New York. Weder der amerikanische noch andere Märkte zeigen derzeit eine klare Richtung. An einem Tag herrscht Euphorie, am nächsten Ernüchterung. Das Verhalten wirkt widersprüchlich und sprunghaft. Für Anleger ist es in einer solchen Lage wenig sinnvoll, sich auf tägliche Ausschläge zu fixieren. Stattdessen empfiehlt es sich, Abstand zu gewinnen und das Gesamtbild in den Blick zu nehmen.
Was sagt uns der Markt also tatsächlich?
Hohe Volatilität im Technologiesektor
Seit einiger Zeit ist im Technologieindex Nasdaq eine hohe Volatilität zu beobachten. Investoren sind nicht mehr uneingeschränkt überzeugt, dass sich die Investitionen in Rechenzentren, die allein in diesem Jahr mehr als 700 Milliarden Dollar betragen sollen, tatsächlich auszahlen.
Der Bau solcher Zentren wird zudem durch einen Mangel an Speichermodulen erschwert, was zwei Folgen hat: Die Preise steigen deutlich und treiben die Investitionskosten nach oben, zugleich verlängern sich die Projektlaufzeiten.
Das könnte dazu führen, dass auch 2027 ein Jahr außergewöhnlich hoher Investitionen in Rechenzentren bleibt. Zuvor war man davon ausgegangen, dass die Ausgaben bereits im kommenden Jahr zurückgehen und große Unternehmen endlich Gewinne erzielen würden.
Eine Ausnahme bilden die Aktien von Meta, die von Investoren wohlwollend aufgenommen wurden. Der Grund ist einfach: Das Unternehmen setzt künstliche Intelligenz bereits ein, um Inhalte im Feed präzise auf Nutzerprofile zuzuschneiden und dadurch zusätzliche Werbung zu verkaufen.
Darin liegt das Paradoxe der aktuellen Entwicklung rund um künstliche Intelligenz. Besonders geschätzt wird weiterhin ein etabliertes Geschäftsmodell, bei dem die Technologie weniger der Erweiterung menschlicher Fähigkeiten dient als vielmehr dazu, Nutzer länger an eher oberflächliche Inhalte zu binden.

Genau diese Zweifel führen dazu, dass der Technologieindex stagniert. Zugleich legt der Dow-Jones-Index zu. Er umfasst große, eher defensive Unternehmen. Investoren ziehen sich damit aus riskanteren Anlagen zurück und suchen Stabilität.
Wenn defensive Werte an Dynamik gewinnen, ist das häufig ein Signal dafür, dass ein kräftiger Aufwärtstrend an sein Ende kommt. Setzt sich die Entwicklung in den kommenden Wochen fort, spricht das für eine deutlich gestiegene Vorsicht unter Anlegern. Untermauert wird die Einschätzung durch den Kursrückgang bei Bitcoin. Er kann sowohl als Hinweis auf den Beginn eines Bärenmarktes als auch als Ausdruck sinkender Risikobereitschaft gewertet werden.
Überraschende Zahlen vom amerikanischen Arbeitsmarkt
Die Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten wurde wegen des Shutdowns um eine Woche verschoben. Das Ergebnis überraschte. Die Arbeitslosenquote in den USA sank im Januar 2026 von 4,4 auf 4,3 Prozent. Düsteren Szenarien über einen massiven Einzug künstlicher Intelligenz in den Arbeitsmarkt fehlt damit bislang die Bestätigung.
Im Gegenteil zeigt sich, dass neben dem BIP-Wachstum auch die Arbeitslosenquote einen weiteren Unterschied zwischen den USA und Europa markieren könnte. Die neuesten Daten deuten darauf hin, dass die Arbeitslosigkeit in Europa wieder anzuziehen beginnt. In Frankreich stieg sie im vierten Quartal 2025 von 7,7 auf 7,9 Prozent. In der Tschechischen Republik lag die Quote im Januar bei über 5 Prozent, konkret bei 5,1 Prozent. Ein so hohes Niveau wurde zuletzt vor neun Jahren erreicht. Es bleibt die Frage, ob es sich lediglich um eine saisonale Schwankung oder bereits um eine Trendwende handelt.

