Santa Clara. Nvidia plant eine „riesige“ Investition in OpenAI – wahrscheinlich die größte der Firmengeschichte, sagte Nvidia-Chef Jensen Huang am Samstag. Zugleich wies er Berichte zurück, wonach er mit dem Entwickler von ChatGPT unzufrieden sei.
Der Chiphersteller hatte im September im Rahmen einer Absichtserklärung angekündigt, bis zu 100 Milliarden Dollar in OpenAI zu investieren. Ziel der Vereinbarung war es, dem ChatGPT-Entwickler Kapital sowie Zugang zu leistungsfähigen Chips für neue Rechenzentren zu sichern – eine zentrale Voraussetzung, um die eigene Führungsposition in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld zu behaupten.
Risse im Bündnis?
Das Wall Street Journal berichtete, dass der Plan, OpenAI beim Training und Betrieb seiner neuesten KI-Modelle zu unterstützen, gestoppt worden sei, nachdem einige Mitarbeiter von Nvidia Zweifel an der Vereinbarung geäußert hätten.
Die amerikanische Tageszeitung schrieb unter Berufung auf informierte Kreise, dass die Unternehmen derzeit die Zukunft ihrer Partnerschaft überdächten. Nvidia-Chef Huang habe in den vergangenen Monaten gegenüber Branchenkollegen privat betont, die ursprüngliche Vereinbarung im Umfang von 100 Milliarden Dollar sei weder verbindlich noch endgültig.
Huang habe zudem mangelnde Disziplin im Geschäftsansatz von OpenAI kritisiert und zugleich Bedenken wegen der Konkurrenz durch Google (KI-Modell Gemini) und Anthropic (KI-Modell Claude) geäußert, berichtete das Wall Street Journal weiter.
Der Kommentar eines Nvidia-Sprechers fiel per E-Mail an Reuters knapp aus: „In den letzten zehn Jahren waren wir der bevorzugte Partner von OpenAI. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.“
Höhe der Investition unklar
Bei einem Gespräch mit Journalisten am Samstag in Taipeh sagte Huang, es sei „Unsinn“, zu behaupten, er sei mit OpenAI unzufrieden.
„Wir investieren enorme Summen in OpenAI. Ich glaube an OpenAI, die Arbeit, die sie leisten, ist unglaublich. Sie sind eines der bedeutendsten Unternehmen unserer Zeit, und ich arbeite wirklich gerne mit Sam zusammen“, sagte er über OpenAI-Chef Sam Altman.

„Wir investieren viel Geld, wahrscheinlich ist es die größte Investition, die wir je getätigt haben“, so Huang.
Auf die Frage, ob es sich um mehr als 100 Milliarden Dollar handeln werde, antwortete er: „Nein, nein, nichts in dieser Größenordnung.“ Es sei Altmans Aufgabe, bekannt zu geben, wie viel Kapital er einsammeln wolle.
Partnerschaft mit TSMC im Fokus
Der Nvidia-Chef sprach am Samstagabend bei einer improvisierten Pressekonferenz im Regen vor einem Restaurant in Taipeh, nachdem er seine wichtigsten Lieferanten in Taiwan zum Abendessen empfangen hatte. Unter ihnen war auch TSMC, der weltweit größte Auftragsfertiger für Chips.
Taiwanesische Medien bezeichneten die Veranstaltung angesichts der addierten Marktkapitalisierung der teilnehmenden Unternehmen als „Milliarden-Dollar-Dinner“.

Huang nutzte seinen Besuch in Taiwan, um seine wichtigsten Zulieferer zu einer Ausweitung der Produktion zu bewegen und damit die starke Nachfrage nach Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz zu bedienen.
„TSMC muss dieses Jahr sehr hart arbeiten, weil ich viele Wafer brauche“, sagte er lachend. Wafer sind dünne Siliziumscheiben, aus denen Mikrochips gefertigt werden.
„TSMC leistet unglaubliche Arbeit und arbeitet sehr, sehr hart. In diesem Jahr haben wir eine große Nachfrage“, sagte Huang nach einem gemeinsamen Foto mit TSMC-Chef Che-Chia Wei. TSMC werde seine Kapazitäten in den kommenden zehn Jahren wahrscheinlich um mehr als 100 Prozent ausbauen.
TSMC teilte im vergangenen Monat mit, dass die Investitionsausgaben in diesem Jahr deutlich um 37 Prozent auf 56 Milliarden Dollar steigen könnten. Für die Jahre 2028 und 2029 stellte das Unternehmen angesichts der starken Nachfrage nach künstlicher Intelligenz einen weiteren „erheblichen“ Anstieg in Aussicht.

Star-Besuch
Jensen Huang, der als Kind in die Vereinigten Staaten auswanderte, wird in Taiwan vielerorts von Fans empfangen. Lokale Medien, die ihn als „Vater des Volkes“ bezeichnen, verfolgen nahezu jeden seiner Schritte.
1993 war er Mitbegründer des in Kalifornien ansässigen Chipkonzerns Nvidia. Im vergangenen Jahr überschritt der Börsenwert erstmals die Marke von fünf Billionen Dollar und unterstrich damit den rasanten Aufstieg des Unternehmens ins Zentrum der KI-Branche.
Huang unterbrach das Abendessen mit rund zwei Dutzend Managern immer wieder, um Fans zu begrüßen und Autogramme zu geben. Unter den Gästen war auch Young Liu, Chef des weltweit größten Elektronikherstellers Foxconn.

„Wir haben hier in Taiwan so viele Partner. Ohne Taiwan wäre Nvidia nicht möglich. Diese Insel hat einen besonderen Zauber. Die Unternehmen hier verfügen über außergewöhnliche Technologien und eine unglaubliche Kultur“, sagte er auf die Frage nach seinem Starstatus im Land. „Ich bin wirklich stolz auf Taiwan.“
(reuters, im)