Müsste man für Deutschland festlegen, wer den Verlierer des Jahres 2025 darstellt, schwankt man zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem guten alten deutschen Verbrennermotor. Der Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass der Verbrennermotor, den die EU gerade abschaffen will, als ein Klassiker deutscher Ingenieurskunst eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte auf seinem Konto verbuchen kann und seinen drohenden Niedergang nicht etwa selbst zu verschulden hat. Er verdankt ihn der blinden Zerstörungswut linker Klima-Ideologen, die für ihre Weltenrettungsphantasien eine zentrale Säule der deutschen Wirtschaft demontierten, weil sie daran glauben, man könne Industrienationen mit Windrädern und Lastenfahrrädern betreiben. Friedrich Merz hingegen hat seine Misere ganz alleine und persönlich in Rekordzeit angerichtet.
Man sagt, Enttäuschungen seien zwar eine schmerzhafte, aber durchaus eine heilsame Angelegenheit. Am Ende ist man immer ganz im ursprünglichen Wortsinn einer „Täuschung“ aufgesessen, hat man an eine Illusion geglaubt, die sich dann als reiner Wunschgedanken entpuppt.
Friedrich Merz ist als Parteivorsitzender und Bundeskanzler der einst erfolgreichen Volkspartei CDU die größte Enttäuschung des Jahres 2025. Nach zehn Monaten im Amt sind seine Beliebtheitswerte innerhalb der Bevölkerung niederschmetternd gering. Auf der regelmäßig abgefragten Skala der Top 20 der beliebtesten Politiker in Deutschland rangiert er seit Monaten auf den untersten Tabellenplätzen und droht mit aktuell Rang 19 fast komplett aus der Liste zu fallen.
Bei der Frage, wen sich die Deutschen als Kanzler wünschen, hat ihn Alice Weidel als Vorsitzende der AfD gerade erst zwei Tage vor Weihnachten überholt. Der deutsche Wähler, der geglaubt hatte, mit der links-grünen Vorgängerregierung bereits viel Pech gehabt zu haben, hat bereits nach zehn Monaten Merz die Hoffnung fahren lassen, dass irgendetwas besser würde, nur weil jetzt schwarz-rot im Kanzleramt sitzt statt rot-grün-gelb.
Enttäuschung in den eigenen Reihen
Nun ist der Wähler bekanntlich ein launisches Wesen, gewählt wird sowieso nur alle vier bis fünf Jahre, umso wichtiger ist für einen Kanzler der Rückhalt in den eigenen Reihen, sprich in der eigenen Partei. Ausgerechnet dort ist die Stimmungslage gegenüber dem eigenen Parteivorsitzenden aber noch viel schlechter, um nicht zu sagen, auf einem historischen Tiefpunkt.
Einer der häufigsten Sätze, die man derzeit selbst von altgedienten Parteisoldaten innerhalb der CDU zu hören bekommt ist: „Dieser Mann ist die größte Enttäuschung“. Spricht man mit bislang treuen Christdemokraten, ist eine gewisse Fassungslosigkeit festzustellen über den politischen Totalausfall dieses einstigen Hoffnungsträgers gerade des konservativen Flügels aber auch jener, die von ihm eine Rückkehr der Vernunft in wirtschaftlichen und finanzpolitischen Dingen erhofft hatten.
Es herrscht aber auch eine gewisse Ratlosigkeit, ob Merz schon immer so war, und man es nur nicht habe sehen wollen, oder ob erst der Zugang zur Macht, der Posten als Kanzler und der Wille zum Machterhalt - koste es inhaltlich was es wolle - ihn zum Opportunisten haben werden lassen. Klar ist, Merz opfert ein Wahlversprechen nach dem anderen, nur um in der Koalition mit den Sozialdemokraten zu bleiben. Die Alternative einer Öffnung zur AfD als Koalitionspartner lehnt er strikter ab als weite Teile seiner eigenen Parteimitglieder, die Idee einer Minderheitenregierung - die möglich wäre - will er nicht einmal diskutieren. Damit hat sich die CDU dem Koalitionspartner SPD faktisch ausgeliefert und die SPD weiß das genüßlich auszunutzen.
Fakt ist, jener Friedrich Merz, der noch vor einem Jahr im Wahlkampf mit vollmundigen Versprechungen und Ankündigungen Anlauf nahm, dieses Land zu verändern und nach den gescheiterten links-grünen Experimenten der Vorgängerregierung von Olaf Scholz (SPD), Robert Habeck (Grüne) und Christian Lindner (FDP) wieder Vernunft und Sachverstand versprach, hat nichts davon geliefert.
