Krypto-Absturz belastet Gold – Krisenprophet warnt vor „tödlicher Spirale“

Verluste am Kryptomarkt könnten laut Investor Michael Burry bereits auf Edelmetalle durchgeschlagen haben – nun fürchtet er eine weitere Eskalation.

Rechnet mit Folgen des Krypto-Absturzes für die Edelmetallmärkte: Investor Michael Burry. Foto: Dimitrios Kambouris/Getty Images

Rechnet mit Folgen des Krypto-Absturzes für die Edelmetallmärkte: Investor Michael Burry. Foto: Dimitrios Kambouris/Getty Images

New York. Der derzeitige Einbruch des Bitcoin könnte sich laut dem bekannten Investor Michael Burry, der vor der Finanzkrise 2008 erfolgreich auf fallende Immobilienpreise in den USA gesetzt hatte, noch verschärfen und eine „tödliche Spirale“ auslösen, die vor allem fast 200 börsennotierte Unternehmen treffen könnte, die Bitcoin halten.

Am Dienstag fiel Bitcoin auf den niedrigsten Stand seit Donald Trumps Wahlsieg im November 2024 und gab damit die seither erzielten Kursgewinne wieder ab. Der US-Präsident präsentierte sich vor allem im Wahlkampf als überzeugter Anhänger von Bitcoin und anderen Kryptowährungen.

Sein Amtsantritt löste Euphorie in Erwartung einer Deregulierung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen aus und beflügelte den Preisanstieg deutlich. Seit dem Rekordhoch im November vergangenen Jahres hat Bitcoin jedoch rund 40 Prozent verloren.

Tokenisierte Goldkontrakte gewinnen an Bedeutung

Burry stellt den Einbruch von Bitcoin dem Preisanstieg bei Edelmetallen wie Gold und Silber gegenüber. Die Entwicklung habe aus seiner Sicht offengelegt, dass Bitcoin eine rein spekulative Anlage sei und nicht als Absicherung gegen die inflationsbedingte Entwertung konventioneller Währungen wie des Dollars tauge.

Eine solche Absicherung bieten aus seiner Sicht Gold und Silber: Ihr jüngster rasanter Preisanstieg auf neue Rekordstände spiegle die wachsende Sorge vor einer inflationären Entwertung von Fiatgeld wider.

Die Tatsache, dass Bitcoin als Absicherung gegen Inflation enttäuscht habe, könnte laut Burry zu weiteren Verlusten führen. Er fügte hinzu, dass der Preisverfall von Bitcoin und anderen Kryptowährungen paradoxerweise auch Edelmetalle wie Gold und Silber belaste. Investoren sähen sich gezwungen, profitable Positionen bei Gold- und Silberkontrakten zu schließen, um Verluste auszugleichen.

Tokenisierung des Goldhandels

Terminkontrakte sind Verträge über den Kauf oder Verkauf eines Vermögenswerts zu einem im Voraus festgelegten Preis und einem künftigen Zeitpunkt – hier Gold oder Silber. Sie ermöglichen es, sowohl von steigenden als auch von fallenden Preisen zu profitieren, ohne den zugrunde liegenden Vermögenswert physisch zu besitzen.

Ihre Tokenisierung bedeutet, dass der Kontrakt nicht mehr als klassischer, etwa über einen Makler vermittelter Vertrag vorliegt, sondern als digitaler Token auf einer Blockchain wie Ethereum. Tokenisierte Terminkontrakte können rund um die Uhr gehandelt werden – auch am Wochenende –, da Krypto-Assets permanent verfügbar sind. Zudem verwahrt der Anleger die Token auf einer eigenen Krypto-Wallet, ohne auf einen traditionellen Vermittler angewiesen zu sein.

Tokenisierte Terminkontrakte auf Gold und Silber gewinnen in letzter Zeit deutlich an Bedeutung. Rund 90 Prozent der Marktkapitalisierung tokenisierten Goldes entfallen auf die Tokens Tether Gold und PAX Gold.

Tether Gold gehört zum Unternehmen Tether, dem weltweit größten Emittenten sogenannter Stablecoins – Kryptowährungen, die an staatliche Währungen wie den US-Dollar gebunden sind. Diese Bindung verleiht Stablecoins in der Regel eine geringere Volatilität als Bitcoin oder anderen Kryptowährungen.

Tether zählt zu den größten privaten Besitzern physischen Goldes weltweit, sofern Staaten und Zentralbanken nicht berücksichtigt werden. Das Unternehmen hält rund 140 Tonnen und baut seine Bestände schrittweise aus. Das Edelmetall, das den Tether-Gold-Token absichert, wird in einem hochgesicherten ehemaligen Nuklearbunker in der Schweiz gelagert.

Was Burry übersehen haben könnte

Laut dem amerikanischen Investor Burry, der in den Medien unter dem Spitznamen „Börsenpessimist“ bekannt ist, besteht die Gefahr, dass ein weiterer Preisrückgang von Bitcoin auf etwa 50.000 Dollar einen vollständigen Einbruch des Marktes für tokenisierte Edelmetall-Terminkontrakte wie Tether Gold auslösen könnte. Mining-Unternehmen könnten in die Insolvenz geraten und gezwungen sein, verbundene Positionen in tokenisierten Edelmetallen zu liquidieren.

Burry hält einen derartigen Preisverfall von Bitcoin für wahrscheinlich, da die aktuelle Entwicklung aus seiner Sicht gezeigt habe, dass die Kryptowährung keine Absicherung gegen die inflationäre Entwertung staatlicher Währungen wie des US-Dollars darstelle.

Laut Burry wurden bereits Ende Januar Positionen im Bereich tokenisierter Edelmetalle im Umfang von rund einer Milliarde Dollar geschlossen. Das habe maßgeblich zum außergewöhnlichen Preisrückgang bei physischen Edelmetallen sowie bei klassischen, nicht tokenisierten Terminkontrakten beigetragen. Während sich Gold und Silber rasch von dem Tagesverlust erholt hätten, stehe Bitcoin weiterhin unter Druck.

Es sollte jedoch auch berücksichtigt werden, dass Burry möglicherweise übersehen haben könnte, dass Bitcoin in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker im Preis gestiegen ist als Gold und Silber. Zwischen 2015 und 2024 legte Bitcoin in Dollar um mehrere 10.000 Prozent zu, während Gold und Silber im selben Zeitraum lediglich zweistellige bis niedrige dreistellige Zugewinne verzeichneten.

Damit stellt sich die Frage, ob Bitcoin Anlegern zeitweise als Inflationsabsicherung zu teuer erschien und sie stattdessen zunächst Gold und später aus demselben Grund Silber kauften – weil ihnen erst Bitcoin und anschließend auch Gold überbewertet vorkamen.

Der Text wurde ursprünglich auf der Website lukaskovanda.cz veröffentlicht.