Bei der Kontrolle am Hauptbahnhof in Aachen sprudelte der Polizeicomputer regelrecht über, als die Beamten den 37-jährigen Zugreisenden im System abfragten. Der Mann wies sich mit einem libanesischen Reisepass und einem nicht im Schengenraum gültigen italienischen Aufenthaltstitel aus, so die zuständige Bundespolizeidirektion Sankt Augustin.
Für Deutschland bestand ein aufrechtes Einreise- und Aufenthaltsverbot, im Fahndungssystem war der Libanese mit 28 unterschiedlichen Identitäten registriert. Mehrfach hatte er gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen. Seinen Asylantrag hatten die deutschen Behörden letztmals im vergangenen April unanfechtbar abgelehnt.
"Er wurde mit dem Ziel der erneuten Abschiebung in den Libanon in Haft genommen", schreibt die Bundespolizei. Ob und wann dies nun tatsächlich der Fall sein wird, ist offen.
Das Problem mit falschen oder ungeklärten Identitäten der Migranten beschäftigt die Behörden ständig. In Deutschland reisten zuletzt über 50 Prozent der Flüchtlinge ohne gültige Personaldokumente ein, 2020 waren es konkret 51,8 Prozent der erwachsenen Antragsteller auf Asyl. Weil sie schlicht keine hatten und staatenlos sind, behaupteten, ihre Papiere verloren zu haben, ihre Identität verschleiern oder fälschen wollten. Die genaue Identität von mehr als 100.000 Migranten in Deutschland ist unklar.