Die Schweizer Behörden erklärten am Dienstag, dass jene Bar, die in der Silvesternacht in einem Luxusskigebiet in Brand geriet und 40 Menschen das Leben kostete, seit 2019 nicht mehr der obligatorischen jährlichen Inspektion unterzogen worden war, was die von vielen Seiten geäußerten Bedenken hinsichtlich der Sicherheitsmaßnahmen unterstreicht.
Das Büro des Bürgermeisters von Crans-Montana bestätigte, die Bar habe keinen Feueralarm gehabt, weil dies für Lokale dieser Größe nicht vorgeschrieben sei. Weitere Fragen zu dem Brand, bei dem Menschen aus aller Welt starben oder verletzt wurden, bleiben nach wie vor unbeantwortet.
Wer waren die Opfer?
Einundzwanzig der Toten stammten aus der Schweiz, sieben aus Frankreich, sechs aus Italien, ein Toter hatte die schweizerisch-französische Doppelbürgerschaft und einer die französisch-britisch-israelische Staatsbürgerschaft. Die übrigen vier Opfer stammten aus Rumänien, der Türkei, Belgien und Portugal.
Unter den Toten befanden sich 26 Teenager. Sechs von ihnen waren 15 Jahre alt, während zwei erst 14 Jahre alt waren.
Unter den 116 Verletzten befanden sich Bürger aus mehr als einem Dutzend Ländern. Die meisten von ihnen stammten aus der Schweiz. Einundzwanzig stammten aus Frankreich und zehn aus Italien. Neben den vier Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft (französisch-finnisch, schweizerisch-belgisch, französisch-italienisch und italienisch-philippinisch) waren die übrigen Staatsangehörige von Belgien, Portugal, der Tschechischen Republik, Australien, Luxemburg, der Republik Kongo, Serbien, Polen und Bosnien.
Warum waren einige der Opfer minderjährig?
Einwohner von Crans-Montana gaben an, dass die Bar bei Jugendlichen im Schulalter beliebt war, die gerade erst anfingen, abends auszugehen. In der Schweiz dürfen Bier und Wein bereits von Personen über 16 Jahren konsumiert werden. Das Durchschnittsalter der Brandopfer lag bei 19 Jahren.
Wie kam es zu dem Brand?
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Funken sprühende Wunderkerzen die Decke der Kellerbar "Le Constellation" entzündeten. Zeugen berichten, einen Angestellten auf den Schultern eines Kollegen gesehen zu haben, der Flaschen mit so genannten Springbrunnenkerzen trug.
Warum hat die Decke Feuer gefangen?
Die Kellerdecke war mit schalldämmendem Schaumstoff verkleidet, was bei der letzten Sicherheitsinspektion der Bar im Jahr 2019 sicherheitstechnisch als akzeptabel eingestuft worden war. Nach Schweizer Recht sind die Behörden zwar nicht verpflichtet, solche Materialien zu überprüfen, aber der Bürgermeister von Crans-Montana, Nicolas Feraud, sagte, die Gerichte müssten nun entscheiden, ob dies trotzdem hätte geschehen müssen.
Wie viele Ausgänge gab es?
Feraud gab an, die Bar verfüge über Ausgänge im Obergeschoss und im Untergeschoss, wobei jedes Stockwerk für maximal 100 Personen ausgelegt sei. Er konnte jedoch nicht sagen, ob der Kellerausgang funktioniert hatte. Das würden erst die Ermittlungen zeigen.
Was geschah mit den Besitzern der Bar?
Die Schweizer Staatsanwaltschaft hat gegen die beiden französischen Besitzer der Bar ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf drei Straftaten eingeleitet: Totschlag, fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung. Sie wurden noch nicht förmlich angeklagt und befinden sich nicht in Untersuchungshaft.
Welche Strafen drohen ihnen?
Sollten sie aller drei Straftaten für schuldig befunden werden, droht ihnen nach Angaben des Schweizer Rechtsanwalts Nicolas Rivard eine Höchststrafe von viereinhalb Jahren Haft. Wenn nachgewiesen wird, dass sie von der Brandgefahr wussten und keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen haben, droht ihnen eine härtere Strafe von mindestens fünf Jahren.
Welche Rechtsmittel stehen den Familien der Opfer zur Verfügung?
In der Schweiz gibt es keine Sammelklagen. Die Familien der Opfer können eine Entschädigung beantragen, indem sie sich der Klage der Staatsanwaltschaft als Kläger anschließen, erklärten die Anwälte. Die Stadt Crans-Montana möchte dem Fall als Partei beitreten, was jedoch noch nicht genehmigt wurde.
Wie haben die Schweizer Behörden reagiert?
Die Schweizer Kantone haben ihre Pläne zur Lockerung der Brandschutzvorschriften ausgesetzt. Crans-Montana hat das Anzünden von Kerzen auf dem Stadtgebiet verboten. Die Flaggen sind auf Halbmast gesenkt, und am Freitag wird ein nationaler Trauertag begangen.