Deutliche Kursverluste an den Märkten: Die Preise für Gold, Silber, Bitcoin und Microsoft-Aktien sind gefallen

An den Märkten kam es zu einer Kettenreaktion: Silber verlor mehrere zehn Prozent, Gold fast ein Zehntel, und die Anleger fanden keine klare Ursache. Im Hintergrund wirkten Fed-Entscheidungen, Verluste bei Technologieaktien und Hebelwetten zusammen.

Foto: Tomáš Baršváry/Midjourney/KI

Foto: Tomáš Baršváry/Midjourney/KI

New York. Die vergangene Woche könnte in die Annalen der Börsengeschichte eingehen. Am Freitag geriet Silber massiv unter Druck und schloss mit einem Minus von rund 26 Prozent. Zwischenzeitlich rutschte der Preis vom Rekordhoch des Vortags gerechnet bis in die Größenordnung von knapp 40 Prozent ab.

Damit verzeichnete Silber einen stärkeren Einbruch als während seiner bekanntesten Krise im Jahr 1980. Gold gab zum Handelsschluss um neun Prozent nach, fiel im Verlauf der Sitzung jedoch zeitweise um bis zu 13 Prozent. Der Auslöser für den abrupten Preisverfall blieb zunächst unklar.

Entwicklung des Silberpreises im vergangenen Monat; (Quelle: TradingView)

Wie in solchen Situationen üblich, traf ein massives Übergewicht an Verkäufern auf eine kaum vorhandene Nachfrage. Die Märkte gerieten in Panik. Das lässt sich mit einem Brand in einem vollbesetzten Kinosaal vergleichen: Entscheidend ist nicht das Feuer selbst, sondern die Dynamik der Menge. Die Gefahr, niedergetrampelt zu werden, ist hoch. Ähnlich verhält es sich an der Börse. Wenn viele Marktteilnehmer gleichzeitig verkaufen wollen, entstehen genau solche Handelssitzungen. Umso wichtiger ist es, die Mechanismen hinter dem Einbruch zu verstehen.

Die Sitzung der Fed und Powells folgenreiche Worte

Beginnen wir mit der Sitzung der Fed. Wie erwartet beließ die Notenbank die Zinsen auf dem bisherigen Niveau. Angesichts des kräftigen Wachstums des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts von 4,4 Prozent zum Jahresende und einer Inflation, die sich weiterhin nicht dem Zwei-Prozent-Ziel annähert, sahen Jerome Powell und die Mehrheit des Zentralbankrats keinen Spielraum für Zinssenkungen.

Es gab jedoch Abweichungen: Zwei Mitglieder stimmten im Sinne des US-Präsidenten für niedrigere Zinsen. Dabei handelte es sich eher um ein politisches Signal als um eine geldpolitisch begründete Entscheidung. Sollten die Arbeitsmarktdaten für Januar an diesem Freitag den Abwärtstrend bei der Arbeitslosigkeit bestätigen, könnte Jerome Powell die Zinsen bis zum Ende seiner Amtszeit als Fed-Chef Mitte Mai sogar vollständig unverändert lassen.

Entwicklung der Zinssätze in den USA in den vergangenen drei Jahren; (Quelle: tradingeconomics.com/Federal Reserve)

Da im Vorfeld klar war, dass die Zinsen unverändert bleiben würden, und die Fed bei der Sitzung keine aktualisierte makroökonomische Prognose vorlegte, richtete sich die Aufmerksamkeit der Anleger ausschließlich auf die anschließende Pressekonferenz.

Auf Polymarket konnte zeitweise sogar darauf gewettet werden, welche Worte Jerome Powell verwenden würde. Das unterstreicht, wie genau jede seiner Formulierungen analysiert wird. Der scheidende Fed-Chef enttäuschte die Erwartungen der Marktteilnehmer nicht: Er erklärte offen, die US-Staatsverschuldung sei auf Dauer nicht tragfähig. Eine Feststellung, die zwar weithin bekannt ist, deren Konsequenzen jedoch selten so deutlich ausgesprochen werden.

