Berlin. Was als gezielter Sabotageakt der linksextremistischen „Vulkangruppe“ am Morgen des 3. Januar begann, entwickelte sich über viele Tage zu einer humanitären Krise: 45.000 Haushalte und 2.200 Betriebe waren tagelang ohne Strom, Heizung und Licht. Die Temperaturen sanken unter den Gefrierpunkt, Straßenbeleuchtung, Alarmanlagen, Ampeln, Heizungen und Produktionsstätten fielen aus, was für eine Beunruhigung der Bürger und für einen Millionenschaden sorgte.
Die „Vulkangruppe“, eine linksextreme Zelle, bekannte sich zu dem Anschlag auf eine zentrale Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde. Sie rechtfertigte die Tat als notwendigen Schritt im „Kampf für Klimaschutz und Deindustrialisierung“.
Seniorin starb alleine in der Kälte
Nach fünf Tagen Kälte und Dunkelheit bestätigte sich, dass der Anschlag der Linksterroristen auch Menschenleben gefordert hat: Eine ältere Frau wurde am Tag nach dem Ende des Stromausfalls leblos in ihrer Wohnung aufgefunden. Obwohl die genaue Todesursache noch untersucht wird, deuten die Umstände auf einen Zusammenhang mit dem Ausfall hin: Ohne Heizung und Möglichkeit, Hilfe zu rufen, konnte sie offenbar nicht mehr gerettet werden, inzwischen ist auch von einer zweiten Toten die Rede.
Ein weitere Frau rutschte laut dem Magazin Cicero auf einer stockdunklen Straße aus und sei dabei tödlich verunglückt - auch hier steht der Zusammenhang mit der fehlenden Stromversorgung im Raum, wenngleich die Polizei den Vorfall bislang nicht offiziell bestätigt hat.
Der Anschlag in Berlin steht nicht isoliert da: In Nordrhein-Westfalen bekannte sich das „Kommando Angry Birds“ seit 2024 zu mehreren Angriffen auf Stromtrassen der Deutschen Bahn, die zu bundesweiten Zugausfällen führten. Am Montag veröffentlichte die Gruppe ein weiteres Bekennerschreiben zu einem Anschlag auf einen Transformator. Glücklicherweise kam es diesmal zu keinen Versorgungsunterbrechungen. Beide Gruppen verbindet die ideologische Rechtfertigung: Sie sehen ihre Gewalt als notwendig an, um Klimaschutz durchzusetzen und die Industriegesellschaft zurückzudrängen.
Tennis statt Krise
Die Krise hat nicht nur menschliches Leid und gewaltige wirtschaftliche Schäden verursacht, sondern auch eine massive politische Erschütterung ausgelöst: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gerät zunehmend unter Druck. Am ersten Tag des Stromausfalls spielte er Tennis mit seiner Lebensgefährtin, der Berliner Bildungssenatorin – angeblich, um „den Kopf freizukriegen“. Dieses Verhalten sorgte bundesweit für Kritik. Oppositionsparteien wie AfD, BSW und FDP fordern seinen Rücktritt.
Die Kritiker werfen Wegner vor, die Krise nicht ernst genommen und die Öffentlichkeit bewusst getäuscht zu haben, es fehle an Empathie und Führungsstärke. Die Rücktrittsforderungen stützen sich auf mehrere Punkte: Das Tennisspiel symbolisiert für viele eine groteske Priorisierung privater Freizeit, während Zehntausende in Kälte und Dunkelheit litten.
Dazu kommt, dass Wegner zunächst abgestritten hatte, privat unterwegs gewesen zu sein – ein Vorgang, der als bewusste Irreführung wahrgenommen wird. Erst nach drei Tagen und medialem Druck räumte Wegener ein, doch nicht in einem Büro zu Hause "eingeschlossen" gewesen, sondern zum Sport aufgebrochen zu sein. Innerparteilich wurde eine Sondersitzung der CDU-Fraktion einberufen, in der Wegner sich erklären musste. Obwohl ein Rücktritt derzeit unwahrscheinlich scheint – in der Berliner CDU gibt es keinen offensichtlichen Nachfolger –, hat die Affäre das Vertrauen in Wegners Krisenmanagement schwer beschädigt.
Zwei Kanzler lieferten wesentlich besseres Krisenmanagement
Zur Erinnerung: Frühere Kanzler machten das Krisenmanagement wesentlich besser. Die Visite von Gerhard Schröder (SPD) in der Hochwasser-Region bei Grimma am 14. August 2002 wurde sehr positiv bewertet - Schröder tauchte in Regenjacke und Gummistiefeln im Flutgebiet auf, zeigte sich tief erschüttert und versprach unbürokratische Hilfe, was seine Popularitätswerte vor der Wahl deutlich steigen lässt. Auch mit diesem Krisenmanagement bei Dresden gewann Schröder damals die Wahl gegen Edmund Stoiber (CSU).

Legendär ist der persönliche Einsatz von Helmut Schmidt (SPD) bei der Sturmflut 1962 in Hamburg: Der damalige Polizeisenator Schmidt reagierte entschlossen, missachtete Zuständigkeiten und rief sofort das Militär zu Hilfe. Die Besatzungen der Bundeswehr-Hubschrauber retten am Tag nach der Flutkatastrophe 400 Hilfesuchende. Dabei riskieren die Helikopter-Crews mit gewagten Flugmanövern ihr eigenes Leben: Per Hand zogen sie die Menschen von den Dächern in die Hubschrauber und wagten sich dabei gefährlich dicht an Hochspannungsleitungen und Hauswände heran - trotz des Sturms. Bis heute gilt das entschlossene Handeln von Schmidt als Vorbild für schnelles und entschlossenes Risikomanagement, das im Fall von Hamburg wahrscheinlich hunderten das Leben rettete.