Diese Umfrage des Linzer Market-Instituts ist wahrlich kein Weihnachtsgeschenk für den Bundesparteivorsitzenden der SPÖ: Während die Freiheitliche Partei ihre Spitzenposition weiter ausbaut, gerät Andreas Babler mit einem historisch schwachen Ergebnis in der Kanzlerfrage massiv unter Druck.
In der bundesweiten Sonntagsfrage erreicht die FPÖ derzeit 37 Prozent und liegt damit klar vor allen Mitbewerbern. Die ÖVP folgt mit deutlichem Abstand bei 19 Prozent, knapp dahinter rangiert die SPÖ mit 18 Prozent.
Noch aussagekräftiger als diese Parteipräferenzen ist jedoch die sogenannte Kanzlerfrage des Market-Instituts für den Standard, die zwar keine unmittelbare Wahlentscheidung abbildet, aber als wichtiger Stimmungsindikator gilt. Hier zeigt sich eine bereits dramatische Situation für die Sozialdemokratie: Andreas Babler wird lediglich von sechs Prozent der Befragten als Wunschkanzler genannt - ein Tiefstwert in der Geschichte der SPÖ.
FPÖ-Chef Kickl kommt in neuester Umfrage auf 35 Prozent
Market-Institutsleiter David Pfarrhofer spricht von einem „rekordverdächtigen Tiefstand“ für einen amtierenden Parteichef der Sozialdemokratie. Selbst frühere Krisenphasen der Partei hätten kaum vergleichbar schlechte Werte hervorgebracht.
Zum Vergleich: Herbert Kickl erreicht in derselben Befragung 35 Prozent Zustimmung in der Kanzlerfrage und damit einen historischen Höchstwert. Der amtierende Bundeskanzler Christian Stocker fällt auf zehn Prozent zurück – ebenfalls ein schwaches Ergebnis, das jedoch noch über Bablers katastrophalem Wert liegt.
Besonders problematisch für die SPÖ ist nicht nur die geringe Attraktivität ihres Vorsitzenden über die Parteigrenzen hinaus, sondern auch die mangelnde Rückendeckung aus den eigenen Reihen. Laut Umfrage wünscht sich nur etwa die Hälfte der SPÖ-Wähler Andreas Babler tatsächlich als Bundeskanzler.
Zwar kann Babler in einzelnen Bevölkerungsgruppen punkten: Bei jüngeren Wählern, Frauen und in urbanen Regionen erzielt er leicht überdurchschnittliche Werte. Doch diese Teilerfolge reichen nicht aus, um das insgesamt schwache Bild zu kompensieren. Speziell in klassischen SPÖ-Kernmilieus, etwa bei den Arbeitern, gelingt es Babler bislang nicht, Vertrauen und Mobilisierungskraft zu entfalten.
Im Kontrast dazu zeigt sich die FPÖ äußerst stabil. Sie punktet vor allem bei Männern, älteren Wählern, Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss sowie im ländlichen Raum – also in Regionen, die früher als Hochburgen der ÖVP galten. Die Freiheitlichen profitieren zudem davon, dass viele Wähler in der Kanzlerfrage eine klare Präferenz äußern, während sich insbesondere Frauen häufig unentschieden zeigen.

NEOS bei den Parteien auf letzten Platz abgerutscht
Auch die übrigen Parteien bewegen sich im Schatten dieser Entwicklung. Die NEOS kommen auf zehn Prozent, Parteichefin Beate Meinl-Reisinger erreicht acht Prozent in der Kanzlerfrage. Die Grünen liegen mit elf Prozent über ihrem letzten Wahlergebnis, bleiben jedoch unter früheren Höchstständen; Parteichefin Leonore Gewessler wird von sechs Prozent als Kanzlerin favorisiert - sie liegt damit gleich schlecht wie Babler auf dem letzten Platz.
Für die SPÖ ist das Ergebnis ein deutliches Warnsignal: Sollte es Andreas Babler nicht gelingen, sein Profil zu schärfen und breitere Wählerschichten anzusprechen, droht der Partei eine weitere Marginalisierung.
Insgesamt ist dieses Ergebnis der Umfrage zum Jahresende eine Katastrophe für die Bundesregierung: Trotz Dauer-Präsenz in den Mainstream-Medien und im ORF kommen die drei Fraktionen gemeinsam auf nur noch 47 Prozent. Und die FPÖ ist mit 37 Prozent gleich stark wie ÖVP und SPÖ zusammen.
Die Infos zur Umfrage: n= 800 repräsentativ für die wahlberechtigte österreichische Bevölkerung. Online-Befragung, ergänzt mit CAPI-Samplepoints. Erhebungszeitraum: 16.-18. Dezember 2025.