Erneut setzt eine Umfrage die Führung von SPÖ und ÖVP unter erheblichen Druck: Das Meinungsforschungsinstitut Market erhob in einer aktuellen Umfrage, dass sich fast zwei Drittel der Sympathisanten der Sozialdemokratie einen Wechsel an der Parteispitze vorstellen können. Auch innerhalb der ÖVP glaubt mit 53 Prozent mehr als die Hälfte dass Parteichef Christian Stocker diesen Posten nicht behalten wird.
Für die beiden Koalitionsparteien, die in den aktuellen Erhebungen nur noch bei 20 beziehungsweise 18 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung liegen, ist das ein deutliches Warnsignal aus den eigenen Reihen.
Die Daten der aktuellen Market-Umfrage für den Standard zeichnen das Bild einer wachsenden Unzufriedenheit mit den Spitzenkandidaten der einst dominierenden Großparteien: Viele Wähler scheinen den beiden Parteichefs Andreas Babler und Christian Stocker nur noch eingeschränkt zuzutrauen, ihre Lager erfolgreich in das politisch und wirtschaftlich schwierige Jahr 2026 zu führen. Im Vergleich dazu fällt die Bewertung bei der FPÖ vollkommen anders aus: Dort sehen lediglich 19 Prozent der Anhänger der eigenen Partei die Notwendigkeit eines Führungswechsels - also einen Austausch von Herbert Kickl. Diese Diskrepanz verdeutlicht, wie stark die etablierten und derzeit reierenden Parteien mit Vertrauensproblemen kämpfen, während die Freiheitlichen relativ stabil erscheinen.
Diese neuen Daten der Demoskopen bestätigen auch die Ergebnisse der Kanzlerfrage der Lazarsfeld-Gesellschaft für oe24: In dieser regelmäßig gestellten Frage nach der bevorzugten Person für das Kanzleramt erreichen die beiden Parteichefs seit Wochen nur sehr schwache Werte. Zuletzt kam SPÖ-Bundesparteichef und Vizekanzler Andreas Babler auf lediglich sechs Prozent, ein historisch niedriger Wert. Christian Stocker schneidet nur etwas besser ab. Demgegenüber liegt FPÖ-Chef Herbert Kickl bereits bei 35 Prozent und baut damit seinen Vorsprung kontinuierlich aus.
Führungsfähigkeit für 2026: Bestnote für die FPÖ
Neben der Abfrage der einzelnen Politiker untersuchte Market auch die generelle Einschätzung der Führungskompetenz des Spitzenpersonals der Parteien. Am besten schnitt dabei erneut die FPÖ ab: 23 Prozent der Befragten trauen den Freiheitlichen eine besonders gute Rolle bei der Bewältigung der kommenden Herausforderungen zu. In Schulnoten ausgedrückt gaben 23 Prozent der Umfrage-Teilnehmer der FPÖ ein sehr gutes Zeugnis. SPÖ und ÖVP liegen bei dieser Frage deutlich dahinter, für die Koalitionsparteien bedeutet das, dass sie auch ein strategisches Problem haben.
Interessant sind auch die Ergebnisse zur sogenannten Gleichheitsfrage. Gefragt wurde, wie groß die persönliche Sorge davor sei, dass die Kluft zwischen Reich und Arm in Österreich weiter wächst. Laut Market bezeichneten 48 Prozent der Befragten diese Angst als groß, vor 15 Jahren lag der Wert nur bei 34 Prozent.
Damit rückt das Thema des sozialen Ausgleichs wieder stärker in den Vordergrund. Market-Studienleiter David Pfarrhofer ordnete das so ein, dass der Wunsch nach mehr sozialer Gerechtigkeit heute deutlicher gefordert werde. Doch obwohl der Wunsch nach sozialem Ausgleich aktuell stärker artikuliert werde als in früheren Jahren, sei er insgesamt nicht so stark im Vordergrund wie die allgemeine Zukunftsskepsis und das Ausländerthema, fasst Pfarrhofer zusammen.
Die Analyse macht deutlich, dass sich die politische Debatte in Österreich verschiebt: Fragen der Identität und der allgemeinen Unsicherheit über die Zukunft überlagern klassische Sozialthemen. Für die SPÖ ist das besonders problematisch, weil sie traditionell vom Versprechen der Gleichheit lebt.
Personaldebatte in der SPÖ läuft bereits
Wenn 60 Prozent der eigenen Anhänger den Austausch von Parteichef Andreas Babler erwarten, ist das alles andere als ein guter Start der Fraktion in das Jahr 2026. Parteiintern wird bereits über mögliche Konsequenzen samt Wechsel an der Spitze der SPÖ noch vor dem Bundesparteitag am 7. März diskutiert - immer wieder wird dabei Ex-Kanzler Christian Kern als neuer Bundesparteichef genannt. Auf Anfrage von Statement winkte Kern aber (noch) ab: Er sei "sehr zufrieden" mit seiner Tätigkeit in der Privatwirtschaft.
Auch in der ÖVP wächst der Druck, personelle und organisatorische Veränderungen vorzunehmen. Bei der Volkspartei wird intern immer wieder der Name eines Ex-Kanzlers genannt, der um ein Comeback an die Spitze der Fraktion gebeten werden soll - doch auch Sebastian Kurz hält sich derzeit noch bedeckt, er wolle nicht wieder in die Politik einsteigen. Seine Begründung klingt ganz ähnlich wie jene von Christian Kern.