Hongkong: Regierungskritiker Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft verurteilt
Hongkong. Der prominente Medienunternehmer Jimmy Lai ist heute vom Obersten Gericht in Hongkong zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Der 78-jährige Aktivist wurde bereits im Dezember 2025 in zwei Punkten schuldig gesprochen: Verschwörung zur Kollaboration mit ausländischen Kräften sowie Verschwörung zur Veröffentlichung aufrührerischer Materialien.
Die Vorwürfe beziehen sich auf Aufrufe Lais zu internationalen Sanktionen gegen China und Hongkong während der Proteste 2019 sowie auf kritische Artikel in seiner inzwischen eingestellten Zeitung Apple Daily. Unter Berücksichtigung der bereits abgesessenen Untersuchungshaft könnte Lai frühestens 2044 freikommen – mit dann 96 Jahren.
Sein Sohn Sebastien Lai bezeichnete das Urteil als „faktisch lebenslänglich“ angesichts des Alters und des Gesundheitszustands seines Vaters. Der Hongkonger Regierungschef John Lee und Pekinger Stellen begrüßten das Urteil als Beweis für die Rechtsstaatlichkeit.
Das britische Außenministerium nannte es hingegen „einer lebenslangen Freiheitsstrafe gleichkommend“ und forderte die sofortige Freilassung des britischen Staatsbürgers. Auch die USA und die EU kritisierten das Vorgehen scharf und sehen darin einen weiteren schweren Rückschlag für die Freiheiten in Hongkong seit Inkrafttreten des Sicherheitsgesetzes 2020.
Der Fall Jimmy Lai gilt international als Symbol für die zunehmende Unterdrückung der Opposition und unabhängiger Medien in der Sonderverwaltungszone.