Russisches Unternehmen testet erfolgreich Spionage-Tauben als "Bio-Drohnen"

Brieftaube war gestern - heute können Tauben dank neuester implementierter Chips in ihrem Flug gesteuert und somit als Bio-Drohnen genutzt werden. Sie sind weniger auffällig und vielseitig einsetzbar.

Illustrationsfoto. Foto: Statement/Midjourney

Illustrationsfoto. Foto: Statement/Midjourney

Moskau. Zum Jahreswechsel 2026 testete das russische Unternehmen Neiry erfolgreich eine revolutionäre neue Gehirnschnittstelle, mit der es den Flug von Tauben steuern kann. Diese folgten den direkt an ihr Gehirn gesendeten Befehlen, bogen nach rechts oder links ab und kehrten nach einigen Stunden zur Basis zurück.

Neben dem Gerät, das Signale an das „Kontrollzentrum“ überträgt, haben die Tauben eine Kamera auf der Brust befestigt, was sie im Grunde genommen zu Biodrohnen macht. Wie die britische Tageszeitung Times berichtete, wurden die Tests bisher von keinem anderen Unternehmen erfolgreic wiederholt, aber theoretisch könnten diese modifizierten Vögel „für militärische Spionagezwecke angepasst” werden.

„Im Gegensatz zu herkömmlichen Drohnen müssen biologische Träger keine Batterien austauschen und nicht häufig landen. Dank ihres natürlichen Flugverhaltens eignen sie sich für lange Strecken – bis zu 400 Kilometer ohne Tagesstopps“, zitierte die britische Wochenzeitung Week eine Stellungnahme des Unternehmens Neiry.

Von Menschen zu Kühen – alle haben Chips im Gehirn

Der Sinn des sogenannten Projekts PJN-1 [die Aussprache ähnelt dem englischen Wort „pigeon“ – Taube, Anm. d. Red.] besteht laut Gründer und Direktor Alexander Panov darin, Vögeln neuronale Chips in das Gehirn zu implantieren, die jenen ähneln, die das Unternehmen des amerikanischen Milliardärs Elon Musk, Neuralink, ebenfalls und am Menschen verwendet. Im Januar 2024 ermöglichte Neuralink dem querschnittsgelähmten Noland Arbaugh zum ersten Mal, Schach zu spielen – obwohl er vom Hals abwärts gelähmt ist.

„Derzeit konzentrieren wir uns auf Tauben, aber je nach Umgebung oder Fracht können auch andere Vogelarten eingesetzt werden“, sagte Panov und fügte hinzu: „Für den Transport schwererer Fracht planen wir den Einsatz von Raben.“

Biodrohnen haben gegenüber mechanischen Geräten mehrere Vorteile. Obwohl herkömmliche Drohnen leichter zu steuern sind, größere Lasten transportieren können und weder essen noch ihre Notdurft verrichten müssen, sind Vögel in der Natur weit verbreitet und eignen sich daher besser für Spionagezwecke. Ein Mensch bemerkt eher eine Drohne als „noch eine Taube“ am Himmel.

Laut Bericht der Times ist Panov seinen Konkurrenten aus den USA und China voraus, die zwar erfolgreich eine Gehirn-Chip-Schnittstelle zur Steuerung von Vögeln getestet haben, aber im Gegensatz zum Moskauer Unternehmen noch nicht in die Phase der „Massenproduktion“ übergegangen sind. Neiry hat die neuronalen Chips angeblich auch bereits an Ratten und Kühen getestet, und zwar in Zusammenarbeit mit der Firma NeuroFarming.

Chinesische Wissenschaftler hatten im vergangenen Jahr eine ähnliche Schnittstelle zur Steuerung von Bienen eingesetzt. Durch den Einsatz von „ultraleichten Steuerungen“ waren sie in der Lage, den Flug der Insekten zu lenken, wobei sie ursprünglich nur die Bestäubung von Pfalenzen als Anwendungsbereich angekündigt hatten. Lässt sich eine Biene jedoch erst einmal steuern, kann sie für allerlei Zwecke gebraucht werden.

Russische FInanzierung und ideologische Ziele

Die Times deckte jedoch auch eine Verbindung zwischen dem russischen Unternehmen Neiry und Katerina Tichonowa, auf, von der man vermutet, dass sie eine Tochter des russischen Präsidenten Wladimir Putin ist. Laut dem russischen Exilportal T-Invariant erhielt das Unternehmen Fördermittel „in einer Höhe, wie sie die russische Neurowissenschaft noch nie gesehen hat“.

Zu den finanziellen Unterstützern von Neiry gehören der staatliche Fonds Nationale Technologieinitiative (NTI), zu dem auch das Programm NeuroNet gehört, der Technologie-Investmentfonds Voschod des Oligarchen Wladimir Potanin sowie das Institut für künstliche Intelligenz der Staatlichen Universität Moskau, das von Tichonowa geleitet wird.

Der Leiter der Forschung zu „invasiven neuronalen Schnittstellen“ an diesem Institut war laut Times an Experimenten an Ratten beteiligt, und auch andere aus dem Staatshaushalt finanzierte Forscher sollen an diesen revolutionären Versuchen beteiligt sein. Tichonowa leitet auch den Forschungsfonds Innopraktika, der seit langem vom Kreml unterstützt wird.

Panovs erklärtes Ziel ist es, eine neue Evolutionsstufe der Menschheit zu schaffen, die er in seinem Blog als „Homo superior“ bezeichnet. Er hat wiederholt angedeutet, dass er seine Technologien nach dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges zum „Umprogrammieren“ der Ukrainer einsetzen will.

„Selbst wenn nur fünf bis sieben Millionen nützliche Menschen in der Ukraine übrig bleiben, können sie genauso wie die meisten anderen Menschen umprogrammiert werden, und das ist viel billiger, als einen Menschen unserer eigenen Kultur zu schaffen und zu erziehen”, schrieb er.

Die Tageszeitung Telegraph erinnerte daran, dass einer der Investoren von Neiry auch der staatliche Direktinvestitionsfonds ist, dessen Direktor Kirill Dmitrijev einer der führenden Verhandlungsführer mit den Amerikanern im Krieg mit der Ukraine ist.