Der Herr der weißen Tiger ist tot: Jörg Haiders Freund Saif al-Islam Gaddafi in Libyen erschossen

Seine weißen Tiger sorgten in Wien für wilde Diskussionen, seine Freundschaft mit Jörg Haider bleibt bis heute in Erinnerung: Saif al-Islam Gadaffi, der Sohn des libyschen Diktators, wurde ermordet.

Jörg Haider und Saif al-Islam Gaddafi beim Wiener Opernball 2002. Foto: Andreas Friess/APA-Images/First Look

Jörg Haider und Saif al-Islam Gaddafi beim Wiener Opernball 2002. Foto: Andreas Friess/APA-Images/First Look

Wien/Zintan. Ein vierköpfiges Kommando hat in Libyen vor wenigen Stunden Muammar al-Gaddafis Sohn Saif al-Islam erschossen. Der vom Internationalen Strafgerichtshof wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesuchte libysche Politiker lebte von 1997 bis 2000 in Wien und sorgte dort für Schlagzeilen.

Saif al-Islam Gaddafi brachte als Student zwei weiße Bengal-Tiger in die österreichische Hauptstadt mit, die zunächst in seiner Villa untergebracht waren. Das verstieß gegen Tierhaltungsvorschriften und sorgte für erhebliches Aufsehen, da der Vorgang als illegaler Import oder unangemessene Haltung exotischer Tiere galt. Nach dem Tod der Tiger, vermutlich um 2011, ließ er sie mumifizieren und nach Libyen überführen.

Ukrainerin starb in Gaddafis Wiener Villa

Bis 2011 hielt sich Saif al-Islam immer wieder für längere Besuche in Wien auf. Auf dem Gelände seiner Villa stürzte im selben Jahr eine 22-jährige Ukrainerin von einem Baum oder aus einem Fenster auf die Terrasse und erlag ihren Verletzungen. Die offizielle Erklärung lautete, sie sei eifersüchtig auf eine „Nachfolgerin“ gewesen und habe versucht, in das Gebäude einzudringen. Die Polizei stellte die Ermittlungen rasch ein, was Spekulationen über eine mögliche Vertuschung sowie über Gaddafis Einfluss auf Österreichs Innenpolitik nährte.

Playboy mit wilden Partys

Gaddafis Sohn war in Wien als „bunter Hund“ bekannt: exzessive Feiern in seiner Villa, begleitet von Gerüchten über Drogen, dazu zahlreiche Prostituierte und extravagante Ausschweifungen. Das passte zu seinem Image als reformorientierter, zugleich aber dekadenter Sohn des Diktators.

Saif al-Islam Gaddafi galt zudem als Freund des damaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider (FPÖ) – die Beziehung sorgte für Skandale rund um mutmaßliche Geldflüsse aus Libyen. So war etwa von „Gratisbenzin für Kärnten“ die Rede. Zudem soll es zu dubiosen Geschäften mit der Hypo Alpe Adria gekommen sein.

Der zweitälteste Sohn des ehemaligen libyschen Diktators Muammar Gaddafi ist nun am Dienstag in seinem Haus in Zintan ermordet worden. Der 53-jährige Politiker, der einst als potenzieller Nachfolger seines Vaters galt, wurde von vier maskierten Bewaffneten erschossen. Sein Anwalt und Berater bezeichnete die Tat als „feigen und verräterischen Anschlag“.

Gadaffis Sohn kämpfte um politisches Comeback

Saif al-Islam Gaddafi war lange Zeit das Gesicht der „modernen“ Seite des Regimes. Als zweiter Sohn von Muammar Gaddafi und dessen zweiter Frau Safia Farkash übernahm er nie ein offizielles Amt, agierte jedoch de facto als Außenminister und PR-Manager seines Vaters. Bekannt war er für seine westlich orientierte Ausbildung sowie für seine Bemühungen, Libyen international zu rehabilitieren – eine Rolle, die ihn in den 2000er-Jahren zu einem häufigen Gast in europäischen Metropolen machte.

Nach dem Sturz und dem Tod seines Vaters im Oktober 2011 wurde Saif al-Islam von Rebellen in der Wüste gefangen genommen. Ein Gericht in Tripolis verurteilte ihn 2015 in Abwesenheit wegen Kriegsverbrechen, darunter Mord und Verfolgung, zum Tode. Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag erließ einen Haftbefehl. Dennoch kam er 2017 frei und verbrachte die folgenden Jahre im Untergrund in Zintan, um Attentaten zu entgehen.

Trotz seiner Vergangenheit versuchte Saif al-Islam in den letzten Jahren ein politisches Comeback. 2021 kündigte er an, für die Präsidentschaftswahlen zu kandidieren, und gründete die Popular Front for the Liberation of Libya (PFLL). Seine Anhänger sahen in ihm einen Garanten für Stabilität und Einheit in dem zerrissenen Land, das seit 2011 von Bürgerkriegen und rivalisierenden Milizen geplagt wird. Kritiker warfen ihm jedoch vor, das Erbe seines Vaters fortzusetzen und für weitere Instabilität zu sorgen.