Drohnen als Fluchthelfer - Justiz fürchtet Gefängnisausbrüche und testet Abwehrsysteme

Es klingt ein wenig nach Science Fiction, wird aber zur realistischen Gefahr: Flucht aus der Zelle via Drohne. Bayerische Haftanstalten setzen jetzt auf Frühwarn- und Abwehrsysteme und auch Österreichs Gefängnisse rüsten auf.

Das Illustrationsfoto wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Foto: Tomáš Baršváry / Midjourney

Das Illustrationsfoto wurde mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Foto: Tomáš Baršváry / Midjourney

Die bayerische Justiz schlägt Alarm, denn über Bayerns Gefängnissen werden immer mehr Drohnen gesichtet. So registrierte das Justizministerium im Freistaat zwischen Januar und Dezember 2025 insgesamt 19 Überflüge. Im Jahr davor waren es zwölf und 2023 nur sechs Sichtungen. Und das sind nur die festgestellten

Die Drohnen stellten „mitunter große Gefahren“ dar, so das Ministerium gegenüber der Deutschen Presse Agentur DPA . Dabei gehe es um unbefugte Fotos und Videos sowie um Handys, Drogen oder Waffen, die damit auf dem Luftweg eingeschmuggelt werden könnten. Selbst verhältnismäßig günstige Modelle für Einsteiger und Hobby-Piloten seien in der Lage, Gegenstände zu transportieren und Kamerabilder zu liefern. „Nicht nur die Verletzung von Persönlichkeitsrechten von Bediensteten wie Gefangenen durch unerlaubte Foto- und Filmaufnahmen, sondern vor allem das Einbringen von Mobiltelefonen, Drogen oder Waffen stellen eine Gefahr für die Sicherheit unserer Justizvollzugsanstalten dar.“, heißt es von Seiten des Justizministeriums.

Für die Sicherheitsbehörden besonderes alarmierend: Aufgrund der fortgeschrittenen Technik seien auch Gefängnisausbrüche mittlerweile eine realistische Gefahr. Selbst ein Gefängnisausbruch, bei dem ein Insasse per Drohne über den Zaun in die Freiheit fliegt, könne „nicht ausgeschlossen werden“, da die unbemannten Flugkörper mittlerweile in der Lage seien, eine Last von 100 Kilogramm zu transportieren.

Drohnenabwehr per Netz-Gewehr

Im Kampf gegen die Gefahr aus der Luft setzen Bayerns Gefängnisse jetzt auf so genannte Detektionsanlagen für Drohnen und auf ein Abwehrsystem. So ist die Justizvollzugsanstalt in Amberg in der Oberpfalz bereits mit einer Anlage ausgestattet, die Drohnen im Umkreis von 100 Metern um das Gelände aufspüren kann. Nach einer Testphase dort soll in den kommenden Monaten auch das Gefängnis in Straubing damit ausgestattet werden.

Acht der insgesamt 36 bayerische Gefängnisse sind außerdem mit dem mobile Drohnenabwehrsystem „Dropster“ ausgestattet. Dabei handelt es sich um eine Art Gewehr, mit dem ein Netz verschossen werden kann, das die Drohne vom Himmel holt. Bislang sei damit allerdings noch keine einzige Drohne unschädlich gemacht worden, erklärte das Ministerium. Entweder, weil sie zu kurz über dem Gefängnis kreisten, oder weil sie zu hoch flogen, um abgeschossen zu werden.

Und auch die Ausforschung der Täter gestaltet sich schwierig. Seit 2015 bis einschließlich 13. November 2024 wurden laut Ministerium insgesamt 82 Sichtungen von Drohnen in der Nähe von oder über Gefängnissen registriert. Der Hintergrund der Vorfälle blieb allerdings in fast allen Fällen im Unklaren, weil weder das Gefängnispersonal noch die Polizei in der Lage gewesen seien, die Piloten zu identifizieren.

Auch Österreichs Gefängnisse rüsten sich gegen Drohnen-Angriffe

Auch Österreichs Justizanstalten rüsten sich vermehrt gegen Drohnen. So wurden in Klagenfurt bereits Stahlnetze über Hofbereichen gespannt, um Drohnen abzufangen, die Justizanstalten Krems-Stein, Hirtenberg, Graz-Karlau, Garsten und Suben nehmen an bundesweiten Pilotprojekten zur Drohnenabwehr teil. 

In einem der bekanntesten Gefängnisse Österreichs, der JA Wien-Josefstadt, die auch einen Hochsicherheitstrakt beherbergt, ist man allerdings noch nicht für die Abwehr von Drohnen-Angriffen gerüstet. Spezifische Drohnenabwehrmaßnahmen würden hier nicht detailliert im Vordergrund stehen, sondern eher der allgemeine Sicherheitsschutz, wie Sicherheitskontrollen für Besucher.

Ein wachsendes Problem in Österreichs Haftanstalten sind die vielen geschmuggelten Handys, die oft mittels Drohnen über den Gefängnishöfen abgeworfen werden. Wie der Standard berichtete, wurden laut Aufzeichnungen des Justizministeriums im Jahr 2017 ganze 761 Mobiltelefone sichergestellt – 2022 waren es bereits 1.078, in 2024 dann 1.181 Geräte. Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) kündigte an, mit Störsendern und Handyverboten dagegen vorgehen zu wollen.