Neuer Rekord in Wien: 40,5 Prozent der Neugeborenen sind keine Österreicher

Nie zuvor wurden so viele Kinder ohne einheimische Staatsbürgerschaft geboren. In Wien beträgt die Quote bereits 40,5 Prozent der Neugeborenen. Eine Verdopplung der Zahlen in nur 20 Jahren.

Immer mehr Neugeborene haben keine österreichische Staatsbürgerschaft; Foto: Krystyna Cherkashyna / Getty Images

Immer mehr Neugeborene haben keine österreichische Staatsbürgerschaft; Foto: Krystyna Cherkashyna / Getty Images

Theorien über einen vermeintlichen "Bevölkerungsaustausch" im Zuge der Migrationspolitik werden regelmäßig in den Bereich "rechter" Hetze einsortiert oder gleich als Verschwörungstheorie abgehandelt. Die gerade vorgelegten Zahlen aus dem Jahr 2024 von Statistik Austria untermauern allerdings einen Langzeittrend zu immer mehr Neugeborenen mit ausländischer Staatsbürgerschaft.

In manchen Wiener Bezirken mit traditionell hohem Ausländeranteil in der Bevölkerungsstruktur ist das Verhältnis bei den Geburten inzwischen sogar komplett gekippt. In Favoriten, Rudolfsheim-Fünfhaus und Ottakring sind neugeborene österreichische Babys bereits in der Minderheit, die Geburten von Kindern ohne einheimische Staatsangehörigkeit hat dort die 50-Prozent-Marke überschritten.

Die Auswirkungen in der Zukunft liegen auf der Hand: Der Migrationsanteil in der Bevölkerung wird sich weiter erhöhen, in den Schulen werden österreichische Kinder auf lange Sicht das Nachsehen haben. Auf Politik und Gesellschaft kommen deutlich höhere Kosten für Integration und Bildung zu. Das gilt vor allem für die größeren Städte, macht aber vor den ländlichen Regionen nicht Halt, wie die Zahlen von Statistik Austria zeigen.

Asylanträge
Der Anteil nicht-österreichischer Babys an Geburten in den einzelnen Bundesländern. Foto: Statistik Austria

Die Migrationsforscherin Judith Kohlenberger von der Wirtschaftsuniversität Wien sieht ein weiteres Problem auf die Gesellschaft zukommen: Für sie ist die Entwicklung bei den Geburten auch "demokratiepolitisch bedenklich", wie sie gegenüber dem ORF sagte. "Man muss sich irgendwann, gerade in Wien, die Frage stellen: Wie stark ist eigentlich noch die Legitimation der gewählten Volksvertreter, wenn ein immer größer werdender Anteil - in manchen Bezirken über 50 Prozent der Bevölkerung im wahlfähigen Alter - nicht wahlberechtigt ist?“

Ihr Lösungsvorschlag schlägt politisch hohe Wellen. Kohlenberger plädiert dafür, Neugeborenen von gut integrierten ausländischen Eltern schon mit der Geburt die österreichische Staatsangehörigkeit zu verleihen. Politiker aller Parteien haben derartige Vorschläge bislang unisono abgelehnt udn das mit gutem Grund. Hat das Kind erst einmal eine deutsche Staatsbürgerschaft, kann man die Eltern faktisch nicht mehr des Landes verweisen, man schafft damit die Option der sogenannter "Ankerkinder" die einer ganze Familie inklusive Geschwisterkindern einen Aufenthaltsstatus in Österreich garantieren würden. Der Missbrauch solcher Regelungen ist offensichtlich.

Der immer größere Anteil ausländischer Babys in Österreich ist aber auch durch die Geburtenentwicklung insgesamt verursacht. Niemals seit der statistischen Erfassungen wurden in Österreich weniger Kinder geboren als im abgelaufenen Jahr 2025: Es waren nur 77.238 - nochmals 370 weniger als im bislang schwächsten Jahr 2024. Nur vier Jahre zuvor waren es noch über 83.000 Neugeborene.

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Die Österreicherinnen bringen im Durchschnitt nur noch 1,22 Kinder zur Welt, ausländische Mütter dagegen im Durchschnitt 1,58. Der Anteil nicht-österreichischer Mädchen und Jungen an den Gesamtgeburten wird sich also allein schon durch diese unterschiedlichen Fertilitätsraten vergrößern.

Die größte Geburtstagsfeier geht am 1. Januar über die Bühne

Während die meisten Neugeborenen ohne österreichische Staatsbürgerschaft ihren ersten Geburtstag irgendwann im Laufe des kommenden Jahres 2026 feiern werden, haben allerdings Hunderttausende von Neuankömmlingen in Deutschland und Österreich bereits am 1. Januar amtlichen Geburtstag - Es handelt sich dabei um all jene Migranten, die ohne Papiere eingereist sind und deren Identität entsprechend nicht gesichert festgestellt werden konnte.

Wenn sie keine entsprechenden Dokumente vorlegen oder maximal ihr Geburtsjahr angeben können, wird ihr Geburtstag von Amts wegen jeweils auf den 1. Januar festgelegt. In Deutschland betrifft dies jährlich gut 400.000 Asylbewerber. Vor fünf Jahren waren es exakt 416.420, wie Die Welt in einer Analyse berichtete. Damals verzeichnete die Bundesrepublik allein rund 123.000 "Neujahrskinder" aus Syrien, 60.000 aus Afghanistan und 85.000 aus der Türkei. Die deutsche Bundesregierung legte 2019 Statistiken vor, wonach jeder zweite erwachsene Asylbewerber (49 Prozent) keinerlei Papiere vorlegen konnte. Bei MIgranten aus afrikanischen Herkunftsländern wie Nigeria und Somalia betrifft dies 95 Prozent, bei den Afghanen 76 Prozent aller Migranten.

Am 1. Januar haben in Deutschland also dreimal so viele Menschen Geburtstag wie an jedem anderen gewöhnlichen Tag. Laut Ausländerzentralregister wird für 476.560 Migranten der 1. Januar als Geburtsdatum geführt. Zum Vergleich: Nur 191.000 der 80 Millionen Deutschen haben am Neujahrstag Geburtstag.

Für Österreich gibt es nur Schätzungen. Etwa jeder fünfte Asylwerber soll amtlich am 1. Januar Geburtstag haben. Seit der großen Flüchtlingswelle 2015 hatten 456.397 Migranten zwischen Bodensee und Neusiedler See einen Asylantrag gestellt (siehe Grafik). Bei 20 Prozent Anteil ergibt dies für diesen Zeitraum etwa 91.200 "Neujahrskinder".

Anzahl Asylanträge
Gesamtzahl der Asylanträge in Österreich seit der Flüchtlingswelle 2015. Foto: Statista Austria

Die Festlegung ist eine behördliche Standardisierung, um überhaupt Statistiken führen zu können. Relevant ist der genaue Geburtstag beispielsweise bei der Frage nach der Volljährigkeit von Geflüchteten. In einigen Kulturen werden die tatsächlichen Geburtstage gar nicht registriert, sondern nur das Geburtsjahr. In Afghanistan beispielsweise haben ganze Familien am 1. Januar Geburtstag, weil dies vor Ort bei der ersten staatlichen Registrierung so festgelegt wurde.