Donald Trump hat erneut betont, wie erfolgreich sein Kampf gegen die Arbeitslosigkeit sei. An den Märkten dominiert jedoch seit einiger Zeit die Logik, dass gute Konjunkturdaten schlecht für Aktien sind, weil sie den Spielraum für Zinssenkungen durch die US-Notenbank verringern.
Die Inflation liegt weiterhin über dem Zielwert von zwei Prozent, weshalb die Märkte auf höhere Arbeitslosenzahlen gehofft hatten, die der Fed eine Zinssenkung erleichtert hätten. Stattdessen ist die Quote weiter gesunken.
Aus rein makroökonomischer Sicht gibt es damit keinen zwingenden Grund für niedrigere Zinsen. Trump sieht das anders: Die US-Wirtschaft laufe auf Hochtouren und verdiene seiner Ansicht nach die niedrigsten Finanzierungskosten.
Kevin Warshs Mission an die Spitze der Fed dürfte daher besonders aufmerksam verfolgt werden. Sollte er, wie angekündigt, strikt datenabhängig entscheiden, stünde er vor einer äußerst schwierigen Aufgabe.
Zwei unterschiedliche Entwicklungen in der Automobilindustrie
In den vergangenen Tagen lieferte die Börse zwei stark kontrastierende Entwicklungen. Der Automobilkonzern Stellantis meldete im Zuge seiner jüngsten Geschäftszahlen eine Abschreibung von mehr als 22 Milliarden Euro.
Die Wertberichtigung steht vor allem im Zusammenhang mit Investitionen in die Produktion von Elektroautos, die sich bislang als äußerst kostspielig erwiesen haben. Die Unternehmensleitung stellt nun in Aussicht, dass sich die Kundennachfrage im Laufe des Jahres 2026 wieder erholen könnte.
Damit gewinnt eine zentrale These der Kritiker von Elektroautos an Gewicht: die bislang zu schwache Nachfrage. Allerdings spielt auch der hohe Preis eine entscheidende Rolle, der viele potenzielle Käufer abschreckt.
Kunden von Stellantis suchen vor allem erschwingliche, zuverlässige und robuste Fahrzeuge. Die strategische Neuausrichtung des Konzerns dürfte jedoch Zeit in Anspruch nehmen, ein Jahr wird dafür kaum ausreichen. Stellantis setzte außerdem die Dividende aus und schloss das Jahr 2025 mit einem Verlust ab. Die Aktie verlor an einem einzigen Handelstag weitere 24 Prozent.

Der Luxusautohersteller Ferrari steht wie große Teile der Branche unter Druck. Hauptgrund ist die Sorge vor den Auswirkungen der US-Zölle und möglichen weiteren Erhöhungen.
Zum Kursrückgang im Jahr 2026 dürfte auch die Entscheidung beigetragen haben, ein Elektroauto unter der traditionsreichen Marke auf den Markt zu bringen. Ob Ferrari in dem derzeit schwierigen Segment erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten.
Wohlhabende Kunden entschieden sich bislang nicht zuletzt wegen des charakteristischen Sounds des Verbrennungsmotors für einen Ferrari – ein Merkmal, das bei einem Elektroauto entfällt. Das Modell soll den Namen Ferrari Luce tragen. Das Interieur wurde vom Kreativstudio LoveFrom entworfen, gegründet vom ehemaligen Apple-Chefdesigner Jony Ive. Die Innenausstattung dürfte zwar höchsten Ansprüchen genügen, offen bleibt jedoch, ob der Ferrari Luce auch kommerziell überzeugen kann.

Gleichzeitig bestätigen die jüngsten Geschäftszahlen die operative Stärke des Konzerns. Im vierten Quartal erzielte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn von 2,14 Euro je Aktie bei einem Umsatzplus von vier Prozent auf 1,8 Milliarden Euro im Jahresvergleich und übertraf damit die Analystenschätzungen deutlich. Für das laufende Jahr erwartet Ferrari einen Umsatz von 7,5 Milliarden Euro sowie eine bereinigte operative Marge von mehr als 29,5 Prozent.
Der Markt für Luxusautos erweist sich damit selbst in turbulenten Zeiten als bemerkenswert stabil. Möglicherweise zeigt sich gerade in einer Ära künstlicher Intelligenz und technologischer Umbrüche, dass Segmente wie echter Luxus und starke Marken weit weniger anfällig für elektrische oder digitale Revolutionen sind als der Massenmarkt.