Wien. Der österreichische Arbeitsmarkt ist auch zu Beginn des Jahres 2026 weit von einer Entspannung entfernt: Zwar gibt es in einzelnen Bereichen erste vorsichtige Hoffnungszeichen, insgesamt bleibt die wirtschaftliche Lage jedoch angespannt – mit spürbaren Folgen für Beschäftigte und Unternehmen. Die aktuellen Zahlen des Arbeitsmarktservice setzen Politik und Wirtschaft unter Handlungsdruck.
Ende Januar waren in Österreich 379.800 Menschen offiziell als arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Anstieg von etwa 14.000 Personen beziehungsweise 3,8 Prozent gegenüber dem Jänner des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote lag bei 8,8 Prozent und damit um 0,3 Prozentpunkte höher als im Jänner 2025.
Noch deutlicher wird das Ausmaß der Situation, wenn auch jene Personen berücksichtigt werden, die sich derzeit in Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen befinden: Insgesamt waren im Januar 456.192 Menschen entweder arbeitslos oder in Ausbildung beim Arbeitsmarktservice vorgemerkt. Das sind 10.670 Personen mehr als vor einem Jahr, ein Plus von 2,4 Prozent.
Die Zahlen spiegeln die anhaltende wirtschaftliche Schwäche wider - auch wenn Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) in seiner Rede am vergangenen Freitag 2026 "das Jahr des Aufschwungs" nannte. Trotz einzelner Lichtblicke kämpft die heimische Wirtschaft weiterhin mit schwacher Nachfrage, hohen Energie- und Lohnkosten sowie großer Unsicherheit auf den internationalen Märkten. Besonders die Industrie steht unter Druck. Stellenabbau und Zurückhaltung bei Neueinstellungen prägen in vielen Betrieben weiterhin den Alltag.
Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) spricht von einer schwierigen Übergangsphase. Der Arbeitsmarkt stehe nach wie vor unter dem Eindruck der schwachen Konjunktur, zeige jedoch auch erste Anzeichen einer Stabilisierung. Entscheidend sei es nun, gezielt in Qualifizierung zu investieren und insbesondere jungen Menschen den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern. Ausbildung, Umschulung und Weiterbildung seien zentrale Instrumente, um Arbeitslosigkeit langfristig zu reduzieren und den Strukturwandel abzufedern.
Industriellenvereinigung warnt vor anhaltender Krise
Die Industriellenvereinigung (IV) warnt aktuell vor einer weiteren Verfestigung der Arbeitslosigkeit, insbesondere im industriellen Kernbereich. Weltwirtschaftliche Unsicherheiten, eine schwache Konjunktur und steigende Kosten setzten den Betrieben nach wie vor massiv zu. Aus Sicht der Industrie bleibt die Umsetzung der angekündigten Industriestrategie daher unerlässlich. Ein zentraler Hebel sei die Senkung der Lohnnebenkosten, um Unternehmen spürbar zu entlasten und Beschäftigung zu sichern.
Konkret verweist die IV auf den Arbeitslosenversicherungsbeitrag, der in Österreich mit 5,9 Prozent mehr als doppelt so hoch ist wie in Deutschland. Auch beim Beitrag zum Familienlastenausgleichsfonds, der für Unternehmen bei 3,7 Prozent liegt, sieht die Industrie Einsparungspotenzial. Ziel sei es, alle Möglichkeiten zur Entlastung zu nutzen, ohne die sozialen Standards zu gefährden. Die im internationalen Vergleich hohe Abgabenlast wirke wachstumshemmend, setze negative Beschäftigungsanreize und stelle einen klaren Wettbewerbsnachteil dar.
Standort Österreich muss wieder wettbewerbsfähig werden
Aus Sicht der Wirtschaft geht es dabei nicht nur um kurzfristige Entlastung, sondern um die grundsätzliche Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Investitionen, Innovation und Beschäftigung seien nur dann möglich, wenn Betriebe finanziell Luft zum Atmen hätten. Gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten müsse um jeden Arbeitsplatz gekämpft werden. Eine Senkung der Abgabenlast könne dazu beitragen, Investitionen anzuregen und bestehende Arbeitsplätze zu sichern – eine Voraussetzung für einen nachhaltigen Aufschwung.
Die aktuellen Arbeitsmarktdaten belegen jedenfalls: Der Handlungsdruck für Bundesregierung bleibt extrem stark.