Zwei Frauen demonstrieren in Salzburg, wie ÖVP und FPÖ stabil regieren können - die Blaupause für Österreich?

Im Bundesland Salzburg bestimmen mit Karoline Edtstadler (ÖVP) und Marlene Svazek (FPÖ) zwei Politikerinnen die Marschrichtung und gewinnen gemeinsam an Zustimmung. Entsteht hier das Zukunftsmodell Österreichs?

Karoline Edtstadler (links) und ihre Vize Marlene Svazek. Foto: APA Images, Franz Neumayr

Karoline Edtstadler (links) und ihre Vize Marlene Svazek. Foto: APA Images, Franz Neumayr

Karoline Edtstadler kennt in Salzburg jeder – Marlene Svazek sowieso. Der Bekanntheitsgrad der ÖVP-Frontfrau Edtstadler liegt aktuell laut Umfrage bei 95 Prozent, 60 Prozent vertrauen der früheren Ministerin. Die gerne auch mal polarisierende Marlene Svazek von den Freiheitlichen schafft es im Bundesland auf 96 Prozent Bekanntheit, ihr vertrauen 56 Prozent der Bevölkerung. Werte, von denen so manche Politiker auf Bundeseben nur träumen können. Die beiden Politikerinnen liefern sich hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das wohl erst bei der nächsten Landtagswahl im April 2028 dann mit dem Wahlergebnis entschieden werden wird.

Natürlich könnte man die beiden Landesparteichefinnen aus Salzburg als härteste Konkurrentinnen betrachten. Die beiden liegen mit ihren Parteien in der Gunst der Wähler eng beieinander - mit derzeit vier Prozent Vorsprung für die ÖVP-Frau. Die ehemalige Kanzleramtsministerin Edtstadler hat auf Bundeseben große Erfahrung in Sachen Führung gesammelt unter den Regierungschefs Kurz, Schallenberg und Nehammer und übernahm erst Anfang 2025 die Parteiführung und am 2. Juli 2025 die Regierungsgeschäfte in Salzburg als Nachfolgerin für den langjährigen Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Sie baute die Partei um und schwenkte auf einen harten Sparkurs in Sachen Kultur und Soziales ein, inklusive einer geplanten Streichung des Pflegebonus als bisher härtester Maßnahme, die gar zu Demonstrationen und Petitionen in Salzburg führte.

Man kann die beiden Frauen aber auch als Erfolgsduo bezeichnen, dass konstruktiv gemeinsam regiert anstatt sich gegenseitig zu bekämpfen. In der Debatte um den Pflegebonus blieb Edtstadler eisern – sie konnte es auch deswegen, weil sie ihre Stellvertreterin Marlene Svazek von den FPÖ an ihrer Seite wusste.

Das hoch verschuldete Bundesland muss und will künftig jeden Cent zweimal umdrehen und rechnet im aktuellen Jahr dennoch mit einer Neuverschuldung von 386 Millionen Euro. Die Regierung kündigte einen Stellenabbau in der öffentlichen Verwaltung an, will auf jede 3. Planstelle verzichten, der Pflegebonus soll ganz gestrichen werden. „Ich habe nicht zum Ziel, von allen geliebt zu werden. Ich möchte das Land in schwierigen Zeiten mit sicherer Hand, aber auch mit Klarheit führen." Es sei notwendig, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen und sie auch durchzuhalten, das würde sich am Ende für alle auszahlen, verteidigte Edtstadler ihre harte Hand.

Die Koalitionspartnerin Marlene Svazek sekundierte: Die Streichung des Pflegebonus heiße nicht, dass das Geld woanders hinfließe. Das Geld aus dem Pflegefonds könne man gar nicht anders verwenden. "Es ist zweckgewidmet für die Pflege und genau da wird es auch in den Einrichtungen ankommen", so die Vize-Landeshauptfrau. Als Kompromiss wurde die komplette Streichung auf den Sommer verschoben.

Spitzenwerte bei Bekanntheit für beide Politikerinnen

Die hohen Beliebtheitswerte der beiden Politikerinnen stammen aus einer aktuellen Umfrage der Gesellschaft für Marketing und Kommunikation (GMK) Graz. Das Ergebnis unterm Strich bei aller öffentlichen Kritik an der schwarz-blauen Landesregierung: Beide Koalitionspartner können an Zuspruch in der Bevölkerung weiter zulegen, sowohl ÖVP als auch FPÖ schneiden im Vergleich zum Wahlergebnis von 2023 besser ab.

