klagten über brennende Haut, Kurzatmigkeit, Husten und Erbrechen, die auch noch Wochen nach den Protesten anhielten.
Konstantin Chakhunashvili, Kinderarzt und einer der Betroffenen, führte eine Studie unter den Demonstranten durch. Diese Studie ergab, dass fast die Hälfte der 350 Befragten ihm von langfristigen Gesundheitsproblemen berichtete. Sein Bericht verdeutlicht die ungewöhnlichen Auswirkungen dieser Chemikalie.
Eine BBC-Quelle bei der georgischen Bereitschaftspolizei bestätigte, dass die Chemikalie 2009 getestet wurde und entgegen den Empfehlungen bis mindestens 2022 weiter eingesetzt wird. Im Polizeibestand seien zwei ähnliche Chemikalien vorhanden.
Der Chemiewaffenexperte Christopher Holstege bestätigte, dass die klinischen Symptome mit den Auswirkungen von Kamit übereinstimmen, das im Vergleich zu herkömmlichem Tränengas wesentlich stärker und langlebiger ist.
Die UN-Sonderberichterstatterin für Folter, Alice Edwards, bezeichnete den Einsatz als eine potenziell missbräuchliche militärische Technik mit schweren Menschenrechtsverletzungen.
Die georgische Regierung hat die Vorwürfe als absurd zurückgewiesen. Die Proteste in Tiflis gehen trotz harter Maßnahmen und Geldstrafen weiter. Die Demonstranten fordern den Rücktritt der Regierung, der sie Wahlfälschung und eine pro-russische Haltung vorwerfen.
(sie)