Im vergangenen August stellte die ukrainische Regierungschefin Julia Swyrydenko (40) jungen Kriegsdienst-Flüchtlingen ihres Heimatlandes einen Freibrief aus. Sie gab bekannt, dass ab sofort Männer im Alter zwischen 18 und 22 Jahren aus der Ukraine ausreisen dürften, vorhetr hatte es eine Ausreisesperre für diese Altersklasse gegeben. Das Alter für eine künftige Mobilmachung setzte Kiew auf 25 Jahre hoch.
Die Nachricht war erst wenige Stunden alt, als die ersten wehrfähigen Ukrainer ihre Sachen packten und in Richtung EU-Ausland vor dem Krieg davonliefen. Ihr Hauptziel: Deutschland - aber auch in Österreich landen seitdem zunehmend junge Männer im besten Alter, die kein Interesse daran haben, für ihr Heimatland zu kämpfen.
In der Bundesrepublik setzte nach dem ukrainischen Stichtag am 28. August eine regelrechte Landflucht ein. Allein in Sachsen meldeten sich im September bei den Grenzbehörden 1.253 junge Ukrainer, einen Monat später weitere 1.096. Das waren in einem Monat jeweils mehr als im gesamten Halbjahr zuvor. "Die pendeln geradezu in das deutsche Sozialsystem ein“, sagte der örtliche CDU-Bundestagsabgeordnete Florian West und forderte: "Das müssen wir schnellstens unterbinden.“ Seine Vermutung: "Es gibt Ukrainer, die in Deutschland gemeldet sind und dort Bürgergeld beziehen, die aber in der Ukraine leben."
Inzwischen wächst sich die große Zahl an "Fahnenflüchtigen" zu einem gewaltigen Problem aus. In Deutschland wurden allein seit August fast 20.000 Ukrainer im wehrpflichtigen Alter registriert, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Deutschland bestätigte. Während Deutschland also gerade eine 5.000-Mann-starke Brigade an der Nato-Ostflanke in Litauen aufbaut und seine Soldaten dorthin schickt, um im Notfall einzugreifen, befindet sich die Mann-Stärke von vier Brigaden an jungen Ukrainern auf sicherem Terrain in der Bundesrepublik und bezieht häufig das dortige Bürgergeld.
Eine Zumutung für den deutschen Steuerzahler, der ohnehin für die bereits 1,2 Millionen ukrainischen Flüchtlinge im Land tief in die Tasche greifen muss. Sechs Milliarden Euro gibt die Bundesregierung hierfür jährlich aus. Seit Kriegsausbruch im Februar 2022 sollen insgesamt 304.000 wehrfähige Männer aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sein. 151.000 davon sollen Bürgergeld beziehen, wie die Welt berichtete.
14.000 wehrfähige Ukrainier auch in Österreich
In Österreich ist die Datenlage etwas unklarer. Vom Innenministerium wurde eine Schätzung des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) bestätigt, wonach sich 14.000 wehrfähige Männer im Land aufhielten. Die Zahl stammt allerdings aus dem September 2023. Allerdings spiegelt sich die neue Ausreiseregelung für wehrfähige Männer aus der Ukraine laut Eurostat-Daten auch in den Auskunftszahlen in Österreich wider. Der Anteil erwachsener Männer unter den Personen mit vorübergehendem Schutz ist nach der ukrainischen Gesetzeslockerung im August deutlich angestiegen. Allein von September auf Oktober 2025 wuchs der monatliche Anteil erwachsener Männer um drei Prozentpunkte auf insgesamt 50 Prozent der Neuankömmlinge an. Vor der Grenzöffnung lag der Anteil der geflüchteten Frauen noch zwischen 70 und 80 Prozent.
Das Phänomen der Kriegsunwilligen trifft die gesamte EU. Allein im September wurden 79.000 Ukrainer in einem der Mitgliedsstaaten registriert, wie das europäische Statistikamt Eurostat vermeldet. Dies entsprach einer Steigerung um 49 Prozent gegenüber dem Vormonat August, als die Grenzen für wehrfähige Ukrainer im Alter zwischen 18 und 22 Jahren noch dicht waren.
Insgesamt leben in der EU inzwischen etwa 4,6 Millionen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. In Deutschland machen sie inzwischen immerhin 1,36 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Auch in Österreich nähert sich ihr Bevölkerungsanteil der Ein-Prozent-Marke an, wie eine Grafik von Statista zeigt:
