EU nimmt Meta wegen WhatsApp ins Visier

Die EU geht kartellrechtlich gegen Meta vor. Auslöser ist der Verdacht, dass der Konzern rivalisierende KI-Anbieter von WhatsApp ausschließt und damit den Wettbewerb verzerrt.

Symbolfoto. Foto: Justin Sullivan/Getty Images

Symbolfoto. Foto: Justin Sullivan/Getty Images

Brüssel. Die EU-Wettbewerbsbehörden drohen Meta mit vorläufigen Maßnahmen, falls der Konzern weiterhin konkurrierende KI-Anbieter von WhatsApp fernhält. Seit dem 15. Januar ist auf dem Dienst ausschließlich der konzerneigene Assistent Meta AI zugelassen.

Die Europäische Kommission erklärte am Montag, sie habe Meta eine Mitteilung der Beschwerdepunkte wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung übermittelt und prüfe ein rasches Eingreifen zum Schutz des Wettbewerbs.

„Deshalb erwägen wir ein schnelles Vorgehen gegen Meta, um den Zugang der Wettbewerber zu WhatsApp während der laufenden Untersuchung aufrechtzuerhalten“, betonte EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera.

Kein zentraler Vertriebsweg für KI-Chatbots

Meta weist die Vorwürfe zurück und sieht keinen Anlass für ein Eingreifen der EU. Nach Angaben des Unternehmens stehen den Nutzern ausreichend alternative Möglichkeiten zur Verfügung, künstliche Intelligenz über Anwendungen, Geräte oder Webdienste zu nutzen.

„Die Logik der Kommission geht fälschlicherweise davon aus, dass die Software-Schnittstelle WhatsApp Business API ein wichtiger Vertriebskanal für diese Chatbots ist“, heißt es in einer Stellungnahme.

Über vorläufige Maßnahmen will die Kommission erst nach Metas formeller Stellungnahme im Verfahren entscheiden.

Der Fall knüpft an ähnliche Schritte der italienischen Regulierungsbehörde an. In Brasilien hingegen setzte ein Gericht im vergangenen Monat entsprechende Maßnahmen gegen Meta in derselben Angelegenheit aus.

Strengere Regeln

Ende Januar stufte die Europäische Kommission WhatsApp gemäß dem Digital Services Act (DSA) offiziell als sehr große Online-Plattform (VLOP) ein. Damit muss der Dienst strengere Vorgaben im Umgang mit illegalen und schädlichen Inhalten erfüllen.

Nach Angaben der Kommission verzeichnete WhatsApp im ersten Halbjahr 2025 durchschnittlich 51,7 Millionen aktive Nutzer pro Monat in der EU und überschritt damit deutlich die gesetzliche Schwelle von 45 Millionen. Plattformen oberhalb dieser Grenze sind verpflichtet, zusätzliche Maßnahmen zum Schutz des digitalen Raums und der Nutzer zu ergreifen.

Zu den bereits als VLOP eingestuften Diensten zählen Facebook und Instagram (Meta), YouTube (Google), TikTok, Temu sowie LinkedIn (Microsoft). WhatsApp hat nun bis Mitte Mai 2026 rund vier Monate Zeit, die neuen Anforderungen umzusetzen.

Der Digital Services Act soll die Transparenz erhöhen, die Verbreitung von Falschinformationen begrenzen und die Verantwortung großer Plattformen gegenüber ihren Nutzern stärken. Kritiker bezeichnen das Regelwerk hingegen als Zensurgesetz, das digitale Plattformen weitreichend kontrolliere, ihnen Vorgaben im Umgang mit Nutzern mache und sie verpflichte, Inhalte zu überwachen sowie im Zweifel zu löschen. Darin liege ein erheblicher Eingriff in die Meinungsfreiheit.

(reuters, max)