Nicht nur, dass das erste Versprechen, das Volk werde noch vor dem Sommer 2025 spürbar im Geldbeutel merken, dass es wirtschaftlich voranginge, nicht eingehalten wurde. Auch der daraufhin von der Regierung zugesagte „Herbst der Reformen“ hat nicht stattgefunden und das Jahr 2025 dauert nur noch wenige Tage an.
Vielmehr gibt es nicht einmal einen Plan für 2026. Deutschland hat vier Jahre Rezession hinter sich, ein Rekordhoch bei den Unternehmens-Insolvenzen, Schlüsselindustrien wie die Automobilbranche, die Stahlindustrie und Chemiegiganten straucheln oder verlegen ihre Werke wie etwa BASF gleich ins Ausland. Die Strompreise gehören ohne Aussicht auf Besserung zu den teuersten der Welt und als Antwort werden die letzten funktionstüchtigen Atomkraftwerke öffentlichkeitswirksam in die Luft gesprengt, anstatt sie wieder einzuschalten. Man macht einfach nur weiter, wie bisher. Erste Spötter sprechen bereits von „Friedrich Merkel“ in Anlehnung an seine Erzrivalin Angela Merkel. Er hat ihren Kurs weder bei der Migrationspolitik noch bei der Energiepolitik des Landes korrigiert, er treibt ihn stattdessen durch Tatenlosigkeit auf die Spitze.
Dramatische wirtschaftliche Lage
Spätestens jetzt wird auch jenen Wirtschaftsexperten, wie dem Chef des renommierten Ifo-Instituts Clemens Fuest, der die Schuldenpolitik des Friedrich Merz zu Beginn des Jahres noch gestützt hatte, klar, dass das massive Schuldenpaket von über 500 Milliarden Euro, das Merz noch vor Amtsantritt im deutschen Bundestag als „Sondervermögen“ für Innovationen und Strukturreformen getarnt durchgesetzt hatte, gerade auf allen Ebenen für alles Mögliche ausgegeben wird, nur nicht für wichtige Strukturinvestitionen. Entsprechend spricht das ifo-Institut bereits seit Oktober 2025 von einer „dramatischen wirtschaftlichen Lage“ Deutschlands und warnte vor „italienischen Verhältnissen“.
Auch die versprochene Migrationswende, die Merz noch im Wahlkampf inklusive lückenlosen Grenzschließungen und Abschiebungen angekündigt hatte, findet nicht statt. Zwar werden durch Grenzkontrollen deutlich mehr illegale Migranten an der Einreise gehindert, doch alleine durch den Familiennachzug sind in diesem Jahr bereits über 100.000 Migranten dazukommen und die Regierung fliegt immer noch vermeintliche „Ortskräfte“ aus Afghanistan auf eigen Kosten nach Deutschland ein, während man es zeitgleich nicht einmal schafft, schwerste Intensivtäter und Asylbetrüger aus dem Land zu werfen. Über 50 Prozent der Bezieher des sogenannten Bürgergeldes sind gar keine Bürger Deutschlands, sondern Migranten mit ungesichertem Aufenthaltsstatus, die nun auf Kosten des deutschen Steuerzahlers ihre jahrelangen Asylverfahren abwarten. Die versprochene Abschaffung des Bürgergeldes wurde bei Merz zur Umbenennung. Es heißt jetzt „Grundsicherung“, sonst ändert sich nichts.
Ein Fehlstart von Anfang an
Das geht auch an der eigenen Partei nicht folgenlos vorbei. Wie wenig Rückhalt Merz im eigenen Haus hat, zeigte sich allein seit dem Sommer in dramatischer Weise gleich mehrfach. Im Juli 2025 scheitert Merz dabei, die bereits mit dem Koalitionspartner SPD ausgehandelten Kandidaten für die Neubesetzung offener Sitze im Bundesverfassungsgericht beschließen zu lassen, weil seine eigene Fraktion ihm die Gefolgschaft versagt. Die Wahl musste abgeblasen werden, bevor es zur Blamage einer Abstimmungsniederlage kommen konnte. Die SPD-Wunschkandidatin Frauke Brosius-Gersdorff war wegen ihrer offenen Pro-Abtreibungs-Haltung für die Mehrheit der Christdemokraten ein absolutes No-Go. Sowohl Merz als auch sein Fraktionsgeschäftsführer Jens Spahn hatten den eklatanten Fehler begangen, anzunehmen, die gerade erst neugewählten Abgeordneten der CDU würden einfach kommentarlos jeden Kandidaten brav abnicken, den man ihnen hinwirft. Die Fraktion probte den Aufstand und setzte sich durch.
