NATO: Kein bedeutender Abzug der Amerikaner aus Europa

Die Ergebnisse der aktuellen Sitzung der NATO-Verteidigungsminister signalisieren keine „signifikanten“ Schritte der USA aus Europa heraus. US-Kriegsminister Hegseth blieb der Sitzung jedoch erneut fern.

Das illustrative Foto wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Foto:Joe Raedle/Getty Images/Gemini

Das illustrative Foto wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Foto:Joe Raedle/Getty Images/Gemini

Brüssel. Beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister im Hauptquartier des Bündnisses in Brüssel haben Vertreter des US-Kriegsministeriums ihren europäischen Partnern versichert, dass ein möglicher Truppenabzug aus Europa nur schrittweise erfolgen werde.

Sieben namentlich nicht genannte Vertreter europäischer Regierungen erklärten, die „Signale“ aus dem Pentagon deuteten „nicht auf einen bedeutenden Abzug hin – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt“.

„Diese Regierung hat erkannt, dass ein stabiles Europa auch für sie wichtig ist“, sagte einer der Informanten. Damit widersprach er frühere Aussagen, wonach die Regierung von Donald Trump einen „massiven“ Abzug der Streitkräfte aus Europa plane.

Stattdessen wird das Pentagon einige gezielte Änderungen vornehmen. Neben dem Abzug kleinerer Kontingente sollen weitere Einheiten zwischen den Stützpunkten rotieren. Der Großteil von Personal und Material wird somit in Europa verbleiben.

USA machen sich rar

An der Sitzung der Verteidigungsminister der NATO am Donnerstag nahm der US-Kriegsminister Pete Hegseth erneut nicht teil. Vertreten wurde er von Elbridge Colby, Direktor für strategische Planung, der erklärte, das Bündnis müsse „auf Partnerschaft und nicht auf Abhängigkeit“ beruhen.

Das Portal Politico wertete die erneute Nichtteilnahme des Pentagon-Chefs als „verächtliche Geste“ gegenüber den europäischen Verbündeten. Auch US-Außenminister Marco Rubio blieb dem Treffen der Außenminister fern. Umso gespannter wird nun seine Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz erwartet, die am Freitag beginnt.

Ein umfangreicher Abzug amerikanischer Soldaten ist auch aus innenpolitischen Gründen auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Der US-Kongress verabschiedete im vergangenen Jahr ein Gesetz zum Verteidigungshaushalt, das eine Mindestpräsenz von 76.000 amerikanischen Soldaten in Europa festschreibt. Nach Angaben von Politico sind derzeit rund 85.000 US-Soldaten auf dem Kontinent stationiert.

In Bereichen wie der Stationierung von Soldaten, Luftwaffenstützpunkten und Ausbildungsstätten, die von den Vereinigten Staaten in Europa betrieben werden, bleibt in den meisten Fällen „alles beim Alten“, sagte ein NATO-Vertreter. Lediglich der Einsatz von rund 200 amerikanischen Soldaten wird schrittweise beendet. Anschließend sollen sie durch europäische oder kanadische Kräfte ersetzt werden.