Die A-Klasse wird künftig in Kecskemét gebaut - 6.000 Jobs in Deutschland gefährdet

Die Deindustrialisierung Deutschlands ist keine Propaganda der Opposition, sie findet statt. Die Regierung von Viktor Orbán bestätigt, dass die Mercedes A-Klasse künftig in Ungarn produziert wird.

Foto: Matthias Hangst/Getty Images

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Rastatt. Mercedes-Benz verlagert die Produktion der A-Klasse vom baden-württembergischen Standort Rastatt nach Kecskemét in Ungarn. Was aus Sicht des Konzerns als nüchterne Kosten- und Effizienzentscheidung gilt, wird in Deutschland als weiteres Signal einer schleichenden Deindustrialisierung wahrgenommen - die Produktion ist zu teuer, 6.000 Mitarbeiter könnten in Deutschland ihre Jobs verlieren.

Bereits ab dem zweiten Quartal 2026 soll die A-Klasse ausschließlich in Ungarn gefertigt werden. Die Produktion ist dort nach aktuellem Stand bis mindestens 2028 geplant. Bestätigt wurde die Entscheidung nun auch von Ungarns Außenminister Péter Szijjártó, der den Schritt nicht nur als wirtschaftlichen Erfolg für sein Land darstellte, sondern zugleich scharfe Kritik an Deutschland und der EU übte.

Ungarns Regierung kritisiert Berlin und Brüssel

Ungarn, so seine Botschaft, stehe für politische Stabilität, Investitionsfreundlichkeit und „gesunden Menschenverstand“, während Brüssel und Berlin mit überbordender Regulierung und ideologisch geprägter Wirtschaftspolitik Unternehmen abschreckten.

Tatsächlich ist der Standort Kecskemét für Mercedes längst kein Neuland mehr. Das Werk zählt zu den wichtigsten Produktionsstätten des Konzerns weltweit. Im Oktober 2024 lief dort bereits das zweimillionste Fahrzeug vom Band. Neben der A-Klasse werden in Ungarn auch die Mercedes Elektromodelle CLA und GLB gefertigt, berichtet das Web-Magazin der Aktionär. Nach China verfügt Mercedes hier über eine der größten Produktionskapazitäten überhaupt – ein strategischer Pfeiler in der globalen Ausrichtung des Unternehmens.

In Deutschland löste die Entscheidung erhebliche politische Unruhe aus. Vertreter der Opposition sehen darin eine Bestätigung lang geäußerter Warnungen vor einer Deindustrialisierung. Der AfD-Politiker Christian Abel sprach von zehntausenden gefährdeten Arbeitsplätzen und machte insbesondere die Energie- und Klimapolitik der Bundesregierung sowie das geplante Verbrenner-Aus dafür verantwortlich. Die Entlassungen sind jedoch nicht offiziell bestätigt, der Konzern bleibt vage: In Rastatt arbeiten 6.000 Menschen für Mercedes-Benz, und nach Angaben des Konzerns sollen viele von ihnen weiterhin beschäftigt bleiben.

Auch Rheinmetall produziert in Ungarn

Der Trend der Abwanderung reicht jedoch über Mercedes hinaus. Auch der Rüstungs- und Technologiekonzern Rheinmetall investiert massiv in Ungarn. Im südungarischen Szeged eröffnete das Unternehmen im Dezember eine neue Produktionshalle. Dort sollen künftig Komponenten für Elektromobilität, Wasserstofftechnologie sowie militärische Elektronik gefertigt werden. Das Projekt im Umfang von 29 Milliarden Forint (75 Millionen Euro) wurde vom ungarischen Staat mit fast der Hälfte der Summe subventioniert – ein klares Signal an internationale Investoren.

Während Deutschland mit hohen Energiepreisen, Regulierung und Fachkräftemangel die Unternehmen belastet, positioniert sich Ungarn gezielt als industrieller Gegenpol.