Von den Befragten würden aktuell 33 Prozent die ÖVP wählen. Bei der vergangenen Landtagswahl gewann die Volkspartei einst mit 30,4 Prozent. Die FPÖ konnte im Vergleich zur Landtagswahl mit einem Plus von 3,3 Prozentpunkten auf 29 Prozent zulegen und amit sogar noch mehr Prozentpunkte dazu gewinnen. Die beiden verfügen im Landesparlament Salzburg über eine äußerst stabile Mehrheit – und müssen nicht auch noch Rücksicht auf einen dritten Koalitionspartner nehmen.

Das ist der große Unterschied zu Kanzler Christian Stocker und seiner ÖVP im Bund. Salzburg-Chefin Karoline Edtstadler weiß das und sieht in dem schwierigen Wiener Dreierbündnis auch den Grund für das Umfragetief der Bundesregierung: "Ich glaube, die Leute erwarten sich einfach, dass etwas weitergeht im Sinne von Reformen. Und die Leute erwarten sich in Zeiten wie diesen auch einen kühlen Kopf, eine ruhige Hand." Christian Stocker bringe das mit und sie hoffe, dass das auch in der Bevölkerung ankomme, denn das sei keine Selbstverständlichkeit in einer Dreier-Koalition, wo so unterschiedliche Meinungen und intensiv ausgeprägte Persönlichkeiten aufeinanderträfen.

Pragmatismus statt Dauerwahlkampf

"Ich bin froh, dass ich nicht in dieser Situation bin", betonte Karoline Edtstadler gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Auf die Frage zum Unterschied ihrer Politik zur FPÖ betont sie eher die Gemeinsamkeiten. Es gebe sehr wohl Unterschiede, aber sie wolle das jetzt nicht hervorheben, "weil ich das Gemeinsame vor das Trennende stellen muss." Natürlich sei sie nicht blauäugig, bei der Wahl müsse sich dann jeder verkaufen, warum er selbst und nicht der andere gewählt werden soll: "Aber die Phase haben wir noch nicht." Pragmatismus pur – und vielleicht eine Blaupause für ganz Österreich? Am Wiener Ballhausplatz sollte der Wink mit dem Zaunpfahl jedenfalls verstanden worden sein.

Auch Marlene Svazek setzte seit Beginn der "Dirndlkoaltion" auf Pragmatismus: Es gehe darum, rational an die Dinge heranzugehen und für das Wohl der Salzburger das Land anzuführen. Insofern werden sich die Freiheitlichen nicht gegen Edtstadler aussprechen, sondern die Personalentscheidung der ÖVP billigen, sagte die Parteichefin bereits zu Edtstadlers Amtsantritt.

Leben und leben lassen - es ist das eigentliche Erfolgsrezept der Salzburger Regierungsparteien: Trotz aller Vorbehalte winkten sie sich beispielsweise gegenseitig ihre Wunsch-Personalien durch: Der gelernte Journalist Wolfgang Fürweger (54) wurde neuer Soziallandesrat für die FPÖ, der unerfahrene Maximilian Aigner (25) gar der neue Agrarlandesrat für die ÖVP. Das Grummeln der Kritiker verflüchtigte sich hinter vorgehaltener Hand.

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Die Konkurrenz scheint chancenlos zu sein

Svazek kann Edtstadler zwar (noch) nicht überholen, doch in Stein gemeißelt scheint die aktuelle Reihenfolge der Spitzenpolitikerinnen nicht. Jedenfalls kommt die Konkurrenz an keiner der beiden auf absehbare Zeit vorbei. Die SPÖ steht derzeit im Salzburgerland nur bei 17 Prozent. Die Umfrage wurde allerdings vor Bekanntgabe des neuen Parteichefs Peter Eder durchgeführt. Die kommunistische KPÖ Plus in Salzburg stürzte im Vergleich zur Landtagswahl (11,7 Prozent) nach dem Abgang von Kay-Michael Dankl in die Landeshauptstadt auf sieben Prozent ab. Die Grünen liegen in der aktuellen Umfrage stabil bei acht Prozent.

Die Zukunft im Salzburgerland wird also auf lange Sicht ein Bündnis aus ÖVP und FPÖ regieren können und das mit steigenden Umfragewerten, es bleibt nur die Frage, ob die ÖVP ihren Spitzenplatz halten kann, oder ob die Freiheitlichen - wie auf Bundeseben - an der Volkspartei vorbeiziehen werden udn die nächste Landeshauptfrau dann Marlene Svazek heißt.