Neue Jugendstudie zeigt: Größte Sorge junger Österreicher gilt Preiserhöhungen

Teuerung, Kriege und Kriminalität: Diese drei Themen belasten Österreichs junge Generation am meisten. Und: Die Bedeutung des Glaubens, der Religion nahm um 20 Prozentpunkte zu.

Junge Österreicher blicken sorgenvoll in die Zukunft. Grafik: Statement

Junge Österreicher blicken sorgenvoll in die Zukunft. Grafik: Statement

Wien. Die eben von der Bundesregierung präsentierte Mehrwertsteuersenkung bei nur sieben Grundnahrungsprodukten wird die Sorgen der jungen Österreicher vor weiteren Preiserhöhungen kaum verringern: Laut der neuesten Jugendstudie der Meinungsforscher von tfactory ist die Angst vor weiteren Teuerungen größer als vor Krieg oder Kriminalität (Befragung von 1.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 29 Jahren in Österreich).

Die größte Sorge der jungen Österreicher ist eindeutig: Wie kommen sie bei der noch immer belastenden Teuerung - die Inflation liegt bei 3,8 Prozent (Dezember) - mit ihrem Einkommen durch einen Monat? Die derzeit von der Bundesregierung kommunizierte "Preisbremse" wird wenig dazu beitragen, dass die Angst vor persönlichen finanziellen Problemen schwindet: Die Preise bei Grundnahrungsmitteln wie 125 Gramm Butter, einem Kilo Mehl oder einem Liter Milch sollen um nur sechs bis acht Cent sinken, und das erst ab 1. Juli.

Jugendstudie Grafik tfactory/statement
Die neue Jugendstudie von tfactory, der Vergleich mit 2023; (Grafik: statement)

Interessant ist dabei auch der Vergleich mit den Ergebnissen der Jugendstudie von tfactory und des Meinungsforschers Bernhard Heinzlmaier aus dem Jahr 2023: Die Sorge der jungen Österreicher über die Preisanstiege hat deutlich um 5,9 Prozentpunkte zugenommen.

Ebenso alarmierend für Innenminister und Kanzler sollte sein, wie sehr die Kriminalität bereits eine ganze Generation belastet: Waren es 2023 noch 27,8 Prozent, die sich besorgt über das Ausmaß an Verbrechen in Österreich zeigten, sagten dies im Vorjahr bereits 43,5 Prozent – eine Steigerung von 15,7 Prozentpunkten.

Nur noch die Sorge vor einem möglichen Krieg, der auch junge Menschen in Österreich betreffen könnte, ist größer als die Angst vor Verbrechen: 57,7 Prozent bereitete die Entwicklung militärischer Konflikte im Jahr 2025 Sorgen, 2023 waren es noch 47,3 Prozent – ein Plus von 10,4 Prozentpunkten.

Auch die Sorgen über den Klimawandel auf Platz vier mit 42,1 Prozent, die steigende Armut mit 39,3 Prozent und die psychische Gesundheit mit 37,9 Prozent sind seit 2023 nicht geringer geworden.

Hohe Zahl an Flüchtlingen beunruhigt junge Österreicher

Ein weiterer Punkt der tfactory-Studie ist besonders interessant: Trotz sinkender Zahlen bei der Massenzuwanderung von Migranten nehmen die Sorgen junger Österreicher über ein Leben mit Flüchtlingen deutlich zu. Waren 2023 nur 16,2 Prozent der Befragten beunruhigt, so waren es im Vorjahr bereits 32,6 Prozent – ein Anstieg um 16,4 Prozentpunkte.

Jugendstudie tfactory statement
Aus der aktuellen Jugendstudie von tfactory; (Grafik: statement)

Eine klare Mehrheit von 63,2 Prozent der Befragten meint auch, dass Österreich keine Flüchtlinge mehr aufnehmen soll, weil "das Boot voll ist". Überraschend dabei: Sogar eine Mehrheit von 53,2 Prozent der jungen Österreicher mit Migrationshintergrund ist dieser Meinung. Und bei jungen Österreichern mit niedriger oder mittlerer Bildung wollen 71,5 Prozent ein komplettes Ende der Massenzuwanderung.

Glaube und Religion werden wichtiger

Die Frage der Demoskopen von tfactory, wie wichtig einzelne Lebensbereiche sind, lieferte ebenfalls aufschlussreiche Antworten: Die Familie gewinnt weiter an Bedeutung und liegt mit einem Plus von fünf Prozentpunkten auf Platz eins. Auch die Freizeit wird wichtiger, sie legt um neun Prozentpunkte zu und erreicht mit 58 Prozent Platz zwei.

Gewaltig an Bedeutung gewannen Glaube und Religion: ein Plus von 20 Prozentpunkten auf nun 28 Prozent. Das ist die größte Steigerung bei den abgefragten Lebensbereichen, die für junge Österreicher am wichtigsten sind.

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Die Familie ist weiterhin der wichtigste Lebensbereich - Jugendstudie von tfactory; (Grafik: statement)

Bei der konkreten Nachfrage, für welche der 16- bis 29-jährigen Österreicher "der Glaube an Gott eine wichtige Stütze ist", zeigt sich: Für 61,6 Prozent der in Österreich lebenden jungen Menschen mit Migrationshintergrund trifft das genau die Lebenseinstellung oder passt zumindest ein bisschen. Bei den Befragten ohne Migrationshintergrund fällt die Zustimmung mit 43,6 Prozent deutlich geringer aus.

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Der Glaube an Gott - ein wichtiger Teil der aktuellen Jugendstudie von tfactory; (Grafik: Statement)

Der Wiener Sozialwissenschaftler und Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier, Leiter des Marktforschungsunternehmens tfactory, fasst das Ergebnis der neueste Studie so zusammen: "Die Generationen unserer Tage sind gespalten, mehrere kulturelle Bruchlinien durchziehen die Gesellschaft. Vor allem die akademische Jugend hat sich separiert. Sie ist überwiegend  von Wokeness und antiwestlichen Ressentiments geprägt."

Heinzlmaier warnt auch: "Radikale soziale Bewegungen spalten die Jugend. Antikolonialismus, Feminismus, Antirassismus und LGBDQ-Ideologie werden aggressiv und kompromisslos vorgetragen. Die berufstätige Jugend und die Lehrlinge wenden sich von diesen modischen Strömungen ab, wählen die FPÖ. Generationszusammenhalt war gestern. Tiefe Gräben trennen die formal höher gebildeten Jugendlichen von allen andern. Und auch die ländliche und die städtische Jugend können nicht mehr miteinander."