Das Bundeskanzleramt in Wien veröffentlichte aktuelle Zahlen zur Geburtenentwicklung in Österreich, die allen Grund zur Besorgnis liefern. Demnach hat die Geburtenrate der Österreicher den tiefsten Stand seit Aufzeichnungsbeginn erreicht, vorher lag der tiefste Wert im Jahr 2001 bei 75.458 Geburten. Danach ging es zunächst wieder aufwärts. 2020 kamen immerhin über 83.000 Babys zur Welt. Mit den jetzt 77.238 Geburten wurde das sowieso bereits geburtenschwache Jahr 2023 noch einmal um 370 Geburten unterboten.
Die sogenannte Fertilitätsrate - die durchschnittliche Zahl von Kindern, die eine Frau im Laufe ihres Lebens zur Welt bringt - befindet sich damit weiter im Sinkflug. Insgesamt ist sie in Österreich innerhalb eines Jahres von 1,44 auf 1,31 Prozent zurückgegangen. Betrachtet man zudem die Österreicherinnen separat, beträgt sie sogar nur noch 1,22 Prozent, während die Fertilitätsrate von Müttern mit ausländischer Staatsbürgerschaft bei höheren 1,58 Prozent liegt.
Statistisch betrachtet, müsste die Rate bei Österreicherinnen bei 2,1 Prozent liegen, um den Anteil der einheimischen Bevölkerung konstant hoch zu halten. Ein Elternpaar müsste sich also selbst reproduzieren. Österreich ist auf längere Sicht weit davon entfernt. Die unterschiedlichen Geburtenraten zwischen Einheimischen und zugewanderten Frauen führt damit automatisch auf lange Sicht zu einer Veränderung der Zusammensetzung der Bewohner Österreichs. Die einheimische Bevölkerung wird sich bei anhaltender Entwicklung im Vergleich zur ausländischen weiter verkleinern - die anhaltend hohe Migration ist da noch nicht einmal eingerechnet.
Kinderlosigkeit als neuer Lebensstil
Die Gründe für die massive Baby-Flaute sind vielfältig, wie die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erforschte: Demnach ist der persönliche Lebensstil ein Hauptgrund für die Entscheidung gegen Kinder. 41 Prozent der befragten Frauen stellten ihre Vorstellung von persönlicher Freiheit und Abhängigkeit über einen Baby-Wunsch.
Hinzu kommen Bedenken zur Unvereinbarkeit von Beruf und Familie. Fast jede dritte Frau (30 Prozent) befürchtet nach der Geburt eines Kindes negative Auswirkungen auf ihr eigenes berufliche Fortkommen.
Argumente gegen eigenen Nachwuchs liefern auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die ÖAW stellte fest, dass die anhaltende Teuerung den Abwärtstrend bei den Geburten massiv verstärkte. 39 Prozent der Frauen gaben an, dass hohe Kosten der Grund für ihren Kinderverzicht seien.

Die Politik ist gefragt, die zuständige Familienministerin Claudia Plakolm (ÖVP) kommentierte die Zahlen aus dem Bundeskanzleramt so: "Als Politik können wir die passenden Rahmenbedingungen setzen. Aber schlussendlich ist es die höchstpersönliche Entscheidung eines jeden Paares, ob es Kinder haben möchte oder nicht. Aber ich denke, es ist schon auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dass wir Anreize setzen, dass wir ein familienfreundliches Klima schaffen." Neben Familienleistungen wie dem Kinderbetreuungsgeld nannte die Ministerin die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, weshalb man am Ausbau der Kinderbetreuung arbeite.
In Deutschland sieht es ähnlich traurig aus
Es sind die selben Gründe, die auch Paare im Nachbarland Deutschland an einer Nachwuchsplanung hindern. Auch hier spielt die Unsicherheit, hervorgerufen durch Zukunftsängste wegen Krisen (Kriege, Infaltion) und die damit verbundenen finanziellen Sorgen eine tragende Rolle. Mit 60 Prozent bleibt die am häufigsten genannte Begründung für Kinderlosigkeit, man wolle lieber "frei und unabhängig" bleiben, für 51 Prozent ist "Karriere wichtiger als Kinder" und 39 Prozent suchen noch nach dem richtigen Partner.
Das Resultat: Die Geburtenrate in Deutschland ist 2024 weiter gesunken und liegt bei durchschnittlich 1,35 Kinder pro Frau nach 1,39 in den Vorjahren, mit einer leichten Abschwächung des Rückgangs. Insgesamt kamen 2024 rund 677.000 Kinder zur Welt, ein Rückgang gegenüber 2023. Die Tendenz weist weiter nach unten, wie eine Grafik von Statista aus dem aktuellen Jahr 2025 veranschaulicht:
