Dank internationaler Konflikte: Waffenhersteller weiter auf Gewinnkurs

Das Stockholm International Peace Research Institute SIPRI berichtet, dass die globalen Militärausgaben 2024 so stark gestiegen sind wie seit 30 Jahren nicht mehr: um 9 Prozent auf 2,7 Billionen Dollar. 2025 dürfte ein neuer Rekord folgen.

Das Beispielfoto wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Foto: Tomáš Baršváry / Midjourney

Das Beispielfoto wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Foto: Tomáš Baršváry / Midjourney

Der Anstieg auch 2025 ist sicher, wir wissen nur noch nicht, ob die Militärausgaben noch steiler gestiegen sind und drei Billionen überschritten haben - eine Summe, die dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) Frankreichs entspricht und das BIP Russlands, Kanadas oder Brasiliens deutlich übersteigt. Über das beginnende Jahr 2026 lässt sich bisher nur sagen, dass es einen weiteren Rekord bringen wird.

Die Rekordausgaben der weltweiten Regierungen und die Gewinne der Rüstungsunternehmen werden durch internationale Konflikte angetrieben – teilweise durch bereits bestehende, vor allem aber durch solche, auf die sich die Staaten vorbereiten. Von den dutzenden laufenden Konflikten haben mindestens zwei globalen Charakter: Russland – Ukraine und Israel – Iran. Neben den Konfliktparteien selbst treffen in diesen beiden Auseinandersetzungen auch geografisch weit entfernte Großmächte indirekt aufeinander, für die der Konflikt so wichtig ist, dass seine Eskalation zu einer direkten Konfrontation der Großmächte und zur Gefahr eines nuklearen Konflikts führen kann.

Der Frieden ist nicht in greifbarer Nähe

Der Frieden ist weder hier noch dort in greifbarer Nähe. Dennoch sind die Aussichten in der Ukraine etwas günstiger als im Nahen Osten. In beiden Fällen ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Trump-Regierung, die der wichtigste indirekte Teilnehmer an beiden Konflikten ist, an einem Frieden interessiert ist, der den aktuellen Verhältnissen entspricht. Die Fälle unterscheiden sich jedoch hinsichtlich der Stärke und des Einflusses der Kriegsbefürworter.

Russland hat bis zu einem gewissen Grad ein Interesse an der Fortsetzung des Krieges in der Ukraine, da es noch nicht alle Gebiete erobert hat, die es als sein Eigentum betrachtet. Auch wenn die aktuellen Verhältnisse nicht den russischen Zielen entsprechen, nähern sie sich jedenfalls. Mit jedem weiteren Monat des Krieges werden sie noch näher kommen, bis Russland feststellt, dass es militärisch bereits hat, was es braucht. Die Lösung anderer Fragen, wie beispielsweise der Status der zukünftigen Ukraine (Wiederaufbau, Streitkräfte, außenpolitische Ausrichtung), ist natürlich eine Frage der Diplomatie, die durch die Fähigkeit Russlands, die Ukraine in die Enge zu treiben, untermauert wird. Trump ist offenbar bereit, eine solche Lösung zu akzeptieren.

Auf der Seite des Krieges stehen das Selenskyj-Regime und Europa. Selenskyjs Haltung hat eine perverse Rationalität. Solange gekämpft wird, überlebt er politisch und physisch, mit dem Ende des Krieges ist jedoch weder das eine noch das andere sicher. Ohne europäische Unterstützung hätte er jedoch bereits aufgegeben. Die Europäische Union und Großbritannien haben den Stellvertreterkrieg mit Russland zu ihrer obersten Priorität gemacht, und ihre Vertreter sagen, dass sie sogar auf eine direkte Konfrontation zusteuern. Lassen wir einmal beiseite, was davon ideologische Verblendung, was Opportunismus und was völliger Verlust des Urteilsvermögens ist.

Wesentlich bleibt, dass der amerikanische Präsident Trump die ukrainischen und europäischen Vertreter verachtet, sich nicht an ihre Vorstellungen gebunden fühlt und nach Alternativen sucht. Er stößt jedoch auf seinen eigenen Deep State, den er nicht vollständig unter Kontrolle hat. Ein Teil davon will mit Europa die Politik seines Vorgängers Joe Biden fortsetzen und untergräbt Trumps Friedenspolitik in der Ukraine.

Wie wird Europa reagieren?

Wichtig wird die europäische Reaktion auf den Zusammenbruch des Regimes in Kiew sein, der in diesem Jahr zu erwarten ist: Kiew gehen das Geld und die Menschen aus. Wird die europäische Elite, die es gewohnt ist, die Dinge ständig zu beschönigen, darauf reagieren, indem sie sich aus der Ukraine zurückzieht und mit der Lüge aufwartet, dass sie von Anfang an Recht hatte und tatsächlich gewonnen hat?

Das wäre der zweitbeste Weg zum Frieden. Der beste Weg wäre ein radikaler Wechsel der europäischen Elite, was jedoch in diesem Jahr nicht zu erwarten ist. Oder sind sie so verrückt, dass Paris, London und Berlin die Osteuropäer in einen Krieg mit Russland drängen, in der Hoffnung, damit die Amerikaner zum Mitmachen zu bewegen?

In diesem Fall würde Russland zunächst zu einer Machtdemonstration gegenüber ausgewählten europäischen Zielen greifen – die Geschütze sind bereits aufgefahren. So könnte der europäische Weg aussehen.

Seltsame Formen des Waffenstillstands

Im Nahen Osten herrschen heute zwei seltsame Waffenstillstände. Der eine in Palästina, den Washington mit der Hamas vereinbart hat.

Der zweite mit dem Iran, der auf den amerikanischen und israelischen Angriff auf den Iran und die iranischen Militärreaktionen folgte – ein Waffenstillstand spürbar für Israel und symbolisch für die USA. Israel will möglicherweise keinen der beiden. Es fährt fort mit der Vernichtung der Hamas, wozu es allein in der Lage ist, und gleichzeitig will es den Iran vernichten, was es ohne amerikanische Hilfe nicht schaffen kann.

Trump gefällt es offenbar nicht, dass Israel seinen Friedensplan für Gaza zunichte macht. Er will auch keinen Krieg mit dem Iran, nachdem er im Sommer prahlerisch einen großen Sieg über den Iran und die Zerstörung seines Atomwaffenprogramms verkündet hatte. Gleichzeitig versteht er wohl, dass ein Krieg mit dem Iran seine bisherige Politik im Nahen Osten zunichte machen und die USA in einen Sumpf ziehen würde, gegen den die Abenteuer im Irak oder in Afghanistan Spaziergänge durch einen Rosengarten gewesen wären. Darüber hinaus könnte ein Krieg im Iran bereits bestehende antiamerikanische Allianzen stärken und neue schaffen.

Auch wenn Israel kleiner ist als die Ukraine und im Vergleich zu Europa ein Zwerg ist, hat es Hebel in Washington, von denen niemand in Europa zu träumen wagt. Die amerikanische zionistische Lobby kann von Trump offensichtlich viel verlangen, von dem, was sie braucht.

Der israelische Ministerpräsident Netanjahu sieht die seit Ende des Jahres andauernden Demonstrationen im Iran als eine neue Chance für einen Regimewechsel. Dieser wäre zwar nicht durch Sympathien für den Westen oder Israel oder andere politische Gründe motiviert, sondern durch die wirtschaftliche Unzufriedenheit der Bevölkerung, die unter den amerikanischen Sanktionen leidet. Das schließt nicht aus, dass die Deminstrationen von den USA oder Israel angezettelt wurden. Sie könnten das Regime im Iran erschüttern. Zu Trumps geringer Begeisterung ließ sich Netanjahu in den letzten Tagen des vergangenen Jahres nach Florida einladen, um ihm alles zu erklären.

Trump scheint verstanden zu haben. Er drohte sofort mit einem Angriff, falls bei der Unterdrückung der Demonstrationen in Iran jemand getötet werden sollte. Das klingt fast wie eine Aufforderung zu einer Eskaltion in Teheran. Und sollte Trump zögern, wird Netanjahu ihn vor vollendete Tatsachen stellen. Israel wird den Angriff selbst beginnen, und die Lobby in Washington wird dann genug Druck ausüben, damit es nicht allein dasteht.

Selbst wenn Israel mit amerikanischer Unterstützung erfolgreich wäre und das iranische Regime zusammenbräche, würde dies nicht zu Frieden im Nahen Osten führen. Vorübergehend könnte sich das von Israel bevorzugte Szenario eines bewaffneten Chaos erfüllen, das seine Feinde schwächt. Aber auch andere, darunter muslimische Großmächte, würden von einer solchen Situation profitieren. Israel fürchtet sie, seien es die schiitischen Perser, die sunnitischen Türken oder die wahhabitischen Saudis. Ohne das amerikanische Bremsen betrachtet es jeden von ihnen als existenzielle Bedrohung.

