Wien. Am Wiener Landesgericht für Strafsachen beginnt am Dienstag, 10. März, ein hochbrisantes Verfahren zur Causa Eurofighter: Drei Angeklagte – ein ehemaliger Manager des Luftfahrtkonzerns EADS (heute Airbus) und zwei Waffenlobbyisten – stehen unter dem Vorwurf der Untreue (§ 153 StGB) vor Gericht.
Den Angeklagten wird vorgeworfen, Schmiergeldzahlungen in Höhe von 90 Millionen Euro zur Abwicklung von Korruptionsgeschäften im Zusammenhang mit dem Eurofighter-Kauf Österreichs im Jahr 2003 organisiert zu haben. Die von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) eingebrachte Anklage ist seit Dezember 2025 rechtskräftig und markiert einen weiteren Höhepunkt der größten Korruptionsaffäre der Zweiten Republik.
Das neue Verfahren dreht sich um die mutmaßliche Einrichtung einer „schwarzen Kasse“ durch das Scheinunternehmen Vector Aerospace LLP in London. Laut Anklageschrift soll der ehemalige EADS-Manager, der bereits 2019 in München zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, als unmittelbarer Täter agiert haben. Die beiden Lobbyisten mit Verbindungen zu internationalen Rüstungskreisen sollen als Mittäter fungiert haben, um Gelder aus dem Konzern abzuschöpfen und für Bestechungszwecke zu nutzen.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) konzentriert sich auf den „Mittelabfluss“ zum Nachteil von EADS, ohne explizit zu benennen, wer die Empfänger der Schmiergelder waren – ein Vorgehen, das mutmaßliche Empfänger in der österreichischen Innenpolitik verschont.
Den drei Angeklagten drohen bis zu zehn Jahren Haft. Ermittlungen zu weiteren Delikten wie Geldwäscherei gegen zwei weitere Beschuldigte laufen parallel.
Der Prozess wirft ein Schlaglicht auf den umstrittenen Kauf von Eurofighter-Typhoon-Kampfjets durch Österreich, der seit über zwei Jahrzehnten von massiven Korruptionsvorwürfen überschattet wird. Die politische Entscheidung für den Kauf fiel im Juli 2002 nach einem turbulenten Ausschreibungsverfahren.
Kaufvertrag 2003 unterzeichnet
Der offizielle Vertrag wurde am 1. Juli 2003 zwischen der Republik Österreich und der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH (damals EADS) unterzeichnet. Ursprünglich waren 18 Flugzeuge der Tranche 2 zu einem Nettopreis von 1,959 Milliarden Euro vorgesehen, inklusive Offset-Verpflichtungen in Höhe von 4 Milliarden Euro (240 Prozent des Anschaffungspreises).
Pro Stück beliefen sich die Kosten damit auf etwa 109 Millionen Euro. Aufgrund politischer Kontroversen kam es 2007 zu einer Nachverhandlung: Die Stückzahl wurde auf 15 reduziert (neun fabrikneue und sechs gebrauchte Maschinen der Tranche 1), und der Gesamtpreis sank nominell auf etwa 1,63 Milliarden Euro – das brachte eine Einsparung von 370 Millionen Euro. Pro Flugzeug ergaben sich damit Kosten von etwa 108 bis 114 Millionen Euro, abhängig von der Kalkulation.
Gesamtkosten von fünf Milliarden Euro
Die Lieferungen begannen mit dem ersten Jet am 12. Juli 2007 in Zeltweg und endeten mit der Übergabe des 15. Flugzeugs am 24. September 2009. Über die geplante Nutzungsdauer von 30 Jahren belaufen sich die Gesamtkosten inklusive Betrieb, Wartung und Infrastruktur laut Schätzungen auf mehr als fünf Milliarden Euro.
Die Affäre hat Österreich politisch und finanziell schwer belastet: Bereits 2012 ermittelte die Staatsanwaltschaft München gegen EADS-Manager, und in Österreich führten drei parlamentarische Untersuchungsausschüsse zu keiner abschließenden Klärung – in der Causa waren der österreichische Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly, der 2013 freigesprochen wurde, sowie ehemalige Minister, darunter auch Karl-Heinz Grasser, involviert.
Airbus gestand 2020 gegenüber US-Behörden unlauteres Verhalten ein, was Forderungen nach Wiedergutmachung nach sich zog. Dennoch wurden Teile der Ermittlungen, etwa zum Betrugsvorwurf, im selben Jahr eingestellt.
Der bevorstehende Prozess könnte gewisse Chancen bieten, doch noch mehr Licht in die Korruptionsvorwürfe zu bringen. Der Vorsitzende Richter Christoph Kraushofer wird den Prozess leiten, der voraussichtlich mehrere Monate dauern dürfte. Die WKStA betont, dass der Fokus auf dem Vorwurf der Untreue liege, während breitere Korruptionsermittlungen gegen rund 60 Beschuldigte weiterlaufen.