In Wahrheit war es aber nicht das erste Scheitern des Friedrich Merz. Als erster Bundeskanzler der deutschen Nachkriegsgeschichte brauchte er zwei Wahlgänge, um überhaupt als Kanzler ins Amt gewählt zu werden. Ein historischer Fehlstart, der sich nun wie ein roter Faden durch seine ganze Amtszeit zieht. Der Kanzler hat keine Macht, sich durchzusetzen.
Geht man noch einen Schritt weiter zurück, war selbst seine Wahl zum Parteivorsitzenden der CDU doch schon eine doppelte Fehlzündung gewesen, dort brauchte er ganze drei Anläufe.
Im ersten Versuch verlor er die Abstimmung gegen die Wunschkandidatin Angela Merkels, die mehr als farblose Annegret Kramp-Karrenbauer für die nichts sprach, außer dass sie nicht Friedrich Merz war. Das reichte damals aus. Sie hatte sich aber auch in der Nacht vor der Abstimmung auf dem Parteitag noch in letzter Sekunde Stimmen aus der Jungen Union (JU) „eingekauft“ und dem damaligen Vorsitzenden der CDU-Nachwuchsorganisation Paul Ziemiak im Gegenzug den Posten des Generalsekretärs verschafft. Den zweiten Anlauf, um Parteivorsitzender zu werden, ruinierte ihm dann Armin Laschet, einst Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, der dann als Kanzlerkandidat der CDU die Wahl verlor. Drei Anläufe um Parteivorsitzender zu werden, zwei Anläufe, um von der eigenen Koalition als Kanzler bestätigt zu werden. Dass er sein eigenes Haus nicht im Griff hat und sich nicht einmal der Stimmen der eigenen Leute sicher sein kann, sollte als Symptom bleiben.
Nichts dazugelernt
Nach dem Debakel rund um die Richterwahlen zum Bundesverfassungsgericht hätten andere Politiker vielleicht dazugelernt. Ende November 2025 rennt Merz jedoch ins nächste Debakel rund um die Abstimmung zu einem neuen Rentengesetz. Diesmal versagen ihm ausgerechnet die jungen Abgeordneten der eigenen Fraktion die Gefolgschaft, darunter auch der Enkel des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, der inzwischen in die Fußstapfen seines Großvaters getreten ist. Wieder hatten Merz und sein Adjutant, der Fraktionsvorsitzende Jens Spahn, denselben Fehler wiederholt und dem Koalitionspartner SPD in kleiner Runde vorweg Dinge fest zugesagt, die mit den eigenen Abgeordneten in der Fraktion vorher weder diskutiert noch beschlossen worden waren.
Der Besuch von Friedrich Merz auf dem Bundesparteitag der Jungen Union geriet dann auch zum Spießrutenlauf für den Kanzler. Dazu muss man wissen, dass diese Veranstaltung normalerweise für einen CDU-Parteivorsitzenden ein Heimspiel ist. Gerade die Junge Union hatte speziell für Friedrich Merz unermüdlich Wahlkampf gemacht. Ihnen verdankt Merz auch seine Nominierung innerhalb der Partei sowohl als Parteivorsitzender als auch als Kanzlerkandidat. Diese euphorische Solidarität der Parteijugend hatte Merz bereits zu Beginn des Jahres mit dem Aufkündigen der Schuldenbremse sehr auf die Probe gestellt.
Dass er jetzt an ihnen vorbei erneut die junge Generation im Zuge der Rentenreform mit enormen Schulden und Kosten in der Zukunft belasten wollte, nur um dem Koalitionspartner SPD zu genügen, nahmen sie ihm hochgradig übel. Seine Rede beim Parteitag der JU quittierte der volle Saal mit eisigem Schweigen und ohne Applaus - noch nie war ein Kanzler dort so offen abgefertigt worden.
Die Abstimmung zum Rentengesetz konnte Merz letztendlich nur absichern, indem die extreme Linkspartei ihm im Bundestag unter die Arme greifen wollte, und ankündigte mit für das Rentenprogramm zu stimmen. Aus den eigenen Reihen hatten zu viele mit einem offenen Nein gedroht. Am Schluss reichte es knapp für die sogenannte „Kanzlermehrheit“ des Friedrich Merz, ein zweites Mal war er jedoch angeschossen und das nach so kurzer Zeit im Amt. Wieder durch die eigenen Leute.
