Washington. Das US-Justizministerium hat Ende Januar mehr als dreieinhalb Millionen Seiten mit Unterlagen zum Fall des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht. Darunter befinden sich rund 2.000 Videos und 180.000 Fotos. Die Dokumente geben auch Einblick in ein internationales Netzwerk von Kontakten – darunter mehrere Verbindungen nach Russland.
In den freigegebenen Akten werden unter anderem der russische Präsident Wladimir Putin, der ehemalige stellvertretende Minister für wirtschaftliche Entwicklung Sergej Beljakow sowie der Ideologe der eurasischen Bewegung, Alexander Dugin, erwähnt. Hinweise auf persönliche Treffen mit Putin ergeben sich daraus jedoch nicht. Allein die Nennung eines Namens belegt zudem keine Verbindung zu strafbaren Handlungen.

Kontakte nach Russland
In der jüngsten Dokumentenreihe findet sich auch eine Spur zu einer russischen Spezialeinheit. Als Epstein 2011 ein Visum für Russland beantragte, gab er in dem Feld für die einladende „russische Einrichtung oder Organisation“ die internationale Organisation Vympel an. Wie die Exilzeitung Novaya Gazeta Europe unter Berufung auf die freigegebenen Unterlagen berichtet, soll der frühere FSB-Agent Sergej Beljakow beim Einladungsschreiben unterstützt haben.
Vympel ist ein Veteranenverband der gleichnamigen Antiterroreinheit des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Investigative Journalisten des Dossier Center haben umfangreiches Material über Beljakow veröffentlicht, das auf weitere Kontakte Epsteins nach Russland hindeuten könnte.
Beljakow half den Dokumenten zufolge auch Epsteins Assistentin Svetlana Pozidajewa, bekannt als Lana, bei der Beantragung eines US-Visums. Sie soll dazu beigetragen haben, „Kontakte zwischen westlichen Wirtschaftsführern und russischen Behörden“ zu knüpfen. Erstmals wurde sie im Dezember 2010 in Epsteins Residenz fotografiert – zeitgleich mit dem britischen Prinzen Andrew.
Nach seiner Ernennung zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums bemühte sich Beljakow demnach um eine Einladung Epsteins sowie des Filmregisseurs Woody Allen und des israelischen Politikers Ehud Barak. Letzterer nahm schließlich an dem Forum teil.

Russische Frauen in den Unterlagen
Der stellvertretende Generalstaatsanwalt Todd Blanche erklärte, dass das US-Justizministerium (DOJ) bei der Veröffentlichung der Dokumente nicht versucht habe, den amtierenden Präsidenten oder andere Personen außer den mutmaßlichen Opfern Epsteins zu schützen. Die Dokumente sind auf der Website des DOJ sowie teilweise auf weiteren Plattformen verfügbar.
Allerdings wurden auf freigegebenen Fotos die Gesichter von Epstein und Donald Trump teilweise unkenntlich gemacht, während Namen und Gesichter mehrerer Betroffener sichtbar blieben. Das Vorgehen löste Kritik aus und wirft Fragen zum Umgang mit sensiblen Daten auf.
Neue Aufmerksamkeit erhält auch der Tod des aus Kasachstan stammenden Supermodels Ruslana Korshunova. Sie kam im Sommer 2008 in New York ums Leben; Ermittler stuften den Fall als Suizid ein. In ihrem Blut fanden sich keine Drogen, zudem hinterließ sie keinen Abschiedsbrief. Bereits vor zwei Jahren wurde berichtet, das Model sei 2006 mit einem wohlhabenden Verehrer auf Epsteins Insel geflogen. Ein Zusammenhang mit ihrem Tod ergibt sich aus den veröffentlichten Unterlagen jedoch nicht.
Aus den Dokumenten geht außerdem hervor, dass russische Frauen auf der Insel besonders gefragt waren. Der Unternehmer Sultan Ahmed bin Sulajem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten soll laut einer Gesprächsnotiz am 13. Juni 2013 erklärt haben, er könne es kaum erwarten, „eine 100-prozentige russische Frau zu probieren”.
Bin Sulajem ist Vorstandsvorsitzender des weltweit tätigen Hafen- und Logistikunternehmens DP World. Die ukrainische Antikorruptionsbehörde setzte das Unternehmen 2023 zeitweise auf eine Liste von Firmen, denen vorgeworfen wurde, die russische Invasion durch Umgehung von Sanktionen zu unterstützen.
Ein prominenter Gesprächspartner
Auch ein Austausch zwischen Jeffrey Epstein und dem ehemaligen israelischen Premierminister Ehud Barak findet sich in den freigegebenen Unterlagen des US-Justizministeriums. In einer dort enthaltenen Gesprächsaufzeichnung sagte Barak demnach: „Wir sollten die Tore für eine Massenkonversion zum Judentum öffnen. Wir werden Bedingungen schaffen, damit sich vor allem die zweite Generation unter dem gesellschaftlichen Druck anpasst. Wir können leicht eine weitere Million aufnehmen. Ich habe Putin immer gesagt, dass wir nur eine weitere Million Menschen in Israel brauchen. Das wird die Dinge dramatisch verändern, diese Million Russen. Viele werden das begrüßen, und es werden viele junge, hübsche russische Mädchen kommen.“
Eine Antwort Epsteins ist in den bislang veröffentlichten Materialien nicht dokumentiert.