Wien. Die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS würde ja eine gute Arbeit leisten, nur die österreichischen Medien möchten diese Erfolge nicht korrekt darstellen, dozierte Deregulierungsstaatssekretär Sepp Schellhorn (NEOS) bei einem Medientermin in Wien. Der Politiker, der einst für sein Dienstwagen-Upgrading gleich nach Amtsantritt bekannt wurde, fügte gleich noch einen Rundumschlag gegen alle Österreicher an: "Der Österreicher an und für sich steht auf die Mieselsucht." Also auf eine dauerhafte Neigung zu Missgunst, Neid und schlechter Laune.
Anlass seiner Aussgen waren das jüngste Pressegespräch des Staatssekretärs nach der Ministerratssitzung: Ein TV-Team von ServusTV konfrontierte ihn dabei mit den schlechten Umfragewerten der Koalition - so sind laut neuester Krone-Umfrage mehr als zwei Drittel der Befragten mit der Regierung unzufrieden, 59 Prozent glauben nicht daran, dass die versprochenen Reformen umgesetzt werden.
Der sichtlich genervte NEOS-Politiker erwiderte, unangenehme Schlagzeilen würden die öffentliche Wahrnehmung eher prägen. Und: „Beim Österreicher an und für sich ist das noch ein bisschen ausgeprägter, wie Bernhard (Schriftsteller Thomas Bernhard, Anm. d. Red.) schon gesagt hat. Der Österreicher an und für sich steht auf die Mieselsucht“, erklärte er. Und ergänzte: „Das ist ein Zitat – nicht meines –, sondern eines hochrangigen, leider schon verstorbenen Literaten.“
Dass der Staatssekretär den als knallharten Österreich-Kritiker bekannten Schriftsteller Thomas Bernhard zitiert, ist für viele X-User keine Entschuldigung - immerhin ist Bernhard auch für dieses Zitat aus dem Stück "Heldenplatz" bekannt: „Österreich selbst ist nichts als eine Bühne / auf der alles verlottert und vermodert und verkommen ist / eine in sich selber verhasste Statisterie / von sechseinhalb Millionen Alleingelassenen / sechseinhalb Millionen Debile und Tobsüchtige / die ununterbrochen aus vollem Hals nach einem Regisseur schreien“.
FPÖ: "Österreicher werden jetzt auch noch beschimpft"
Die FPÖ reagierte mit Kritik auf die "Mieselsucht"-Aussage des Staatssekretärs (FPÖ – Schnedlitz: „Schellhorn beschimpft Österreicher als mieselsüchtig – Entschuldigung und Rücktritt überfällig!“) - FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz fordert eine Entschuldigung oder besser gleich einen Rücktritt: „Wenn es nach der Kaskade an Skandalen - vom Luxus-Audi über sein aufgeblasenes Büro auf Steuerzahlerkosten bis hin zum Entbürokratisierungs-Bauchfleck - noch eines Grundes bedarf, aus dem Schellhorn sein Amt sofort räumen muss, dann hat er ihn jetzt geliefert. Eine Entschuldigung bei den von ihm beschimpften Österreichern und sein gleich darauffolgender Rücktritt sind überfällig.“
Schnedlitz fügt in seiner aktuellen Pressemitteilung an: "Anstatt sich zu fragen, warum ihnen die Bevölkerung misstraut, nimmt die schlechteste Regierung aller Zeiten sie jetzt offenbar auch verbal ins Visier. Die Systemparteien machen tagtäglich mit ihrem Totalversagen das Leben der Menschen schlechter und wundern sich dann auch noch, dass sie ihnen dafür nicht zujubeln." Das sei nicht nur abgehoben und selbstherrlich, sondern auch eine Verhöhnung jedes Bürgers.
Wähler-Beschimpfung auch in Deutschland üblich
Die abwertende Beurteilung des Bürgers, des Souveräns, durch Staatssekretär Sepp Schellhorn ist im deutschen Sprachraum kein Einzelfall - auch Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) lieferte dazu in den jüngsten Jahren einige Zitate: „Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand unseres Landes nicht erhalten können", so Merz etwa auf dem CDU-Wirtschaftstag im Mai 2025 undd stellte damit die aktuelle Arbeitsmoral und die Produktivität der Bevölkerung infrage. Merz fügte einst auch an „Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten.“
Im Herbst 2025 forderte er vor dem Wirtschaftsflügel der Union: „Hören wir doch mal auf, so larmoyant und so wehleidig zu sein in diesem Land“, so als sei die desaströse Lage der deutschen Wirtschaft nur eine Frage schlechter Laune und Wehleidigkeit. Die Bürger quittieren solche Aussagen offensichtlich mit schlechten Beliebtheitswerten - Merz steht bei den Top 20 der beliebtesten deutschen Politikern nur noch auf Platz 19 - und einem konstanten Umfragetief der CDU.