Washington/Jerusalem. Nach Angaben israelischer Geheimdienste bereiten die Vereinigten Staaten einen „bedeutenden“ Plan für eine groß angelegte Militärkampagne vor, die auf einen Regimewechsel im Iran abziele. Anonyme Quellen aus Mossad, Shin Bet und Aman berichteten dem Fernsehsender Kan News, das Pentagon arbeite dabei nicht allein.
US-Präsident Donald Trump deutete vor Beginn der Proteste an, Washington werde den Demonstranten helfen, „wenn das iranische Volk einen Regimewechsel will“. Vor dem Hintergrund der Unruhen, bei denen sich viele Teilnehmer laut Beobachtern die Rückkehr des Schahs aus der Pahlavi-Dynastie wünschten, flammten Diskussionen über eine solche extreme Möglichkeit erneut auf.
Das US-Verteidigungsministerium hat in den vergangenen Tagen eine „massive Armada“ über den Indischen Ozean verlegt. Die Zahl der Soldaten wurde auf nahezu 50.000 erhöht, von denen rund 10.000 auf dem Stützpunkt al-Udeid in Katar stationiert sind. Die übrigen Kräfte verteilen sich auf Stützpunkte in Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Oman.
An der Spitze des umfangreichen Seekontingents steht laut Trump der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln. Die israelischen Streitkräfte (IDF) wiesen in ihrer regelmäßigen Lagebewertung darauf hin, dass die Vereinigten Staaten „die Situation im Iran auf keinen Fall so lassen werden, wie sie ist“.
Kan News erinnerte an den Besuch des Chefs des israelischen Militärgeheimdienstes Aman Anfang der Woche im Weißen Haus. General Shlomi Binder traf sich dort mit hochrangigen Vertretern des Pentagons und des Weißen Hauses. Nach seinem Besuch folgte der Direktor des Mossad, David Barnea.
Über den Inhalt der Gespräche mit Binder berichtete die rechtsgerichtete Tageszeitung Israel Hayom. Demnach habe das Weiße Haus mehrere Pläne für einen Angriff auf die Islamische Republik Iran vorgestellt, darunter auch ausgewählte Bombardierungsziele. An der Erstellung der Zielliste seien laut Quellen aus dem US-Verteidigungsministerium Vertreter Großbritanniens, Frankreichs, der „drei Länder am Persischen Golf“ sowie eines weiteren arabischen Staates beteiligt gewesen.
Mit den im Bericht genannten „drei Ländern am Persischen Golf“ dürften Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate gemeint sein. Darauf deuten auch Gespräche hin, die die Trump-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nach den russisch-ukrainischen Verhandlungen in Abu Dhabi mit einer saudischen Delegation führten. Als weiteres mögliches beteiligtes Land kommen Oman, Katar, Bahrain oder Kuwait in Betracht.
Israel Hayom wies darauf hin, dass die anti-iranische Stimmung im Nahen Osten keineswegs einheitlich sei. Mehrere Länder hätten amerikanischen und verbündeten Kampfflugzeugen den Überflug über ihr Hoheitsgebiet untersagt. Offiziell habe dies bislang nur Aserbaidschan getan, weitere Staaten nannte die israelische Tageszeitung nicht.
Eine Quelle aus dem israelischen Kabinett erklärte gegenüber der Zeitung, die Entscheidung der EU, die Islamische Revolutionsgarde als terroristische Organisation einzustufen, trage „wesentlich zur Isolation des schiitischen Regimes bei“. Die Parallelarmee verfüge demnach angeblich nicht mehr über ausreichende Mittel, um die Gehälter der Gardisten zu bezahlen.
Auch die Tageszeitung New York Times berichtete, Trump erwäge „neue Maßnahmen gegen den Iran“. Nachdem die Proteste im Land nachgelassen hatten, verschärften Berater des Präsidenten ihre Vorschläge, darunter „auch die Möglichkeit, dass amerikanische Streitkräfte direkt im Iran Razzien durchführen“. Keinen dieser Pläne hat Trump bislang genehmigt.
Im Juni des vergangenen Jahres bombardierten die USA im Rahmen der Operation „Midnight Hammer“ Anlagen in Fordow, Natanz und Isfahan, in denen der Iran Uran anreichert – offiziell für das Kernkraftwerk Bushehr an der Küste des Persischen Golfs. Nach Angaben der Vereinigten Staaten und Israels erreichte die Urananreicherung dabei jedoch eine Qualität, wie sie für den Bau von Atomwaffen erforderlich ist.
Die amerikanischen Einsätze mit B-2-Bombern bildeten den Höhepunkt des sogenannten 12-Tage-Krieges, wie Trump ihn in seinem Netzwerk Truth Social nannte. Der erste militärische Schlag erfolgte am 13. Juni durch Israel. In westlichen Staaten und Medien wurde das kaum thematisiert.
Im Unterschied zum Sommer 2025 tritt diesmal ein unerwarteter Verbündeter Teherans auf: China. Technische Operationen des chinesischen Geheimdienstes zielen darauf ab, israelische Infiltrationen des iranischen Staats- und Politikapparats aufzudecken. Hintergrund ist der Erwerb chinesischer Verteidigungstechnologien durch den Iran.
Der kürzlich verabschiedete 15. staatliche Fünfjahresentwicklungsplan der iranischen Regierung sieht vor, den Verteidigungs-, Cyber- und Weltraumsektor gezielt zu stärken, um die Islamische Republik gegen Sabotage durch die USA und Israel zu „befestigen“.
Die Entwicklung wirft Fragen auf, auf die das Portal Modern Diplomacy Antworten zu finden versucht. Als Grund für Chinas Vorgehen zugunsten des Iran nennen die Experten die Einschätzung Pekings, eine Destabilisierung der Theokratie stelle eine „grundlegende Bedrohung seiner wirtschaftlichen Interessen im Sinne der Initiative ‚One Belt, One Road‘“ dar.
„Gleichzeitig verstehen wir, dass China die israelischen Geheimdienstaktivitäten im Iran als ‚Sicherheitstest‘ und als Herausforderung für seinen strategischen Partner betrachtet“, so das Portal.