Hawthorne/Kalifornien. Elon Musk gab am Montag bekannt, dass SpaceX sein KI-Start-up xAI übernommen hat. Die Rekordfusion bündelt Musks Ambitionen in den Bereichen künstliche Intelligenz und Raumfahrt, indem sie das Raketen- und Satellitenunternehmen mit dem Entwickler des Chatbots Grok zusammenführt.
Die Vereinbarung gilt als einer der ehrgeizigsten Zusammenschlüsse im Technologiesektor. Sie vereint ein Raumfahrtunternehmen mit wachsender Bedeutung für den Verteidigungsbereich mit einem schnell expandierenden KI-Entwickler, dessen Kosten vor allem durch Chips, Rechenleistung und Energie getrieben werden.
Die Fusion könnte auch die Ambitionen von SpaceX im Bereich der Rechenzentren stärken, da Musk im KI-Sektor mit Google (Alphabet), Meta, dem von Amazon unterstützten KI-Unternehmen Anthropic sowie OpenAI konkurriert.
Laut einer mit dem Vorgang vertrauten Quelle wird SpaceX mit rund einer Billion Dollar bewertet, xAI mit etwa 250 Milliarden Dollar.
Investoren von xAI erhalten im Rahmen der Übernahme für jede xAI-Aktie 0,1433 SpaceX-Aktien, so die Quelle. Einige Manager von xAI können alternativ eine Barzahlung von 75,46 Dollar je Aktie wählen.
„Das markiert nicht nur das nächste Kapitel, sondern das nächste Buch in der Mission von SpaceX und xAI: die Skalierung mit dem Ziel, eine empfindungsfähige Sonne zu schaffen, um das Universum zu verstehen und das Licht des Bewusstseins bis zu den Sternen auszudehnen“, erklärte Musk.
Rekordübernahme
Der Kauf von xAI gilt als neuer Rekord im globalen M&A-Geschäft und übertrifft damit die Bestmarke, die mehr als ein Vierteljahrhundert lang von Vodafones feindlicher Übernahme des deutschen Konzerns Mannesmann im Jahr 2000 gehalten wurde. Den Wert der Transaktion beziffert LSEG, eine globale Finanzgruppe für Marktinfrastruktur und -dienstleistungen, auf 203 Milliarden Dollar.
Eine Aktie des aus der Fusion von SpaceX und xAI hervorgehenden Unternehmens dürfte rund 527 Dollar wert sein, wie eine weitere mit der Übernahme vertraute Quelle mitteilte. Zugleich plant das Raumfahrtunternehmen noch in diesem Jahr einen groß angelegten Börsengang, der eine Bewertung von mehr als 1,5 Billionen Dollar ermöglichen könnte, so zwei Insider.
KI aus dem All
SpaceX hat kürzlich die Genehmigung beantragt, bis zu eine Million Satelliten in die Erdumlaufbahn zu bringen, um KI-Infrastruktur im Orbit aufzubauen. In dem Antrag heißt es, „orbitale Rechenzentren“ seien die kostengünstigste und energieeffizienteste Möglichkeit, den wachsenden Bedarf an KI-Rechenleistung zu decken.
Traditionell sind solche Zentren große Anlagen mit leistungsstarken Computern, die Daten verarbeiten und speichern. Musks Unternehmen SpaceX argumentiert, dass die Kapazitäten der Rechenzentren auf der Erde nicht mehr ausreichen, um die Nachfrage nach KI zu decken. Darüber berichtete die BBC.
Der Start von bis zu einer Million Satelliten würde die Zahl der Objekte im Orbit drastisch erhöhen. Musks Starlink-Netzwerk mit fast 10.000 Satelliten wird bereits für eine zunehmende Überlastung verantwortlich gemacht, was der Milliardär bestreitet. Das neue Netzwerk könnte aus bis zu einer Million solarbetriebenen Satelliten bestehen, heißt es in einem Antrag, der am letzten Freitag im Januar bei der US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission eingereicht wurde.
„Die Satelliten werden tatsächlich so weit voneinander entfernt sein, dass es schwierig sein wird, sie voneinander zu unterscheiden. Der Weltraum ist so groß, dass er das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt“, schrieb Musk auf der Plattform X.
Wie die Satelliten des Starlink-Netzes, die Hochgeschwindigkeitsinternet bereitstellen, sollen auch jene orbitaler Rechenzentren in niedrigen Erdorbits in Höhen zwischen 500 und 2.000 Kilometern eingesetzt werden. Nach Angaben von SpaceX könnten solche Datenzentren eine umweltfreundlichere Alternative zu herkömmlichen Anlagen sein, die enorme Energiemengen verbrauchen und große Wassermengen zur Kühlung benötigen.
„Muskonomy”
Die Megafusion von SpaceX und xAI bündelt Musks weitreichendes Geschäftsimperium und Vermögen zu einem enger verzahnten, sich gegenseitig verstärkenden Ökosystem – von einigen Investoren und Analysten informell als „Muskonomy“ bezeichnet.
Zu dem Ökosystem gehören unter anderem Tesla, das Neurotechnologie-Unternehmen Neuralink sowie The Boring Company – ein US-Technologieunternehmen, das seit 2016 unterirdische Tunnel baut, um Verkehrsstaus zu reduzieren und den Stadtverkehr effizienter zu machen.
„Starlink war bereits ein Cashflow-Treiber, erschließt nun zusätzliche Einnahmen aus künstlicher Intelligenz und wird zugleich zu einer Vertriebsplattform für KI-Dienste und -Daten“, sagt Ali Javaheri, Senior Analyst für aufstrebende Märkte beim Analyse- und Datenunternehmen PitchBook.
„Dank regulatorischer Änderungen, die die Nutzung bestimmter Kundendaten zum Trainieren von Modellen ermöglichen, und der Aussicht auf orbitale Rechenzentren präsentiert sich SpaceX als integrierte Infrastrukturplattform für kommerzielle und staatliche Zwecke, was die Investmentstory im Hinblick auf ein mögliches öffentliches Aktienangebot deutlich stärkt“, so Javaheri.
Behörden dürften genauer hinsehen
Der reichste Mann der Welt hat bereits mehrfach Firmen zusammengelegt. Im vergangenen Jahr führte Musk die Social-Media-Plattform X per Aktientausch mit xAI zusammen und verschaffte dem auf künstliche Intelligenz spezialisierten Start-up Zugang zu den Daten sowie den Vertriebsstrukturen der Plattform. Schon 2016 nutzte er Tesla-Aktien, um sein Solarunternehmen SolarCity zu übernehmen.
Die Vereinbarung könnte Aufsichtsbehörden und Investoren mit Blick auf Management, Bewertung und potenzielle Interessenkonflikte auf den Plan rufen. Musk bekleidet in mehreren Unternehmen Führungspositionen, zudem könnte es zu einer Verlagerung von Ingenieuren, proprietären Technologien und Verträgen zwischen den Firmen kommen.
SpaceX verfügt darüber hinaus über milliardenschwere Aufträge der NASA, des Verteidigungsministeriums sowie von US-Nachrichtendiensten. Damit dürfte der Zusammenschluss auch sicherheitspolitische Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
(reuters, bbc, im)