Washington. Das von großer Geheimhaltung begleitete Projekt Golden Dome sieht den Aufbau eines mehrschichtigen Raketenabwehrsystems mit globaler Reichweite vor, das die Vereinigten Staaten vor unterschiedlichsten Bedrohungen schützen soll – von ballistischen Raketen über Hyperschallwaffen bis hin zu Flugkörpern mit flacher Flugbahn. Geplant ist ein eng verzahntes Geflecht aus Satelliten mit hochempfindlichen Sensoren zur Frühwarnung, Abfangsystemen im Weltraum, auf See und an Land sowie möglicherweise auch Technologien der nächsten Generation wie Laserwaffen.
Der Anspruch ist enorm – doch die Umsetzung verläuft bislang schleppend: Ein Jahr nach dem Start der Initiative von Donald Trump sind nur geringe Fortschritte sichtbar. Technische Streitigkeiten und Bedenken hinsichtlich der Weltraumkomponenten bremsen das Vorhaben und halten die Freigabe von mehreren Milliarden Dollar auf. Damit gerät eines der ehrgeizigsten Projekte des US-Präsidenten im Bereich der nationalen Sicherheit ins Stocken.
Ehrgeiziger Zeitplan
Die am 27. Januar 2025 unterzeichnete Durchführungsverordnung zum Aufbau von Golden Dome setzte einen ehrgeizigen Zeitplan: Bis 2028 sollte ein umfassendes Raketenabwehrsystem aufgebaut werden. Ein Jahr später hat das Programm einen Großteil der im vergangenen Sommer zugewiesenen 25 Milliarden Dollar jedoch noch nicht ausgeschöpft, da die zuständigen Stellen weiterhin über zentrale Elemente der Weltraumarchitektur beraten.
Laut zwei amerikanischen Quellen aus dem Umfeld des Projekts dauern die Arbeiten zur Fertigstellung der Architektur des Raketenabwehrschildes noch an, und die umfassende Verwendung der bereitgestellten Mittel hat kaum begonnen. Beamte mit Nähe zum Projekt erklärten, die Gelder stünden bereit, sobald die wichtigsten Entscheidungen getroffen seien. Ein erheblicher Teil könnte bereits in den kommenden Tagen freigegeben werden.
„Die Behörde erfüllt weiterhin die in der Durchführungsverordnung festgelegten Ziele“, teilte ein Vertreter des Pentagon der Nachrichtenagentur Reuters mit. Der Umsetzungsplan und die zugehörigen Technologien könnten sich noch verändern, die grundlegende Architektur stehe jedoch bereits fest – auch wenn sie nicht öffentlich gemacht werde.
Debatte über Waffen im Weltraum
„Golden Dome“ sieht vor, bestehende bodengestützte Verteidigungssysteme wie Flugabwehrraketen, Sensoren sowie Kommando- und Kontrollstrukturen auszubauen und zugleich experimentelle Weltraumkomponenten zu ergänzen, die Bedrohungen aus dem Orbit erkennen, verfolgen und möglicherweise abwehren sollen. Dazu zählen fortschrittliche Satellitennetzwerke sowie umstrittene, in der Umlaufbahn stationierte Waffensysteme.
Einer der Gründe für die Verzögerung des Projekts sei eine interne Debatte über geheime Weltraumsysteme gewesen, sagte einer der Beamten. Eine Quelle aus der Führung der Verteidigungsindustrie erklärte unter der Bedingung der Anonymität, die Diskussion betreffe wahrscheinlich auch die Kommunikationsstandards der Systeme.
Eine weitere Quelle sagte, das Problem könnte in den Antisatellitenkapazitäten liegen, was Fragen nach der Vereinbarkeit solcher Waffen mit dem Raketenabwehrschild aufwirft. Gerade die Vereinigten Staaten hatten sich in der Vergangenheit aus Sorge vor Weltraummüll gegen Antisatellitenwaffen ausgesprochen. So kritisierten sie 2007 China für den Test einer entsprechenden Rakete.
Die Weltraumarchitektur bleibe eine der zentralen offenen Fragen, die noch geklärt werden müssten, bevor Programmdirektor General Michael Guetlein mit der nächsten Phase der Beschaffungsverträge für bestehende Waffensysteme fortfahren könne, hieß es aus Projektkreisen.
Bislang nur wenige Verträge
Im November vergab die US Space Force im Rahmen des Golden-Dome-Projekts rund ein halbes Dutzend kleinerer Aufträge für den Bau konkurrierender Raketenabwehrprototypen, darunter an die Unternehmen Northrop Grumman, True Anomaly, Lockheed Martin und Anduril. Die vergleichsweise niedrig dotierten Verträge markieren die ersten konkreten Schritte in einem Programm, das laut Trump letztlich 175 Milliarden Dollar kosten soll.
Seit Dezember vergangenen Jahres hat nach Angaben von US-Vertretern mindestens eine geheime Besprechung mit Verteidigungsunternehmen zur Architektur des Systems stattgefunden.
Tom Karako, Experte für Waffensicherheit am Center for Strategic and International Studies in Washington, sagte, ein Großteil des vergangenen Jahres sei im Rahmen des Projekts in Sicherheitskontrollen, Personalentscheidungen und die Genehmigung komplexer Pläne geflossen. Er fügte hinzu, Golden Dome werde bis 2028 voraussichtlich nicht vollständig abgeschlossen sein.
„In den nächsten drei Jahren kann viel getan werden, um das, was wir bereits haben, besser zu integrieren, aber es besteht kein Zweifel, dass einige Dinge erst nach 2028 umgesetzt und entwickelt werden", so Karako.
Eine weitere offene Frage im Zusammenhang mit dem Projekt betrifft die mögliche Rolle Grönlands.
Trump hat kürzlich die US-Kontrolle über das dänische Territorium mit der Raketenabwehrinitiative verknüpft und wiederholt erklärt, der Erwerb Grönlands sei für das Projekt „von entscheidender Bedeutung“. Verteidigungsexperten weisen jedoch darauf hin, dass bestehende Vereinbarungen bereits eine Ausweitung militärischer Operationen der USA auf der Insel ermöglichen.
Ein US-Beamter erklärte, Grönland sei selbst kein Teil der geplanten Architektur des Weltraumprojekts.
Russland beobachtet aufmerksam
Die russische Armee verfolge die US-Pläne für den Raketenabwehrschild Golden Dome aufmerksam, auch im Zusammenhang mit Grönland, teilte der Kreml vor wenigen Tagen mit.
„Was für eine Art von Kuppel wird das sein?“, fragte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow im russischen Staatsfernsehen. „Gegen welche Bedrohungen wird sie konzipiert sein? Ich habe keinen Zweifel daran, dass unsere Armee diese Pläne aufmerksam verfolgen und analysieren wird.“
(reuters, im)