Wien/Frankfurt. In der nach der Pandemie wieder boomenden Luftfahrtbranche sind nicht alle Gehälter der Flugkapitäne im gleichen Steigflug: In Europa zeigt ein Vergleich der führenden Airlines deutliche Unterschiede – und die Austrian Airlines (AUA) liegt dabei oft am unteren Ende der Skala.
Während Senior-Captains bei der Lufthansa Spitzengehälter von bis zu 280.000 Euro brutto im Jahr erreichen können, bewegen sich erfahrene AUA-Flugkapitäne meist zwischen etwa 150.000 und 215.000 Euro. Der Unterschied zwischen dem Tochterunternehmen AUA zur Konzernmutter Lufthansa ist enorm und wirft Fragen zur Attraktivität der österreichischen Fluglinie auf.
Bei der Lufthansa stehen die Captains an der Spitze der europäischen Vergütungspyramide, berichtet aktuell auch das Handelsblatt. Laut aktuellen Branchenberichten und Tarifübersichten aus 2025/2026 verdienen erfahrene Langstrecken-Kapitäne (zum Beispiel auf einer Boeing 747, 777 oder den Airbus A350/A380-Nachfolgern) monatlich zwischen 12.600 und über 20.000 Euro brutto – das summiert sich jährlich auf 240.000 bis 281.000 Euro, inklusive Flugstundenzulagen, Diäten, Prämien und Senioritätszuschlägen.
Die Lufthansa gilt als Benchmark: Hohe Produktivität auf Langstrecken, starke Tarifverträge und die wirtschaftliche Erholung der Gruppe ermöglichen diese Spitzenposition.
Deutlich darunter rangiert Austrian Airlines: Nach Pilot-Jobportalen und aktuellen Übersichten (Stand 2025/2026) liegen die Jahresbezüge für erfahrene Captains bei etwa 150.000 bis 215.000 Euro brutto. Glassdoor-Angaben aus Wien nennen sogar Medianwerte um die 209.000 Euro für AUA-Captains, doch viele Quellen betonen, dass die reale Obergrenze oft niedriger ausfällt – vor allem im Vergleich zur Lufthansa.
Kurz- und Mittelstrecken-Dominanz sowie geringere Zulagen für Langstrecken sorgen dafür, dass AUA-Piloten trotz gleicher Konzernzugehörigkeit spürbar weniger verdienen. Der Gehaltsunterschied zur Muttergesellschaft beträgt bei Senior-Captains schnell 60.000 bis 100.000 Euro pro Jahr.
British Airways hält mit umgerechnet 175.000 bis über 233.000 Euro (150.000–200.000 britische Pfund) Anschluss an die Spitze. Langjährige Captains auf Großraumflugzeugen (A380, 777, 787) profitieren von hohen Boni und Standortzulagen in London.
Interessant ist der Blick auf den Billiglieger Ryanair: Die irische Low-Cost-Airline zahlt ihren Captains laut jüngsten Berichten 180.000 bis 200.000 Euro brutto im Jahr, oft sogar mehr bei extrem hoher Flugstundenzahl und Produktivitätsprämien. Ryanair-Captains erreichen damit häufig höhere Einkommen als AUA-Kollegen, obwohl die Airline als Kostendrücker gilt. Der Schlüssel: Weniger Grundgehalt, dafür massive variable Anteile durch bis zu 900 bis 1.000 Flugstunden pro Jahr.
Am unteren Ende der Gehaltsliste steht Eurowings, die zweite große Lufthansa-Tochter. Hier bewegen sich Piloten-Gehälter meist zwischen 120.000 und 158.000 Euro – also deutlich unter dem Niveau von Austria Airlines. Eurowings konzentriert sich auf Kurz- und Mittelstrecke, was geringere Zulagen und Produktivitätsmodelle bedeutet.
Was die Unterschiede erklärt
Die Gehälter setzen sich aus Grundgehalt, Flugstundenzuschlägen, Diäten, Übernachtungsgeldern und Boni zusammen. Legacy-Carrier wie Lufthansa, British Airways und AUA bieten grundsätzlich höhere Fixanteile, doch Langstrecken und große Jets treiben die Spitzen nach oben.
Low-Cost-Modelle wie Ryanair kompensieren niedrigere Basissätze durch extreme Produktivität. Seniorität spielt überall eine Rolle: Je länger im Dienst, desto höher die Stufe und desto größer der Abstand zwischen den Airlines.
Die wirtschaftliche Lage der Branche wirkt sich aus: In Boomzeiten erhöhen Tarifverhandlungen die Obergrenzen. Dennoch bleibt der Kontrast frappierend: Lufthansa-Piloten verdienen oft 30 bis 80 Prozent mehr als ihre Kollegen im Tochterunternehmen AUA bei vergleichbarer Erfahrung. Für österreichische Piloten stellt sich die Frage: Lohnt sich der Wechsel in den Konzernverbund – oder sogar zu Ryanair? Für Captains bei Austrian Airlines bedeutet das: Trotz solider Bezüge fehlt oft der finanzielle Glanz der großen Schwester – und der Konkurrenz.