|   2026-02-04 11:04:22

Druck auf Christen in Bangladesch vor Wahlen

In Bangladesch hat sich der Druck auf Christen im Vorfeld der Parlamentswahlen am 12. Februar deutlich erhöht. Das berichtet das überkonfessionelle Hilfswerk Open Doors. Das südasiatische Land ist stark muslimisch geprägt. Betroffen sind die Christen besonders im Norden des Landes. Sie würden, so das Hilfswerk, hier zunehmend Opfer falscher Anschuldigungen, Drohungen und Einschüchterungen. In zahlreichen Fällen seien Christen dazu aufgefordert worden, ihrem Glauben abzuschwören. Laut Open Doors hätten Polizei und lokale Behörden schon im November des vergangenen Jahres Gemeindeleiter in der Region vor einer aktiven bewaffneten fundamentalistischen Gruppe gewarnt. Diese Warnung bestehe weiterhin.

Ein Großteil der Christen in Bangladesch ist konvertiert. Sie gehörten früher dem Islam oder anderen Religionen an. Neben ihrem christlichen Glauben an sich ist vor allem der Religionswechsel häufiger Anlass für Ablehnung oder Anfeindung im sozialen Umfeld. Dazu gehört auch offene Gewalt.

Hinter den jüngsten Drohungen steckten vor allem lokale islamische Führer, so Open Doors. So habe einer einen missionarisch sehr aktiven Christen aufgefordert, seine Tätigkeiten in diesem Bereich einzustellen und seine Hauskirche zu schließen. Andernfalls müsse er mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen. Als der Christ bei der Polizei Anzeige erstatten wollte, habe von einer eingereichten Beschwerde gegen ihn erfahren. Darin habe ihm der islamischen Anführer „antisoziales Verhalten“ sowie die „Bekehrung von Menschen zum Christentum mit finanziellen Anreizen“ vorgeworfen.

Ein Polizeibeamter riet dem Christen, besonders vorsichtig zu sein. Das Hilfswerk beschreibt, wie in Social-Media-Gruppen Falschmeldungen und christenfeindliche Inhalte verbreitet würden. Unter anderem werde dort behauptet, Menschen würden durch Geldzahlungen zum Christentum „verführt“. In einem nahegelegenen Dorf hätten Mitglieder einer lokalen islamischen Partei mindestens 15 christliche Familien bedroht und dazu aufgefordert, ihrem Glauben abzuschwören. Aus Angst vor Übergriffen seien viele christliche Männer untergetaucht.

Das hat wirtschaftliche Folgen, da die meisten dieser Männer als Tagelöhner arbeiteten, gerieten ihre Familien zunehmend in finanzielle Not. Bangladesch liegt aktuell auf Platz 33 des Weltverfolgungsindexes. Von den rund 176 Millionen Einwohnern des Landes sind 89 Prozent Muslime und neun Prozent Hindus. Christen machen weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus.
(Open Doors/ pw)