Keine politischen Statements - IOC verbietet Helm mit Bildern von Kriegsopfern bei Olympia

Das Internationale Olympische Komitee lehnte den Antrag von Vladyslav Heraskevych unter Verweis auf das Verbot politischer Äußerungen ab. Als Kompromiss gestattete es ihm, ein schwarzes Armband zu tragen.

Vladyslav Heraskevych. Foto: Athit Perawongmetha/Reuters

Vladyslav Heraskevych. Foto: Athit Perawongmetha/Reuters

Mailand. Ein ukrainischer Sportler darf bei den Skeleton-Wettbewerben der Olympischen Winterspiele seinen Helm nicht tragen, mit dem er den Opfern des Krieges mit Russland gedenken wollte. Das hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Dienstag entschieden.

Der 27-jährige Vladyslav Heraskevych, der bereits bei den Olympischen Spielen in Peking 2022 kurz vor der russischen Invasion mit der Aufschrift „Nein zum Krieg in der Ukraine” auftrat, trainierte in Italien mit einem Helm, auf dem getötete ukrainische Sportler abgebildet waren. Er bezeichnete die Entscheidung des IOC als ungerecht.

Der ukrainische Sportler Vladyslav Heraskevych; Foto: Cristiano Corvino/Reuters

Ausnahmegenehmigung als Kompromiss-Lösung

Das Olympische Komitee erklärte, dass der Sportler den Helm während des Trainings getragen habe und seine Haltung auch in den sozialen Netzwerken zum Ausdruck gebracht habe, ein Tragen des Helms bei den Wettkämpfen sei jedoch nicht möglich, um die Politikfreiheit der Sportwettkämpfe zu wahren.

„Wir haben versucht, seinem Wunsch mit Verständnis zu begegnen“, sagte IOC-Sprecher Mark Adams auf einer Pressekonferenz. „Das Olympische Komitee versteht voll und ganz den Wunsch der Sportler, ihre Freunde zu ehren, die in diesem Konflikt ihr Leben verloren haben.“

Gemäß Regel 50 Punkt 2 der Olympischen Charta sind in Sportstätten und auf Podien keine Demonstrationen oder Äußerungen politischer, religiöser oder rassistischer Art erlaubt, obwohl sich die Athleten außerhalb davon frei äußern dürfen.

„Die Spiele müssen von allen Formen der Einmischung getrennt sein, damit sich die Athleten auf ihre Leistung konzentrieren können. Wir versuchen, diesen Moment so rein wie möglich für den Wettbewerb selbst zu halten“, fügte Adams hinzu. „Dieser Helm verstößt gegen die Richtlinien, aber wir machen eine Ausnahme und erlauben ihm, während des Wettbewerbs ein schwarzes Band am Ärmel als Erinnerung zu tragen. Wir halten dies für einen vernünftigen Kompromiss“, erklärte er.

Vladyslav Heraskevyč beim Training in der Bobbahn; Foto: Annegret Hilse/Reuters

Heraskevyč bezeichnete die Entscheidung als ungerecht

Heraskevyč zeigte sich unzufrieden, dass sein Antrag abgelehnt wurde. „Das ist eine unfaire Behandlung“, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich sehe darin keinen Verstoß gegen Regel 50. Es handelt sich weder um Diskriminierung noch um politische Propaganda.“

Weitere Skeleton-Trainings sind für Dienstag geplant, der Wettkampf selbst beginnt am Donnerstag.

Der Helm zeigt mehrere Sportler, die im Krieg ums Leben gekommen sind und auch einige Freunde von Heraskevych. Darunter sind die Gewichtheberin Alina Perehudova, der Boxer Pavlo Ischenko, der Eishockeyspieler Oleksij Loginov, der Schauspieler und Sportler Ivan Kononenko, der Turmspringer und Trainer Mykyta Kozubenko, der Schütze Oleksij Habarov und die Tänzerin Darja Kurdelova.

Der Gedenkhelm mit den gezeichneten Portraits der gefallenen Freunde des Sportlers; Foto: Cristiano Corvino/Reuters

Nach der Invasion im Jahr 2022 wurden Sportler aus Russland und seinem Verbündeten Weißrussland weitgehend aus dem internationalen Sport ausgeschlossen, doch später unterstützte das IOC ihre schrittweise Rückkehr unter strengen Auflagen.

(reuters, lud)