Damit versetzte Powell Donald Trump einen symbolischen Seitenhieb. Trotz politischer Vorstöße und der Einführung von Zöllen bleibt das Schuldenproblem bestehen und lässt sich nicht kurzfristig beheben. Um gegenzusteuern, dürften deutlich einschneidendere Maßnahmen erforderlich sein.

Gold hatte seinen Höchststand bereits am Donnerstag erreicht. Grundsätzlich gelten die wachsenden Probleme der Staatsverschuldung als zentraler Treiber für Edelmetallpreise, da hohe Schulden langfristig häufig zu einer Abwertung der Währung führen. Gegen ein solches Szenario dienen Gold und Silber traditionell als Absicherung. Kurzfristig konnten sich diese Effekte jedoch nicht durchsetzen: Nach der Pressekonferenz am Freitag gerieten auch die Edelmetalle unter Verkaufsdruck.

Eine unangenehme Überraschung namens Microsoft

Bislang galt der Kauf von Microsoft-Aktien als sichere Wette im Bereich der künstlichen Intelligenz. Dank seines robusten Geschäftsmodells kann der Technologiekonzern astronomische Summen in die Entwicklung von KI investieren.

Aufgrund der extremen Diversifizierung seiner Dienstleistungen und der breiten Nutzerbasis kann das Unternehmen KI-Elemente einsetzen, um die Rentabilität zu steigern. Selbst wenn die Entwicklung der künstlichen Intelligenz stagnieren sollte, ist ein Unternehmen wie Microsoft gut aufgestellt, um Schocks abzufedern. Das galt zumindest bislang.

Entwicklung des Aktienkurses von Microsoft im vergangenen Monat; (Quelle: TradingView)

Die Ergebnisse selbst waren stark: Das Unternehmen erzielte einen bereinigten Gewinn von 4,14 Dollar je Aktie und übertraf damit die erwarteten 3,91 Dollar. Der Umsatz lag bei 81,3 Milliarden Dollar und damit leicht über den prognostizierten 80,3 Milliarden. Trotz der positiven Zahlen verlor die Microsoft-Aktie im Premarket unmittelbar nach der Veröffentlichung 6,7 Prozent.

Der unerwartete Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass der Umsatz der Azure-Sparte, also der Cloud-Dienste – dem Segment mit der stärksten Verbindung zu künstlicher Intelligenz – nur um 39 Prozent gestiegen ist. Die Märkte hatten 40 Prozent erwartet. Zwar wirkt die Reaktion übertrieben, sie muss jedoch im Kontext der gleichzeitig veröffentlichten Ergebnisse von Meta gesehen werden.

Entwicklung des Aktienkurses von Meta im vergangenen Monat; (Quelle: TradingView)

Meta verzeichnete deutlich schlechtere Wirtschaftszahlen als erwartet. Dennoch legten die Aktien des Unternehmens stark zu. Der Grund dafür lag in der künstlichen Intelligenz: Sie ermöglicht es Facebook, den Nutzern individuellere Inhalte anzubieten, wodurch deren Verweildauer im sozialen Netzwerk steigt.

Je länger Nutzer ihren Feed betrachten, desto mehr Einnahmen erzielt Meta. Nach Angaben des Unternehmens hat der Einsatz künstlicher Intelligenz zu einem Anstieg der Werbeeinblendungen um 18 Prozent beigetragen.

Auch Meta investiert wie Microsoft enorme Summen in künstliche Intelligenz, doch beim Social-Media-Konzern zeigen sich bereits messbare Ergebnisse. Microsoft hingegen konnte trotz hoher Investitionen das Wachstumstempo seiner Cloud-Dienste bislang nicht deutlich steigern. Dennoch erwarten die Investoren nun, dass sich die getätigten Investitionen bereits in diesem Quartal auszahlen. Bei Microsoft ist damit zu rechnen, dass die Gewinne später kommen, doch die Anleger wollen nicht länger warten.

Aber wie hängt der Kursverfall von Microsoft mit Gold und Silber zusammen?

