Die Debatte über die Kindertaufe in Irland ist aus drei Gründen interessant. Der erste liegt darin, dass heute fast niemand mehr über bewährte theologische Wahrheiten streitet. Ja, es gibt gewisse Kräfte, die die Lehre der Kirche ändern wollen, aber noch hat sich niemand ernsthaft mit der Taufe befasst. Der zweite Grund ist, dass diese Debatte von einer Person angezettelt wurde, die sich zur katholischen Kirche bekennt, wenn auch mit Vorbehalten. Der dritte Grund besteht darin, dass sich bei der Kritikerin, um die ehemalige irische Staatschefin Mary McAleese handelt.
Diese kritisierte offen die Kindertaufe in der katholischen Kirche und argumentierte mit der These, dass dies eine Verletzung der grundlegenden Menschenrechte des Kindes darstelle.
Vielleicht aus Unwissenheit knüpfte sie damit an die alte Lehre der Anabaptisten, also der „Wiedergetauften”, an, die der Meinung sind, dass die Kindertaufe unbiblisch und eine echte Taufe nur nach der persönlichen Bekehrung eines Menschen möglich sei. Einige protestantische und charismatische Konfessionen, die auf dieser Tradition basieren, erkennen daher nur die Taufe von Erwachsenen an.
Paradoxerweise erkannten sowohl Martin Luther als auch Johannes Calvin die Kindertaufe an und betrachteten sie als Werk Gottes.
Eröffnung der Diskussion
Die Äußerungen der ehemaligen irischen Präsidentin haben zwar eine Welle der Empörung unter Katholiken ausgelöst, aber auch viel Positives bewirkt. Denn damit wurde ein Thema in die öffentliche Diskussion gebracht, das jahrhundertelang niemanden besonders bewegt hat, da es sich um eine gängige Praxis handelte.
Theologen, Pädagogen und Bischöfe äußerten sich dazu. Sie waren sich einig, dass die Taufe eines der grundlegenden Sakramente der Kirche ist und seit den Anfängen des Christentums als Eintritt in das Leben des Glaubens und in die Gemeinschaft der Kirche verstanden wurde.
Bereits in den ersten Jahrhunderten wurden ganze Familien einschließlich der Kinder getauft. Die Kirche verstand diese Praxis nicht als menschlichen Brauch, sondern als Antwort auf den Auftrag Jesu: „Geht nun hin, lehrt alle Völker und tauft sie ...“ (Mt 28,19) Die Taufe ist in erster Linie ein Werk Gottes – ein Geschenk der Gnade, das der Mensch nicht erhält, weil er es „verdient“ hat, sondern weil Gott ihn liebt.
Verletzung von Kinderrechten?
In der Diskussion wurden auch Argumente gegen Einwände vorgebracht, dass es sich um eine Verletzung der Rechte des Kindes handele. Die Taufe von Kindern bedeutet keine Verweigerung der Freiheit. Im Gegenteil, es ist ein Akt elterlicher Liebe und Verantwortung. Eltern treffen für ihre Kinder viele grundlegende Entscheidungen, noch bevor diese zu einem eigenen Urteil fähig sind: Sie sorgen für ihre Versorgung, ihre Ausbildung und ihre Lebensorientierung.
Die Taufe von Kindern ist also keine „Aufzwingung des Glaubens”, sondern eine Einladung auf einen Weg. Die Kirche geht immer davon aus, dass sich der Glaube allmählich entwickelt. Gerade in der katholischen Kirche gibt es weitere Sakramente, insbesondere die Firmung, bei der der Mensch persönlich und frei den Glauben bekräftigt, in den er durch die Taufe eingeführt wurde. Wenn er sich später entscheidet, einen anderen Weg einzuschlagen, kann und will die Kirche ihn nicht zum Glauben zwingen.
Die Sakramente sind keine rechtlichen Verträge
Ein wichtiger Punkt dieser Diskussion ist auch der Unterschied zwischen dem modernen Verständnis der Menschenrechte und der katholischen Moraltheologie. Die Kritik an der Kindertaufe basiert oft auf einem rechtlichen Rahmen, der die individuelle Autonomie und Zustimmung betont.
Die katholische Theologie verfolgt jedoch ein anderes Ziel: das Wohl des Menschen in seiner Ganzheit, einschließlich der spirituellen Dimension und des ewigen Lebens. Sakramente sind keine rechtlichen Verträge oder Verwaltungsakte, sondern Zeichen der Gnade Gottes.
Mit dem Glauben ist es wie mit der Sprache. Wohl niemand würde Eltern vorwerfen, dass sie ihrem Kind „gegen seinen Willen” das Sprechen beigebracht haben. So wird auch der Glaube von Generation zu Generation weitergegeben.
Die Kirche tauft Kinder nicht aus dem Wunsch heraus, sie zu beherrschen oder zu kontrollieren, wie es die ehemalige irische Präsidentin interpretiert, sondern aus der Überzeugung heraus, dass Gottes Gnade ein Geschenk ist, das nicht aufgeschoben werden sollte. Die Kirche ist eine fürsorgliche Mutter, die ihren Kindern von Anfang an das Beste geben möchte.