Wunschkandidat von Merz fällt durch
Aller guten Dinge sind aber laut deutschem Sprichwort drei. Der Dezember bescherte dem deutschen Kanzler noch kurz vor der Weihnachtspause die dritte Niederlage - und ja, wieder aus den eigenen Reihen verursacht.
Merz scheiterte darin, bei der Wahl des neuen Vorsitzenden der parteinahen Konrad Adenauer Stiftung „seinen“ Kandidaten, den Staatssekretär Günter Krings aus dem Innenministerium, durchzusetzen. Die Mitgliederversammlung des Hauses wählte stattdessen eine Frau auf den wichtigen Posten, mit der Merz bereits eine Niederlage verbindet: Annegret Kramp-Karrenbauer, die seinen ersten Versuch, Parteivorsitzender zu werden, einst zunichtemachte. Jetzt ist sie wieder da.
Nach ihrem freiwilligen Abschied aus dem Amt der Parteivorsitzenden war sie in der politischen Versenkung verschwunden, jetzt tauchte sie aus dem Nichts wieder auf und sicherte sich die Kontrolle über die Ausrichtung der politischen Vorfeldarbeit und die 95 Auslandsvertretungen der CDU. Sowohl in der Partei, als auch in der Öffentlichkeit wird diese Wahlniederlage nicht Günter Krings angelastet, der innerhalb der Partei einen exzellenten Ruf genießt, es wird als ein Debakel und Denkzettel für Merz interpretiert. Es wurde nicht aus Begeisterung ein Versorgungsposten für Kramp-Karrenbauer geschaffen, man hat vielmehr bewusst den Merz-Kandidaten durchfallen lassen, um den Stuhl stattdessen einer Parteisoldatin aus dem alten Merkel-Lager zu geben. Und wieder hatten Merz und seine Leute die Niederlage nicht kommen sehen und nicht die Durchschlagskraft, sich durchzusetzen.
Auffälliges Schweigen der innerparteilichen Konkurrenten
Interessant ist in Zeiten der Krise immer auch zu beobachten, wer hilfreich zur Seite springt, wenn es eng wird. Andere mächtige Männer der Partei, die teilweise große Parteiverbände hinter sich haben oder gar als Ministerpräsidenten regieren, schweigen bei den Krisen des Friedrich Merz auffällig laut. Während der Kanzler um Mehrheiten in der Partei und auch bei Abstimmungen im Bundestag ringt, versagen ihm Parteigenossen wie etwa die Ministerpräsidenten Hendrik Wüst oder Daniel Günther die Unterstützung durch demonstrative Stille. Hilfe in der Not sieht anders aus. Wüst, der in einer geräuschlosen Koalition mit den Grünen erfolgreich in seinem Bundesland regiert, hat selbst Ambitionen, Merz als Kanzler zu beerben. Fast scheint es, als schaue man aus Nordrhein-Westfalen genüsslich zu, wie Merz sich selbst demontiert - um sich dann in Stellung zu bringen, wenn er verwundet am Boden liegt.
Hoffnung auf eine Politikwende in Deutschland unter Merz haben derweil nicht einmal mehr jene in der Partei, die ihn einst unbedingt als Kanzler haben wollten. In jenen Bundesländern, die im kommenden Jahr Landtagswahlen zu bestreiten haben, ist die Besorgnis unter CDU-Funktionären groß. Mit welchen Argumenten soll man in den Ländern und Kommunen vor Ort um das Vertrauen der Wähler werben, dass man diesmal ganz sicher nach der Wahl Wort halten wird, wenn die Bundespartei unter Friedrich Merz ein Wahlversprechen nach dem anderen bricht?
Die Politik aus Berlin schlägt als Signal auf die Umfragewerte der CDU in den Ländern durch. Das Versagen von Merz bezahlen die lokalen CDU-Verbände demnächst mit Wahlniederlagen auf Landesebene. Die AfD muss derzeit im Osten Deutschlands nicht einmal um Wählerstimmen werben, sie fliegen ihnen als enttäuschte Unionswähler regelrecht zu.
Und so bleibt im Fazit des Jahres 2025 für Deutschland festzuhalten: Eine gewaltige Mehrheit der Deutschen würde ohne zu zögern den deutschen Verbrennermotor wieder vollständig ins Geschäft zurückbringen, wenn sie es könnten. Friedrich Merz hingegen würde aktuell nicht einmal mehr von seiner eigenen Partei wieder als Kanzlerkandidat aufgestellt werden.