Nach den Spielen kommt die Rechnung

Während die Sportwelt auf die Olympischen Winterspiele blickt, rechnen Ökonomen bereits nach. Erfahrung und Studien legen nahe, dass auf Italiens Steuerzahler erhebliche Kosten zukommen.

Die Olympischen Winterspiele bringen sportlichen Glanz – und milliardenschwere Verpflichtungen. Foto: Tomáš Baršváry/Gemini

Die Olympischen Winterspiele bringen sportlichen Glanz – und milliardenschwere Verpflichtungen. Foto: Tomáš Baršváry/Gemini

Mailand/Cortina d’Ampezzo. Mitten in den laufenden Olympischen Winterspielen richtet sich der Blick längst nicht mehr nur auf Medaillen, sondern auch auf die milliardenschwere Rechnung des Großereignisses.

Die ursprünglichen Pläne sind eine Sache, die Realität eine andere. Das Betriebsbudget der Spiele wird zwar auf rund zwei Milliarden Dollar geschätzt, doch die Summe bildet nur die Spitze des Eisbergs. Die Gesamtkosten einschließlich umfangreicher Infrastrukturinvestitionen belaufen sich aktuellen Schätzungen zufolge auf etwa sieben Milliarden Dollar, wovon rund 63 Prozent aus öffentlichen Mitteln stammen.

Auch wenn die Organisatoren betonen, dass sie 92 Prozent bestehender oder temporärer Sportstätten genutzt haben, mahnt der Blick auf frühere Winterspiele zur Vorsicht. Die durchschnittliche Budgetüberschreitung bei Winterspielen beträgt schwindelerregende 156 Prozent. Hinzu kommt der Inflationsdruck in Italien, der die Kosten für Schlüsselprojekte wie den Umbau der Bobbahn in Cortina oder den Bau von Eishallen erhöht.

Befürworter der Spiele verweisen häufig auf sogenannte Multiplikatoreffekte – also auf die Erwartung, dass jeder in die Infrastruktur investierte Euro zusätzliche Einnahmen im Tourismus und im Dienstleistungssektor auslöst. Nach einigen Analysen könnten die Spiele der italienischen Wirtschaft langfristig bis zu 5,3 Milliarden Euro einbringen.

Verdrängungseffekte durch die Spiele

Akademische Studien dämpfen den Optimismus. Sie verweisen auf den „Verdrängungseffekt“: Während Fans anreisen, meiden viele reguläre Touristen überteuerte und überfüllte Reiseziele.

Untersuchungen zu den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin zeigen darüber hinaus, dass der Tourismus in der Region zwar zunahm, zugleich jedoch auch die städtische Pro-Kopf-Verschuldung deutlich stieg, ohne dass sich zentrale Indikatoren wie Arbeitslosigkeit oder reales BIP wesentlich verbesserten.

Turin zählt heute auch wegen der Spiele vor zwei Jahrzehnten zu den am höchsten verschuldeten Städten Italiens. Wer 20 Jahre für eine lange Zeit hält, sollte bedenken, dass Rom seine Schulden aus den Olympischen Sommerspielen 1960 noch vor relativ kurzer Zeit abbezahlt hat.

Das Urteil vieler Wissenschaftler fällt eindeutig aus: Die meisten unabhängigen Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen Olympischer Spiele entweder nahe null liegen oder deutlich hinter den Prognosen zurückbleiben.

Wer wirklich profitiert

Der eigentliche Gewinner ist selten die Gastgeberstadt. Während das Internationale Olympische Komitee Milliarden durch Übertragungsrechte und Sponsoring einnimmt, bleiben die Kosten für die Instandhaltung der „weißen Elefanten“, also Sportstätten, die nach den Spielen kaum noch genutzt werden, bei den Kommunen.

Die Ausrichtung der Spiele ist häufig auch eine Frage des Nationalstolzes und politischen Marketings – verbunden mit dem Bau von Denkmälern für amtierende Politiker auf Kosten der Steuerzahler. Zudem fließen öffentliche Mittel nicht selten an politisch gut vernetzte Unternehmen, etwa in der Bauwirtschaft.

Für den durchschnittlichen Steuerzahler gleicht die Teilnahme einem „Eintritt“ in einen prestigeträchtigen Club, der sich finanziell kaum je auszahlt. Die eigentlichen Verlierer sind daher die öffentlichen Haushalte der Austragungsorte, die oft noch Jahre nach dem Erlöschen des olympischen Feuers mit den Schulden kämpfen.

Der Text wurde ursprünglich auf der Website lukaskovanda.cz veröffentlicht.