Panikreaktionen am Gold- und Silbermarkt

Der unerwartet starke Einbruch von Microsoft zwang viele Investoren dazu, ihre Wetten auf das Wachstum der Aktien zu schließen. Um die damit verbundenen Verluste aus Hebelgeschäften auszugleichen, realisierten sie Gewinne aus Gold. Der Schritt löste am Gold- und Silbermarkt erhebliche Panik aus. In der Folge übernahmen Emotionen die Kontrolle über die Verkäufe, und wenn alle gleichzeitig verkaufen wollen, kommt es zu massiven Abgaben.

Viele Anleger kauften diese Woche erstmals Gold und Silber in der Hoffnung auf ein Wachstum wie 2025. Nach dem drastischen Preisverfall reagierten sie instinktiv, um Verluste zu begrenzen, und gaben ihre Bestände wieder ab.

Der letzte Gnadenstoß für Gold und Silber kam mit Trumps Nominierung von Kevin Warsh als Fed-Chef, deren Bestätigung noch vom Senat aussteht. Für die Märkte war das eine Überraschung, da Warsh zu den hawkischsten Kandidaten aus der vom Finanzminister vorgeschlagenen Vierergruppe gehört: Er setzt die Bekämpfung der Inflation über die Förderung des Wirtschaftswachstums.

Es wurde erwartet, dass das Weiße Haus loyalere Kandidaten nominieren würde. Ob Warsh radikal umdenken musste, um nominiert zu werden, bleibt unklar. Die Unsicherheit zeigte den Märkten, dass die Lage komplizierter ist, als sie zunächst erschien. Sollte Warsh seinen hawkischen Kurs beibehalten, wäre das jedoch eine schlechte Nachricht für Gold.

Die Fundamentaldaten ändern sich nicht

Auf der anderen Seite bleiben die fundamentalen Gründe für den Anstieg des Goldpreises, insbesondere im Zusammenhang mit der US-Staatsverschuldung, unverändert. Gold bewegt sich weiterhin in einem langfristigen Wachstumskanal. Um eine Trendwende herbeizuführen, müsste der Preis pro Feinunze unter 4.200 Dollar fallen – von dieser Marke sind wir noch weit entfernt.

Entwicklung des Goldpreises im vergangenen Jahr nach dem Ichimoku-Indikator - der Trend würde sich nur ändern, wenn der Goldpreis unter die rote Linie fällt; (Quelle: TradingView)

Die Anspannung und Angst auf dem Markt sind deutlich spürbar. Investoren könnten deshalb sehr schnell wieder in Gold investieren. Die steigende Nervosität zeigt sich auch in der Aufwertung des Schweizer Frankens, der ebenfalls als sicherer Hafen gilt. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte die Schweizer Zentralbank das Instrument der Negativzinsen erneut einsetzen.

Entwicklung des Bitcoin-Preises im vergangenen Monat. (Quelle: TradingView)

Als ob das nicht schon genug wäre, verlor der Bitcoin am Wochenende deutlich an Wert und stoppte bei 77.000 Dollar. Der Einbruch zog auch alle anderen Kryptowährungen nach unten. Als Ursache für die Rückgänge wurde erneut Warshs Name genannt.

Der Grund wirkt etwas absurd, wenn man den Überraschungseffekt und die Aussicht auf eine strengere Geldpolitik außer Acht lässt. Warsh äußerte sich in der Vergangenheit positiv zu Bitcoin und bezeichnete die Kryptowährung als eine Art „Polizist“ der Geldpolitik gegenüber den Politikern – eine Einschätzung, die bis zu einem gewissen Grad zutrifft.

Der Preisrückgang von Bitcoin bleibt also ein Rätsel. Möglicherweise spiegelt er die Halving-Zyklen und die seit Herbst 2025 andauernde Baissephase des Marktes wider.

Die größte Frage ist, ob sich die Ausverkäufe von Rohstoffen und Kryptowährungen auch auf den Aktienmarkt ausweiten werden. Diese Woche könnte es also auf den Märkten sehr turbulent werden.