Aber Washingtons Interesse am Nahen Osten nimmt ab, denn viel eher als Araber, Perser oder Türken muss es die Chinesen zügeln. Wenn es Israel jedoch gelingt, die Amerikaner in den Krieg mit hineinzuziehen, können sie zumindest hoffen, dass diese noch eine Weile bleiben.

Venezuela als lokales Ereignis

Im Gegensatz zur Ukraine oder zum Iran bleibt Venezuela nur ein lokales Ereignis. Die weitere Entwicklung wird zeigen, ob die amerikanische Intervention zum Jahreswechsel, die Bombardierung der Hauptstadt und die gangsterhafte Entführung von Präsident Maduro zu einer neuen Stabilität unter der Kontrolle Washingtons führen werden, die eine Demonstration amerikanischer Stärke sein wird, oder zu einem langen Bürgerkrieg, der ein Beweis für die Schwäche Amerikas sein wird.

So oder so werden die Amerikaner zunächst andere Großmächte von einem militärischen Engagement in der westlichen Hemisphäre abhalten können. Venezuela wird nicht zum Brennpunkt eines Großmachtkonflikts werden.

Das Risiko von Großmachtkonflikten

Die meisten Ressourcen werden jedoch nicht von bestehenden Konflikten verschlungen, sondern von den Erwartungen eines Großmachtkonflikts. Am nächsten daran ist derzeit Europa, wo die Rüstungsausgaben schneller steigen als anderswo. Aber ein westlicher Versuch, einen Krieg mit Russland zu beginnen, würde wahrscheinlich schnell durch die oben erwähnte Demonstration russischer Stärke beendet werden.

Besonders ernst ist die Lage in Ostasien. Die USA versuchen, China geopolitisch zu umzingeln, und beanspruchen in der Region eine Position, die keine andere Großmacht in der westlichen Hemisphäre tolerieren würde. Auch China wird sich damit auf Dauer nicht abfinden.

Weder die Chinesen noch die Amerikaner wollen jedoch eine direkte Konfrontation und tun vorerst alles, um diese zu vermeiden.

Ein Stellvertreterkrieg, in dem ihre lokalen Protegés für die amerikanischen Interessen geopfert werden, also ein ukrainisches Szenario im Pazifik, kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Auslöser könnte Taiwan sein, aber es gibt noch weitere Möglichkeiten. China hat mit fast allen Ländern territoriale Streitigkeiten. Im ostchinesischen Meer mit Japan und Südkorea, im südchinesischen Meer mit Vietnam, den Philippinen, Malaysia und Indonesien. Auch mit Indien streitet es sich um einen Teil der Grenze, obwohl Peking und Delhi in den vergangenen Jahren versuchten, den Konflikt zu überwinden.

Deshalb erntete die neue japanische Premierministerin großen chinesischen Zorn, als sie im November erklärte, dass ihr Land im Falle eines chinesischen Angriffs auf Taiwan nicht tatenlos zusehen werde. Damit deutete sie an, wie ein solcher Stellvertreterkrieg aussehen könnte: Taiwan in der Rolle der Ukraine, Japan in der Rolle Europas. Die Folgen wären nicht nur für die direkt Beteiligten verheerend.

In dieser Region entsteht ein bedeutender Teil weltweit benötigter Wirtschaftsprodukte, darunter auch globale Lieferungen von schwer ersetzbaren Gütern und Rohstoffen. Auch die USA müssten mit schweren Verlusten rechnen. In Washington könnte man jedoch zu dem Schluss kommen, dass ein Stellvertreterkrieg Japans und Taiwans gegen China die letzte Chance darstellt, die globale Vorherrschaft Chinas zu verhindern. Dann könnte sogar gelten: Je früher, desto besser.

Die asiatischen Vertreter handeln bislang vorsichtig und rational. Das waren wir jedoch auch von europäischen Politikern in Fragen von Krieg und Frieden gewohnt, doch dann kam das Jahr 2022 und sie begannen, auf Krieg zu schwören. Niemand ist immun gegen den Kriegswahn. Für die Rüstungsindustrie sind die guten Zeiten jedenfalls noch nicht vorbei.