Neuer Korruptions-Index: Österreich verbessert sich um zwei Plätze

Etwas bessere Werte für Österreich im aktuellen Korruptionsindex von Transparency International: Trotz eines Aufstiegs um zwei Plätze liegt die Republik noch immer elf Ränge hinter dem Ergebnis von 2005.

Korruptionsindex 2025 von Transparency International: Österreich verbessert sich leicht, bleibt jedoch hinter früheren Platzierungen zurück. Foto: Statement/Midjourney

Korruptionsindex 2025 von Transparency International: Österreich verbessert sich leicht, bleibt jedoch hinter früheren Platzierungen zurück. Foto: Statement/Midjourney

Wien. Trotz des Kriminalfalls Benko, des Prozesses gegen den ÖVP-Klubobmann August Wöginger und der politischen Debatten um den Todesfall von Sektionschef Christian Pilnacek hat sich Österreich im weltweiten Korruptionswahrnehmungsindex 2025 von Transparency International von Platz 23 auf Platz 21 verbessert. Allerdings: Vor zehn Jahren lag Österreich noch auf Platz 16, vor 20 Jahren auf Rang 10. Die Kriterien der Bewertung sind nicht ganz nachvollziehbar.

Laut der aktuellen Studie erreicht die Republik 74 Punkte bei 182 erfassten Staaten – gegenüber dem Vorjahr bedeutet das zwar eine Verbesserung um zwei Plätze, doch im längerfristigen Trend zeigt sich kein allzu positives Bild: Während Österreich in den vergangenen Jahren relativ schlechte Bewertungen erhielt, stabilisiert sich das Ergebnis nun auf mittlerem Niveau unter den westlichen Demokratien.

Der Corruption Perceptions Index (CPI) von Transparency International gilt als einer der wichtigsten internationalen Vergleichsmaßstäbe für die wahrgenommene Korruption in Politik und öffentlicher Verwaltung. Die Skala reicht von 0 bis 100 Punkten: 0 steht für eine sehr hohe Wahrnehmung von Korruption, 100 für ein besonders hohes Maß an Integrität. Mit 74 Punkten liegt Österreich über dem globalen Durchschnitt, der laut aktueller Studie nur noch 42 Punkte beträgt. Gleichzeitig bleibt das Land jedoch deutlich hinter den „saubersten“ Nationen zurück und hat gegenüber früheren Jahren an Boden verloren.

Transparency International das neue Ranking 2025, Grafik
Transparency International - das neue Ranking 2025; (Grafik: TI)

Vor allem im Vergleich mit Nordeuropa wird der Abstand sichtbar: Dänemark führt das Ranking mit 89 Punkten bereits zum achten Mal in Folge an, gefolgt von Finnland, Singapur, Neuseeland, Norwegen und Schweden. Auch die Schweiz liegt mit 82 Punkten auf Rang sechs klar vor Österreich. Die Niederlande, Luxemburg und Deutschland schneiden ebenfalls besser ab. Deutschland erreicht 77 Punkte und liegt damit auf Platz zehn, wobei Transparency International auch die Regierung in Berlin vor langfristigen Rückschritten warnt.

Selbst nach Ibiza-Skandal lag Österreich noch auf Rang 15

Die Entwicklung Österreichs über die vergangenen zehn Jahre zeigt, dass das Land zwar weiterhin als relativ korruptionsarm gilt, aber nicht zu den globalen Spitzenreitern zählt. Im internationalen Vergleich bewegt sich Österreich im oberen Mittelfeld der westlichen Industrienationen. Der Vergleich mit Daten aus früheren Studien zeigt jedoch einen besorgniserregenden Abstieg: Vor 20 Jahren lag die Republik noch auf Platz 10, 2025 auf Rang 16, und selbst nach Auffliegen des Ibiza-Skandals mit Hausdurchsuchungen und zahlreichen Anklagen kam Österreich im Jahr 2020 noch auf Rang 15.

Transparency International verweist darauf, dass stabile Institutionen, eine funktionierende Justiz und ein freier Mediensektor wichtige Faktoren für die Bewertung sind. Gleichzeitig betont die Organisation, dass auch etablierte Demokratien anfällig für Rückschritte bleiben, wenn Kontrollmechanismen geschwächt oder Transparenzregeln gelockert werden.

