Politico: Europa besorgt über die zunehmende Abhängigkeit von Gas aus den USA
Die Europäische Union ist auf dem Weg zu einer erheblichen Energieabhängigkeit von den Vereinigten Staaten, schreibt Politico. Während 2021 nur fünf Prozent der Gasimporte aus den USA stammten, sind es heute bereits 27 Prozent. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte amerikanisches Flüssigerdgas (LNG) – also auf minus 162 Grad heruntergekühltes und dadurch per Schiff transportierbares Erdgas – bis zu 40 Prozent des EU-Verbrauchs und 80 Prozent der gesamten LNG-Importe ausmachen.
Der steile Anstieg ist eine Folge der Bemühungen der EU, sich nach der Invasion der Ukraine vom russischen Gas unabhängig zu machen.
Analysten zufolge schafft diese Entwicklung jedoch eine neue strategische Schwachstelle. Die Beziehungen Washingtons unter der Führung von Präsident Donald Trump zu Europa sind angespannt, insbesondere wegen der Pläne zur Übernahme Grönlands und der Einführung von Zöllen gegen mehrere EU-Staaten. Diplomaten warnen, Trump könnte die Gaslieferungen als politisches Druckmittel einsetzen.
Europa bleibt für die Stromerzeugung, die Heizung und die Industrie von Gas abhängig. Trotz gesetzgeberischer Bemühungen um Diversifizierung sind die Möglichkeiten begrenzt – neue Kapazitäten in Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten stehen frühestens nach 2030 zur Verfügung.
Die EU investiert in die Infrastruktur für den Transport von Flüssigerdgas, darunter Gasleitungen in Malta, Zypern und auf dem Balkan. Energieexperten warnen jedoch, die Abhängigkeit von den USA laufe der Strategie von Sicherheit und Nachhaltigkeit zuwider.
Neben künftigen Energieabkommen – darunter die Verpflichtung zum Kauf amerikanischer Energieprodukte im Wert von 750 Milliarden Euro im Rahmen des Handelsabkommens vom vergangenen Jahr – plant die EU laut dem Portal im Zuge einer umfassenden Überarbeitung der europäischen Energieinfrastruktur, neue Wege für amerikanisches Gas zu eröffnen.
(max)