Cupertino/Kalifornien. Der iPhone-Hersteller prognostizierte vergangene Woche ein starkes Umsatzwachstum, angetrieben von der Nachfrage nach iPhones. CEO Tim Cook sagte Investoren, er erwarte einen deutlichen Preisanstieg bei Speicherchips, weigerte sich jedoch, Fragen von Analysten zu beantworten, ob Apple darauf mit höheren Preisen reagieren werde.
„Es gibt verschiedene Hebel, die wir betätigen können, und wer weiß, wie erfolgreich sie sein werden, aber es gibt nur wenige Optionen“, sagte Cook nach der Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse.
Der CEO äußerte sich nicht dazu, ob der weltweite Chipmangel Apple die Chance biete, seinen Marktanteil mit iPhones und Macs auszubauen. Möglich wäre das, sollte der Konzern die Preise stabil halten, während Wettbewerber mit größeren Lieferengpässen kämpften.
Analysten gehen davon aus, dass Apple trotz der Knappheit über gut ausgebaute Beziehungen zu langjährigen Zulieferern wie Samsung Electronics, SK Hynix oder Micron verfügt. Damit könne sich der Konzern im Gegensatz zu kleineren Smartphone-Herstellern eine ausreichende Versorgung mit Speicherchips für die iPhone-Produktion sichern.
Der rasche Aufbau einer KI-Infrastruktur durch Technologieunternehmen wie Meta, Google und Microsoft hat einen Großteil des Angebots an Speicherchips absorbiert und zu einem Preisanstieg geführt, da Hersteller Komponenten für Rechenzentren mit höheren Margen gegenüber Verbrauchergeräten bevorzugen. Speicherchips, auch DRAM genannt, sind ein besonders schneller Kurzzeitspeicher, auf den Geräte laufend zugreifen, damit Anwendungen stabil und ohne Verzögerung funktionieren. Für Smartphones sind sie von entscheidender Bedeutung, da sie den reibungslosen Betrieb energieintensiver Anwendungen ermöglichen.
Marktrückgang erwartet
Die Entscheidung von Apple könnte weitreichende Folgen haben. Schätzungen zufolge lag das Unternehmen im vergangenen Jahr mit einem Anstieg der Auslieferungen um fast zehn Prozent an der Spitze des globalen Smartphone-Markts.
Behält Apple seine Preise bei, während kleinere Wettbewerber sie erhöhen, dürften iPhones – wie von Analysten erwartet – attraktiver werden. Hebt Apple die Preise an, könnten Wettbewerber nachziehen.
„Das ist derzeit die größte Frage für die Branche“, sagte Nabila Popal, Forschungsleiterin beim IT-Analyseunternehmen IDC. „Es ist ein zweischneidiges Schwert, denn wenn Apple die Preise nicht erhöht, hilft das zwar, den Marktanteil zu steigern, beunruhigt aber zugleich die Investoren.“
Nach Angaben von IDC wird erwartet, dass der Speicherchipmangel, mit dem Wettbewerber zu kämpfen haben, in diesem Jahr zum ersten Rückgang des globalen Smartphone-Markts seit 2023 führen dürfte.

Womit rechnen die globalen Hersteller?
Qualcomm, ein weltweit führender Hersteller von Prozessoren für Smartphones und Hauptlieferant für High-End-Android-Geräte, schürte die Befürchtungen am Mittwoch mit einer Prognose, die hinter den Erwartungen der Wall Street zurückblieb. Als Grund verwies das Unternehmen darauf, dass Kunden aus der Mobiltelefonbranche mit einem Mangel an Speicherchips zu kämpfen hätten.
Finanzvorstand Akash Palkhiwala erklärte, wichtige Kunden in China verfügten trotz starker Nachfrage nicht über ausreichend Speicherchips für die Herstellung von Mobiltelefonen.
„Wir haben beobachtet, dass mehrere Hersteller, die Komponenten oder Fertigprodukte vor allem in China an andere Marken liefern, Maßnahmen ergriffen haben, um ihre Produktionspläne für Mobiltelefone und ihre Lagerbestände in den Vertriebskanälen zu reduzieren“, sagte Palkhiwala.
Während der Telefonkonferenz von Qualcomm verwiesen Analysten erneut auf Apple. „Es scheint, dass sie weiterhin einen überproportionalen Anteil des verfügbaren DRAM erhalten werden“, sagte Ben Reitzes von Melius Research.
Ein erfahrener Manager aus der Smartphone-Branche, der wegen der sensiblen Lieferfragen anonym bleiben wollte, sagte, Hersteller von Android-Smartphones verfolgten aufmerksam, ob Apple die Preise erhöhen werde. Einige Investoren des Unternehmens halten das für wahrscheinlich.
Auch Maßnahmen von Samsung dürften die Situation beeinflussen. Analysten gehen davon aus, dass die Handysparte des südkoreanischen Unternehmens steigende Speicherpreise auffangen könnte, da sie ihre Chips aus einer anderen Konzernsparte bezieht.
„Wir beobachten Apple und Samsung“, sagte Gadjo Sevilla, Analyst bei eMarketer. „Wenn sie ihre Preise erhöhen, wird auch die Obergrenze angehoben, und andere Hersteller werden wahrscheinlich ebenfalls ihre Preise anpassen müssen.“
(Stephen Nellis, Aditya Soni, Reuters)