USA fallen um einen Rang zurück

Im europäischen Kontext fällt vor allem der Vergleich mit Ungarn auf. Mit 40 Punkten liegt das Land nur auf Platz 84 und weist den schlechtesten Wert innerhalb der Europäischen Union auf. Transparency International kritisiert dort eine Erosion der Rechtsstaatlichkeit und unabhängiger Kontrollinstitutionen. Auch große Demokratien wie die Vereinigten Staaten schneiden schlechter ab als in früheren Jahren. Die USA erreichen 64 Punkte und fallen auf Rang 29 zurück – der niedrigste Wert seit Beginn der Messungen. Großbritannien liegt nach politischen Skandalen und Kritik an Transparenzregeln nur auf Platz 20.

Der globale Trend ist laut Transparency International besorgniserregend: Der Durchschnittswert des Index ist auf 42 Punkte gesunken – so niedrig wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Während vor einem Jahrzehnt noch zwölf Länder über 80 Punkte erreichten, sind es heute nur noch fünf. Selbst Staaten mit stabilen Institutionen geraten unter Druck, wenn unabhängige Medien, Gerichte oder Kontrollbehörden geschwächt werden. In solchen Fällen steigt das Risiko von Vetternwirtschaft, Machtmissbrauch und mangelnder Rechenschaftspflicht.

Für Österreich ist auch das aktuelle Ergebnis eine Warnung: Einerseits zeigt die leichte Verbesserung im Ranking, dass das Land weiterhin über relativ stabile Kontrollstrukturen verfügt, andererseits bleibt der Abstand zu den Spitzenländern groß - strukturelle Reformen wie mehr Transparenz bei großen öffentlichen Projekten, Lobbying-Regeln oder der Parteienfinanzierung werden seit Jahren angemahnt. Transparency International betont, dass langfristige Fortschritte nur durch konsequente Reformen, klare Transparenzvorschriften und unabhängige Kontrollinstanzen möglich sind.

Wie die NGO zu ihren Daten kommt

Der CPI basiert auf den Einschätzungen von Experten, Unternehmern und internationalen Organisationen und misst nicht einzelne Korruptionsfälle, sondern die allgemeine Wahrnehmung von Integrität im öffentlichen Sektor. Der Index gilt als wichtiger Indikator für das Vertrauen in staatliche Institutionen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Die Angaben zur Datenerhebung können eine gewisse Kritik an möglichen politischen Motiven und einem Zweifel an reiner Objektivität bei der Erstellung des Rankings nicht vollständig entkräften. Hier die Datenquellen, die laut Transparency International zur Erstellung des Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) herangezogen werden und insbesondere folgende Erscheinungsformen von Korruption im öffentlichen Sektor erfassen: etwa den Zugang zu Informationen über öffentliche Angelegenheiten und Regierungstätigkeiten, Bestechungsfälle, die Veruntreuung öffentlicher Gelder sowie Amtsträger, die ihre öffentliche Position für private Vorteile nutzen, ohne dafür Konsequenzen zu tragen, ebenso die Fähigkeit von Regierungen, Korruption im öffentlichen Sektor einzudämmen.

Bewertet wird auch übermäßige Bürokratie im öffentlichen Sektor, die Korruptionsmöglichkeiten erhöhen kann; außerdem spielen nepotistische Besetzungen im öffentlichen Dienst eine Rolle. Zusätzlich fließen das Vorhandensein von Gesetzen, die sicherstellen, dass Amtsträger ihre Finanzen und mögliche Interessenkonflikte offenlegen müssen, ebenso der rechtliche Schutz für Personen, die Bestechung und Korruption melden, sowie die Vereinnahmung des Staates durch enge Interessengruppen („State Capture“) in die Bewertung ein.

Die zusätzlich verwendeten Quellen für das Ranking

Folgende 13 Quellen verschiedenster Institutionen lieferten Daten für das aktuelle Ranking: die African Development Bank Country Policy and Institutional Assessment 2023 (AFDB), die Bertelsmann Stiftung Sustainable Governance Indicators 2024 (SGI) sowie der Transformation Index 2026 (STI), der Economist Intelligence Unit Country Risk Service 2025 (EIU), Freedom House Nations in Transit 2024 (FH), S&P Global Insights Business Conditions and Risk Indicators 2024 (GI), das IMD World Competitiveness Yearbook 2025 (IMD), die Political and Economic Risk Consultancy 2025 (PERC), The PRS Group International Country Risk Guide 2025 (PRS), die World Bank Country Policy and Institutional Assessment 2024 (WB), die World Economic Forum Executive Opinion Survey 2025 (WEF), das World Justice Project Rule of Law Index 2025 (WJP) sowie das Varieties of Democracy Project 2025 (VDEM).

Transparency International - das Ranking, Grafik: TI
Transparency International: Corruption Perceptions Index 2025 - alle Nationen; (Grafik: TI)