65 Prozent der Deutschen sehen die USA als Bedrohung für den Weltfrieden

Stimmungsumschwung in Deutschland: Laut aktuellem Sicherheitsreport halten fast zwei Drittel der Bevölkerung die Vereinigten Staaten für eine Bedrohung des Weltfriedens. 2024 sah das nur ein Viertel so.

Trump-Kritiker versammeln sich in Berlin. Foto:  Carsten Koall/Getty Images

Trump-Kritiker versammeln sich in Berlin. Foto: Carsten Koall/Getty Images

Berlin. In einer Zeit geopolitischer Spannungen hat sich das Vertrauen der Deutschen in ihren wichtigsten transatlantischen Partner dramatisch gewandelt: Laut dem Sicherheitsreport 2026, erstellt vom Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Centrums für Strategie und Höhere Führung (GLH), betrachten nun zwei Drittel der Bevölkerung, also 65 Prozent, die Vereinigten Staaten als eine der größten Gefahren für den Weltfrieden.

Der Wert belegt eine dramatische Entwicklung: Im Vorjahr lagen die Bedenken noch bei 46 Prozent, 2024 sogar bei nur 24 Prozent. Die Wiederwahl Donald Trumps und seine isolationistische Politik gelten als Hauptgründe für den Umschwung, der das transatlantische Bündnis auf die Probe stellt. Der seit 2011 jährlich erscheinende Report basiert auf einer repräsentativen Umfrage mit 1.077 persönlichen Interviews, die zwischen dem 6. und 19. Januar 2026 geführt wurden.

Die Friedengefährder Quelle: IfD Allensbach
Die Friedengefährder - aus der aktuellen Studie; (Quelle: IfD Allensbach)

Die Studie beleuchtet neben der Wahrnehmung externer Bedrohungen auch das allgemeine Sicherheitsgefühl in Deutschland, das weiter gesunken ist: Nur noch 55 Prozent der Befragten fühlen sich insgesamt sicher – ein Rückgang um fünf Prozentpunkte gegenüber 2025 und ein deutlicher Kontrast zu fast 75 Prozent im Jahr 2019.

Besonders alarmierend ist, dass sich zwei Drittel der Befragten, also 69 Prozent, um eine mögliche Beteiligung Deutschlands an militärischen Konflikten sorgen. Darin spiegeln sich auch die wachsenden Ängste vor einer Eskalation in der Ukraine oder anderen Krisenherden.

Neben den USA rangieren Russland und China weit oben in der Bedrohungswahrnehmung. 78 Prozent der Deutschen sehen in den USA ein großes Risiko für die eigene Wirtschaft, ein Anstieg gegenüber 66 Prozent im Vorjahr. China wird von 83 Prozent als wirtschaftliches und geopolitisches Risiko eingestuft, während Russland trotz des Ukraine-Kriegs mit 50 Prozent hinter die USA zurückfällt.

Auch das Vertrauen in die NATO schwindet: Nur 32 Prozent glauben, dass die USA im Ernstfall militärische Hilfe leisten würden. Das Vertrauen in die Allianz insgesamt, einen russischen Angriff abzuwehren, liegt bei lediglich 42 Prozent - ein Rückgang um 14 Prozentpunkte.

Professor Klaus Schweinsberg, Mitinitiator des Reports, kommentiert dazu: „Das Vertrauen der Deutschen in die NATO ist schlagartig eingebrochen. Auf die Unterstützung durch die USA im Bündnisfall hofft nur noch eine Minderheit.“

Ähnlich formuliert es Professorin Renate Köcher vom Allensbach-Institut: „Der überwältigenden Mehrheit ist mittlerweile bewusst, wie angreifbar ein Land durch Attacken auf die kritische Infrastruktur ist.“

Tatsächlich nennen 71 Prozent Cyberattacken auf die Infrastruktur als größte Bedrohung. 24 Prozent fühlen sich persönlich von einem Stromausfall bedroht - ein Anstieg ums Vierfache innerhalb von fünf Jahren.

Die aktuell größten Sorgen der Bevölkerung Quelle: IfD
Die aktuell größten Sorgen der Bevölkerung; (Quelle: IfD)

Auch die Massenmigration bleibt ein Brennpunkt: 61 Prozent finden, dass zu viele Ausländer in Deutschland leben, gegenüber 58 Prozent im Jahr 2025. In der Rangliste der größten Sorgen der Deutschen belegt die Angst vor weiteren Asylwellen mit 57 Prozent Platz sechs.

Köcher betont: „Viele Bürger haben durchaus registriert, dass wesentlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Aber das Unbehagen über die weitgehend ungesteuerte Migration der vergangenen Jahre ist nach wie vor groß.“

Wirtschaftlich sinken die Inflationsängste auf unter 50 Prozent, während die Furcht vor Arbeitslosigkeit von elf auf 18 Prozent steigt.

Der Report fordert eine entschlossenere Politik: 56 Prozent vertrauen auf Fortschritte bei der Ausrüstung der Bundeswehr, und 72 Prozent unterstützen ein Pflichtjahr für Schulabgänger, ob militärisch oder zivil. Klaus Schweinsberg kritisiert: „Vor dem Hintergrund einer grundsätzlich positiven Haltung der Deutschen zu Wehrpflicht oder einem verpflichtenden Dienstjahr ist es völlig unverständlich, warum die Politik hier keine klaren Entscheidungen trifft.“