Österreichs Industrie warnt vor drohender Gas-Krise

Österreichs Gasspeicher sind mitten im Winter nur noch zu 47 Prozent gefüllt, es gibt zu wenig Importe, und die Gas-Preise steigen: Es droht eine massive Krise, warnt nun auch die Industriellenvereinigung.

In Österreich und Deutschland geht der Gasvorrat zur Neige. Foto: Caro/APA-Images/imageBROKER

In Österreich und Deutschland geht der Gasvorrat zur Neige. Foto: Caro/APA-Images/imageBROKER

Wien. Die Bundesregierung spricht über ein Sozial-Media-Verbot für Kinder und davon, dass Quitten im Supermarkt ab 1. Juli um einige Cent billiger werden. Was als Thema vielleicht noch etwas wichtiger wäre: In Österreich geht der Gasvorrat zur Neige - die Speicher sind nur noch zu 47 Prozent gefüllt, täglich werden 0,5 Prozentpunkte verbraucht. Schon in wenigen Wochen könnte der verminderte Gas-Druck in den Speichern die Versorgungssicherheit gefährden.

Die Industrie wäre von einer Gas-Mangellage massiv betroffen, warnt nun Mag. Judith Obermayr-Schreiber, Geschäftsführerin des Ausschusses Ressourcen und Energie in der Industriellenvereinigung, vor den negativen Folgen für alle Österreicher.

Bei der Podiumsdiskussion auf Einladung der C3 Communications des ORF-Stiftungsrats Thomas Prantner im Audi House of Progress zeigte Obermayr-Schreiber anhand von aktuellen Grafiken, wie sich der Gas-Preis aktuell entwickelt: "Wir haben ein Problem: Aus Russland kommt kein Gas mehr, aus den USA auch nur wenig und von Katar auch zu wenig." Dieses drohende Problem nicht öffentlich anzusprechen, damit die Teuerung nicht noch gewaltiger ausfällt, bringe nichts, sagt die Expertin der Industriellenvereinigung: "Diejenigen, die mit Gas handeln, die wissen ohnehin, wie die Lage ist."

Die Daten verdeutlichen die Lage, die Anlass zur Sorge geben könnte: Österreichs Gasspeicher erreichen derzeit nur 47 Prozent, während sie am 28. Januar des Vorjahres noch auf 64 Prozent standen. In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild: Vor einem Jahr lagen die Speicher bei 57,4 Prozent, aktuell erreichen sie nur noch 34,41 Prozent.

Gaspreise, die Entwicklung Grafik IV
Die Entwicklung der Gaspreise; (Quelle: IWF, Selectiv)

Täglich verbraucht Österreich etwa 0,5 Prozentpunkte, womit die Speicher in nur 34 Tagen auf 30 Prozent sinken würden. Allerdings: Vor 2022 fielen die Speicher zeitweise auf 20 bis 30 Prozent, ohne dass Österreich in eine echte Mangellage geriet – dank einer breiten Diversifikation: LNG-Importe, Gas aus Norwegen und alternative Transportwege anstelle des Russland/Ukraine-Transits. Die Lage ist also angespannt bei niedrigen Beständen (wie aktuell rund 47 Prozent), aber nicht kritisch, solange die Importe stabil bleiben und keine weitere Kältewelle eintritt. Ein echter Krisenfall würde erst bei anhaltendem Importausfall, gleichzeitigem Kälteeinbruch und leerer Reserve eintreten.

Und bei weniger Angebot werden die Gas-Preise (wie auch der Strom-Preis) weiter steigen: In den Vereinigten Staaten kostet das Gas derzeit etwa ein Viertel vom Preis in Europa.

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Die Expertin der Industriellenvereinigung sieht in den hohen Energiekosten in Österreich ohnehin schon einen Wettbewerbsnachteil – doch nicht nur deshalb: „Die Kollektivvertrags-Abschlüsse sind zu hoch, die steigenden Lohnstückkosten belasten die Unternehmen. Dazu kommen die Überregulierung, insbesondere auf EU-Ebene, sowie geopolitische Belastungen wie die neuen US-Zölle.“

So stiegen die Lohnstückkosten in Österreich seit 2016 um mehr als 34 Prozent, während die Arbeitsproduktivität nur um 5,1 Prozent zulegte.

Lohnstückkosten, die Entwicklung Grafik IV
Entwicklung der Lohnstückkosten; (Quelle: Eurostat, Ameco, Produktivitätsrat, Selektiv)

Außerdem seien die langen Verfahren bei der Umweltverträglichkeits-Prüfung (UVP) für Österreichs Wirtschaftstreibende eine extreme Belastung: Mag. Judith Obermayr-Schreiber nennt dabei als Beispiel das UVP-Verfahren zum Bau der Salzburgleitung - statt maximal (wie im Gesetz geregelt) 15 Monate dauerte das Genehmigungsverfahren 96 Monate.

Ein Beispiel für ein UVP-Verfahren Grafik IV
Beispiel für ein UVP-Verfahren; (Quelle: APG, UBA)